Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.09.2012

17:59 Uhr

Immer höhere Prämien

Uefa verführt Klubs zum Schuldenmachen

VonThomas Mersch, Stefan Merx

Die Uefa macht ernst mit Financial Fair Play, die Prämien von 23 Teams wurden eingefroren. Auf der anderen Seite gibt es international immer mehr Geld zu holen – eine unwiderstehliche Versuchung, den Erfolg zu erkaufen.

Bayern starten in die Champions League

Video: Bayern starten in die Champions League

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

KölnUefa-Präsident Michel Platini macht Ernst. Ein bisschen zumindest. Letzte Woche verhängte der europäische Fußballverband Sanktionen gegen 23 Klubs. Sie sollen gegen die Financial-Fair-Play-Regeln verstoßen haben.

Nun werden Prämien für die Teilnahme an den europäischen Klubwettbewerben eingefroren. Der Vorwurf: Zahlungen an andere Vereine, Mitarbeiter oder Steuerbehörden seien nicht geleistet worden. Auch Europa-League-Gewinner Atletico Madrid muss auf sein Geld warten.

Aus Deutschland kommt Applaus. "Die Uefa zeigt, dass es ihr ernst ist", sagte Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) dem Sender "Sky". Er erwartet, dass der Verband den Kurs hält. "Manchester City oder auch Paris St. Germain sind zwei Kandidaten, die mit einem Anruf der Uefa rechnen dürfen." Eigentümer aus Abu Dhabi und Katar pumpen dreistellige Millionensummen in die Klubs. Beim Champions-League-Sieger Chelsea hat der russische Oligarch Roman Abramowitsch das Sagen - in den letzten zehn Jahren investierte er eine Milliarde Euro.

Financial Fair Play sollte ein solches Finanzgebaren unterbinden. Danach dürfen Investoren Verluste ihrer Klubs nur stark begrenzt ausgleichen. Sonst drohen Sanktionen bis hin zum Ausschluss bei europäischen Wettbewerben.

Zenit St. Petersburg: Fair Play mit Fragezeichen

Zenit St. Petersburg

Fair Play mit Fragezeichen

Als Sportdirektor von Zenit St. Petersburg frönt Dietmar Beiersdorfer dem Kaufrausch. Mit Millionen des Energiekonzerns Gazprom mischt er den europäischen Fußball auf. Bei Experten schrillen die Alarmsirenen.

Freilich verleitet die Uefa mit der hochdotierten Champions League selbst zum Schuldenmachen. In dieser Saison schüttet sie 910 Millionen Euro Prämien aus - das ist Rekord. "Es existiert ein Teufelskreis für die Klubs", sagt Philipp Grothe, Chef der Sportmarketingagentur Kentaro. "Mit massiven Investitionen in Spieler möchten sie die Teilnahme erreichen. Dann aber sind sie aus finanziellen Gründen auch zwingend darauf angewiesen, regelmäßig in der Champions League zu spielen."

Sportlichen Misserfolg können sich diese Vereine nicht leisten - ein einmal hochgeschraubter Spieleretat lässt sich nicht so rasch wieder reduzieren. Und selbst die Qualifikation für die Europa League kann das nicht kompensieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×