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26.02.2016

20:29 Uhr

Infantino neuer Fifa-Präsident

Der Überraschungssieger

VonHolger Alich

Nur zwei Durchgänge – und kein Scheich: Die Wahl des Schweizers Gianni Infantino zum neuen Fifa-Präsidenten ist eine dicke Überraschung. Infantino zeigt sich reformwillig. Seine erste Mission: einen starken Mann finden.

Gianni Infantino beerbt Sepp Blatter. AP

Schweizer folgt auf Schweizer

Gianni Infantino beerbt Sepp Blatter.

ZürichPunkt 18 Uhr verkündete der Übergangspräsident Issa Hayatou das Ergebnis. Mit 115 Stimmen hat der bisherige Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino schon im zweiten Wahlgang die Mehrheit unter den 207 stimmberechtigten Nationalverbänden hinter sich bringen können. Das Ergebnis ist eine Überraschung, denn vor dem Urnengang hatte der Bahreiner Scheich Salman Al Khalifa, der Präsident der asiatischen Konföderation, als Favorit gegolten. Schließlich hatten die Konföderationen Asiens und Afrikas ihren Mitgliedern empfohlen, für ihn zu stimmen.

Schon im ersten Wahlgang hatte aber Infantino mit 88 Stimmen die Nase vorn vor Scheich Salman, der 85 Stimmen bekommen hatte. Offenbar haben sich die Unterstützer der beiden Außenseiterkandidaten, Prinz Ali von Jordanien (27 Stimmen) und Jérôme Champagne (7 Stimmen) fast geschlossen auf die Seite des Schweizers geschlagen. Infantino selbst schien von dem klaren Wahlsieg schon in der zweiten Runde überrascht zu sein. „Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle ausdrücken sollte“, sagte er in einer kurzen Ansprache. „Wir werden das Image der Fifa wiederherstellen“, kündigte er an.

Was Sie über die Fifa-Wahl wissen müssen

Das Reformpaket

Das Schicksal der FIFA hängt nicht von ihrem neuen Präsidenten ab, sondern von der Zustimmung zum Reformpaket. Nicht nur DFB-Ex-Präsident Wolfgang Niersbach sieht das so. In seiner Funktion als Fifa-Exekutivmitglied warnt er daher vor einem erneuten Scheitern der Statutenänderungen, die in sogar weniger radikaler Form 2014 beim Kongress in Sao Paulo abgeschmettert wurden. Im Kern geht es um eine Gewaltenteilung und die Trennung der politischen Repräsentation und der ökonomischen Entscheidungsebene.

Welche Aufgaben hat künftig der Fifa-Präsident?

Eine weitgehend unkontrollierte Allmacht á la Blatter soll es nie mehr geben. Der nächste Fifa-Chef soll eher repräsentative Aufgaben übernehmen, den Weltverband in politischen Angelegenheiten vertreten. Im Alltagsgeschäft spielt er keine Rolle – soweit die Theorie. Völlig entkoppelt ist der neue „P“ aber auch nicht. Er hat Sitz und Stimme im neuen Council. Und er hat ein Vorschlagsrecht bei der Benennung des Generalsekretärs und damit Einfluss auf die Administration.

Wer wird der neue starke Mann beim Weltverband?

Der Generalsekretär bekommt mehr Macht. Das klingt paradox, denn gerade der entlassene und gesperrte Jérôme Valcke demonstrierte, wie man diesen Job zum eigenen Vorteil unlauter nutzen kann. Die Fifa will aber einen starken Geschäftsführer installieren, wie ein CEO Chief Executice Officer (etwa geschäftsführendes Vorstandsmitglied) in großen Konzernen. Gewählt wird der Generalsekretär vom Council, kontrolliert von diesem und der Compliance Abteilung, für die der Chief Compliance Officer (eine Art Aufpasser, dass das Geschäftsgebaren des Verbandes mit Recht und Gesetz übereinstimmt) im Büro des Generalsekretärs sitzt.

Das Exekutivkomitee stand massiv in der Kritik. Was wird aus dem Gremium?

Aus dem Exekutivkomitee wird das Council. Aus der sogenannten Regierung wird eine Art Aufsichtsrat. Statt die wesentlichen Entscheidungen gerade monetärer Art zu treffen, darf das Gremium diese nur noch genehmigen. Statt 25 gehören künftig 36 Funktionäre plus Präsident zum elitären Kreis mit einer stärkeren Repräsentation aus Afrika und Asien. Jede Konföderation muss eine Frau entsenden. Berufen werden die Mitglieder weiter von ihren Kontinentalverbänden. Das war schon Blatter ein Dorn im Auge. Und: Derzeitige Exko-Mitglieder haben Bestandsschutz. Niersbach könnte zum Beispiel sein laufendes Mandat bis 2019 erstmal im Council absitzen.

Wie funktioniert die Kontrolle der Fifa-Funktionäre?

Für Präsident und Council-Mitglieder gilt die Beschränkung auf drei Amtszeiten á vier Jahre. Sie müssen sich vor Amtsantritt einem externen Integritätscheck unterziehen und die lange streng gehüteten Gehälter werden offen gelegt. Reduziert wird die Zahl der ständigen Kommissionen von 26 auf 9, um mehr Effizienz und Professionalität zu gewährleisten. Die Mitglieder der juristisch relevanten Kommissionen, wie der Ethikkommission, der Disziplinarkommission und der Berufungskommission sollen alle nicht aus der sogenannten Fußball-Familie kommen, also Fifa-extern sein.

„Ich nehme an, dass Prinz Ali seinen Unterstützer gebeten hat, für Infantino zu wählen“, sagte Reinhard Grindel, der designierte DFB-Präsident, nach dem Kongress zum Handelsblatt. Prinz Ali ist von Scheich Salman seinerzeit aus der Führungsebene der asiatischen Konföderation entfernt worden.

Der DFB ist mit der Wahl zufrieden. „Die Wahl des Scheichs hätte wohl die Wirkung der Reformen wieder aufgehoben“, meint Grindel, und spielt damit auf die Kritik an die Adresse Salmans an. Dieser war 2011 Präsident des Fußballverbandes Bahrein, als es Unruhen im Land gab, die gewaltsam niedergeschlagen worden sind. Dabei wurden auch Fußballer verhaftet und gefoltert. Zwar konnte Scheich Salman eine persönliche Verwicklung nie zweifelsfrei nachgewiesen werden; auf der anderen Seite hat er sich auch nie von den Ereignissen damals distanziert.

Aber auch Infantinos Person ist nicht unumstritten. So hat der Schweizer, der wie Vorgänger Sepp Blatter aus dem Wallis stamm, mit Blick auf Reformen seine Meinung geändert. Als Blatter noch Amtszeitbeschränkungen einführen wollte, hatte die Uefa das Vorhaben zu Fall gebracht. Der Schweizer aus dem Wallis hatte zudem einen klassischen Wahlkampf nach Blatters Manier geführt. Und vor allem den kleinen Verbänden versprochen, mehr Geld aus der Fifa für Fußballförderung auszugeben.

Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Kongress bekräftige Infantino sein Wahlversprechen, dass der neue Generalsekretär kein Europäer sein wird. „Ich habe einige Namen im Kopf, aber das ist nicht der Moment, darüber zu reden.“ Laut den neuen Statuten muss der neue Generalsekretär vom neuen Council auf Vorschlag des Präsidenten gewählt werden.

Ein Journalist verwies auf Infantinos teure Wahlversprechen, dabei sei die Fifa finanziell in einer schwierigen Situation. „Wenn die Fifa fünf Milliarden einnimmt, dann kann die Fifa auch 1,2 Milliarden in den Fußball investieren, das muss die erste Priorität sein. Die Kosten der Fifa müssen die zweite Priorität sein. Es wird einfach sein, die Kosten bei der Fifa zu senken. Das sage ich aus Erfahrung“, erklärte er dazu und verwies auf seine Tätigkeit bei der Uefa als Generalsekretär. Da nun eine neuer Präsident und die Reformen gewählt sind, sei es zudem leichter, die TV-Rechte für die Fifa-Turniere zu verkaufen und neue Sponsoren zu gewinnen und so die Einnahmen zu steigern.

Und schloss die Pressekonferenz mit Worten, die schon arg nach Sepp Blatter klangen: „Ich werde der Welt zeigen, dass ich nicht der Kandidat Europas bin, sondern des Fußballs. Wir müssen Brücken bauen, keine Mauern.“

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