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04.10.2017

13:16 Uhr

Inflation am Transfermarkt

Wie die Preisspirale für Fußballer rotiert

VonThomas Schmitt

Die nächste Inflationswelle im Fußball rollt: Erst steigen Schätzungen, dann die Verkaufspreise. Bald ist kein Topkicker unter 100 Millionen zu haben. Zur Spirale gehören auch Fußballforscher. Die neuen Cies-Prognosen.

Tore, Tore, Tore: Der Stürmer von Manchester United hat seinen Wert auf mehr als 150 Millionen Euro gesteigert, schätzen die Schweizer Fußballforscher vom Institut Cies. AP

Romelu Lukaku

Tore, Tore, Tore: Der Stürmer von Manchester United hat seinen Wert auf mehr als 150 Millionen Euro gesteigert, schätzen die Schweizer Fußballforscher vom Institut Cies.

DüsseldorfNoch sind Verkaufspreise von 100 Millionen für einen Topfußballer die Ausnahme. Doch je mehr Geld in diesen Vergnügungssektor fließt, umso mehr werden solche, für den normalen Fußballfan unfassbar hohen, Zahlen zur Regel. Dass der Trend zu dreistelligen Ablösesummen anhält, darauf deuten auch die neuen Werteschätzungen Schweizer Fußballforscher hin.

Die Experten des Cies haben aufgrund ihrer Modelle die Einschätzung der Transferwerte für Topfußballer angepasst und eine Liste mit 100 Fußballern veröffentlicht, die zu Beginn der Saison besonders auffällig waren. Die aufgrund des Schweizer Transfermarkt-Modells errechneten Wertsteigerungen bewegen sich dabei zwischen acht und 56 Prozent.

Die errechneten Werte liegen häufig über den allgemein verfügbaren Zahlen, die die Plattform Transfermarkt.de berechnet und veröffentlicht. Der Grund: Die Schweizer Forscher stützen sich auf ein mathematisches Modell mit vielen Faktoren, während Transfermarkt.de durchschnittliche Einschätzungen von interessierten Fußballfans und Experten widerspiegelt.

Teurer als Messi und Ronaldo

Transfermarkt

Die Preise am Transfermarkt für Topspieler sind in nur drei Monaten bis zu 50 Prozent hochgeschossen. Dies haben die Schweizer Fußballforscher vom Cies errechnet.

Christiano Ronaldo

Der Wert des Topstürmers von Real Madrid liegt mit 112 Millionen Euro zwar noch über der magischen Schwelle von 100 Millionen. Doch rund ein Dutzend Spieler sind inzwischen mehr wert.

Lionel Messi

Der Star des FC Barcelona dürfte zwar – trotz seiner 30 Jahre – noch rund 150 Millionen Euro wert sein. Doch etliche jüngere Kicker sind begehrter und damit teurer.

Romelu Lukaku

Der neue Stürmer von Manchester United schießt ein Tor nach dem anderen. Um 57 Prozent auf nun 158,5 Millionen Euro ist sein Wert in nur drei Monaten gestiegen.

Dele Alli

Der Star von Tottenham hat gegen Borussia Dortmund gar nicht gespielt. Dennoch ist sein Wert weiter auf nun rund 180 Millionen Euro gestiegen. Damit ist er derzeit der zweitwertvollste Fußballer der Welt.

Neymar

Die Spitze wird natürlich von Neymar besetzt, der von Barcelona nach Paris wechselte für 222 Millionen Euro. Sein Wert wird von den Cies-Forschern mit rund 240 Millionen Euro angegeben.

Paulo Dybala

In die Riege der Superstars reiht sich nun auch der Juventus-Stürmer ein. Sein Wert stieg zuletzt um fast 50 Prozent auf 161 Millionen Euro.

Harry Kane

Wertvoller als Messi und Ronaldo ist auch der Tottenham-Star, der Borussia Dortmund abgeschossen hat: Mit 154 Millionen Euro ist sein Wert zuletzt aber kaum gestiegen.

Paul Pogba

Der aktuell verletzte Mittelfeldhüne von Manchester United hat seinen Wert zuletzt um mehr als 20 Prozent auf rund 154 Millionen Euro gesteigert.

Kylian Mbappè

Der Shooting-Star der vergangenen Saison hat Ronaldo bereits überholt und ist an Messi dran: Auf 146 Millionen Euro schätzen die Schweizer seinen Wert: Plus 50 Prozent gegenüber Mitte 2017.

Ousmane Dembélé

Der Rekordtransfer der Bundesliga (von Borussia Dortmund zum FC Barcelona) hat seinen Wert um satte 45 Prozent auf rund 138 Millionen Euro verbessert.

Als Anhaltspunkt für tatsächliche Verkaufspreise und als Basis für Verhandlungen zwischen den Vereinen haben sich die Werte der Schweizer in der Vergangenheit als zuverlässiger erwiesen. Sie spiegeln zudem den Trend am Transfermarkt genauer wider als Transfermarkt.de, weshalb ihnen die Aufmerksamkeit der Branche gewiss ist.

Laut Cies hat der Stürmer Romelu Lukaku in den vergangenen Monaten am stärksten seinen Wert gesteigert. Der Stürmer war vom FC Everton zu Manchester United gewechselt und schießt auch beim neuen Verein Tore am Fließband. Natürlich tauchen in der neuen Liste auch angepasste Schätzungen für die Supertransfers des Sommers auf: Neymar, Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé.

Shooting-Stars aus Deutschland und der Bundesliga

Transfermarkt

Manche Werte für deutsche Topspieler und Kicker aus der Bundesliga sind in nur drei Monaten deutlich hochgeschossen. Dies haben die Schweizer Fußballforscher vom Cies errechnet.

Antonio Rüdiger

Der deutsche Nationalspieler ist von Rom zum FC Chelsea gewechselt. Mit 67 Millionen Euro ist er aktuell deutlich mehr wert als Weltmeister Mats Hummels.

Leroy Sanè

Der Außenstürmer von Manchester City schießt Tore und steigert seinen Wert auf fast 100 Millionen Euro. Damit ist er aktuell der wertvollste deutsche Nationalspieler.

Niklas Süle

Der Wechsel zu Bayern München wirkt am Transfermarkt: Sein Wert stieg von 37 auf 57 Millionen Euro.

Timo Werner

Der Leipziger Stürmer sorgt für Furore und wird teurer: Unter 90 Millionen Euro dürfte er heute schon nicht mehr zu haben sein.

Marc-André ter Stegen

Der Torwart des FC Barcelona ist mit satten 85 Millionen Euro extreme wertvoll. Den deutschen Platzhirsch Manuel Neuer hat er zumindest in dieser Hinsicht bereits überholt.

Emre Can

Der Mittelfeldakteur von Liverpool ist kein Stammspieler bei Jogi Löw, aber dennoch mehr als 40 Millionen Euro wert. Kein Wunder, er spielt ja schließlich in England.

Christian Pulisic

Der junge Außenstürmer von Borussia Dortmund spielt viel und steigert so seinen Wert auf inzwischen fast 80 Millionen Euro. Er könnte der nächste Supertransfer des BVB werden.

Corentin Tolisso

Der französische Neuzugang der Bayern dürfte aktuell rund 57 Millionen Euro wert sein, mehr als er gekostet hat.

Kingsley Coman

Der Außenstürmer soll einmal in die Fußstapfen von Robben oder Ribery treten. Am Transfermarkt ist das schon passiert. Sein Wert: rund 39 Millionen Euro.

Auffällig ist der Trend. In der Cies-Liste von 2016 lagen nicht einmal zehn Spieler über der Schwelle von 100 Millionen Euro. Inzwischen sind es mehr als zwanzig. Tendenz: steigend. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis diese neuen Wertschätzungen auch zu tatsächlichen Verkaufspreisen werden. Das Geld dafür ist vorhanden: Reiche Geldgeber, Sponsoren und TV-Sender liefern es in Hülle und Fülle - nach wie vor.

Kommentare (1)

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Herr Arnd Stricker

05.10.2017, 17:41 Uhr

Das kann eigentlich nur böse enden. In den Fußball fließen Gelder aus Prestigegründen, die sich nicht im normalen Betrieb verdienen lassen. Langfristig ist ein solches Modell instabil und wird scheitern. Ich glaube, es lohnt ein Blick in die USA mit dem professionellsten und kapitalistischsten Sportmarkt. Dort haben sich die Ligen und die Vereine auf Modelle und Regeln geeinigt, die wirtschaftlich stabil sind, attraktiven Sport bieten, für einen gewissen Ausgleich zwischen den Vereinen sorgen und nicht von erratischen Geldgebern abhängig sind,

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