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08.06.2012

10:34 Uhr

Interview mit Ex-Hooligan

„Die Gewalt war für mich wie Heroin“

VonCarsten Germann
Quelle:Zeit Online

Danny Brown gehörte zu den härtesten Hooligans Englands. Im Interview greift er die Uefa für die Vergabe der EM nach Osteuropa scharf an und erklärt, warum das gerade für farbige Spieler und Fans gefährlich werden könnte

Danny Brown vor seiner „sportlichen Heimat“, dem Villa Park in Birmingham. blackdanny.co.uk

Danny Brown vor seiner „sportlichen Heimat“, dem Villa Park in Birmingham.

Hamburg/BirminghamHerr Brown, welches Schlüsselerlebnis führte Sie in den Fußball-Hooliganismus?

Danny Brown: Ich war ungefähr 18 Jahre alt, als ich mich der Hooligan-Gruppierung C-Crew von Aston Villa anschloss. Das war eine Zeit, die von Rassismus und von sehr viel Gewalt geprägt war – nicht nur im Fußball. Dass ich schwarz bin, hat noch mehr Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Aber es wäre falsch, die Ursache für meine Aggressionen in den rassistischen Anfeindungen durch gegnerische Fans zu suchen.

Worin dann?

Ganz klar: Die Gefahr und das Adrenalin waren wie ein Zaubertrank für mich!

Was machte die C-Crew zu einer führenden Hooligan-Gruppe in Großbritannien?

Ich denke, es war die erste multikulturelle Firm in Großbritannien. Wir kamen aus unterschiedlichen Teilen Birminghams zusammen, hatten unterschiedliche soziale Hintergründe – und das in der sogenannten Blütezeit des britischen Fußball-Hooliganismus! Zudem waren wir furchtlos und zu hundert Prozent überzeugt von dem, was wir taten. So konnten wir uns mit jeder Firm im Land messen. Wir haben im Stadion und auch außerhalb gekämpft, auf Bahnstationen, in Bars und Nachtclubs. Wir waren überall, wo es in Europa Ärger gab.

Cass Pennant, ein ehemaliger Hooligan von West Ham United, hat die Faszination der Fußball-Gewalt einmal in einem Interview als Sucht bezeichnet. Waren Sie auch süchtig nach Gewalt?

Nun, die Leidenschaft, für Deinen Club zu kämpfen und der damit verbundene Adrenalinrausch waren unglaublich. Aber ich glaube nicht, dass man diese Sucht verstehen kann. In meinem Buch Villains habe ich versucht, das zu erklären. Die Gewalt war für mich wie Heroin, sie wurde zu einer Sucht. Das Unfaire daran ist, dass man Fußball-Hooligans ins Gefängnis steckt und nicht in renommierte Rehabilitationskliniken, wo sie versuchen, dich zu heilen.

Mit Verlaub, das klingt sehr einfach.

Sicher. Ein Alkoholiker oder ein Drogensüchtiger würden diesen Vergleich mit einem Hooligan nicht akzeptieren. Aber ich habe es geliebt, zur C-Crew zu gehören, genoss die Planung und die Ausführung unserer Aktionen und die Befriedigung, wenn wir aus den Kämpfen als Sieger hervorgingen. Natürlich nur für eine gewisse Zeit.

Und dann landeten Sie 1982 tatsächlich im Gefängnis.

Exakt. Ich wurde zu zwei Mal drei Jahren verurteilt – und zwar im Anschluss an die heftigsten Fußballausschreitungen der vergangenen 40 Jahre.

Welche Ereignisse waren das?

Das waren die wichtigsten und prägenden Ereignisse in meiner Zeit als Hooligan, ich habe sie in Villains dokumentiert. Sie wurden bekannt als „Der längste Tag“ – eine Art Rachefeldzug gegen Liverpool in der Saison 1980/81. Die Fans dort hatten mich auf schlimme Weise rassistisch beleidigt. Als ich zum ersten Mal aus dem Gefängnis kam, waren Steckbriefe mit dem Titel „Nigger Danny – Tot oder lebendig“ keine Seltenheit. Nicht nur in Birmingham.

Kommentare (2)

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pk.

08.06.2012, 12:00 Uhr

Schön ung gut, aber liegt Moskau nicht in Russland?
Hat der Herr da vielleicht nicht aufgepasst in Landkunde?

Und wieso befragt man jemanden zu dem, wass er in den Nachrichten gehört hat?
Sorry, das ist Sandkasten-journalismus.

Baluba

08.06.2012, 14:29 Uhr

...Danny Brown härtester Ex Hooligan aus England…. beklagt sich bei der Uefa für die Vergabe der EM nach Osteuropa….
Bei soviel arroganter Unverschämtheit bleibt einem die Spucke weg.
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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