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14.10.2012

13:17 Uhr

Interview Robin Dutt

„Trainer sind keine Roboter, sondern auch nur Menschen“

Noch ist in dieser Saison kein Bundesliga-Trainer gefeuert worden, ein „Jahrtausend-Rekord“. Robin Dutt will davon aber noch keinen Trend ableiten – im Gegenteil, sagt der neue Sportdirektor des DFB im Interview.

Der neue DFB-Chef Robin Dutt. Reuters

Der neue DFB-Chef Robin Dutt.

Frankfurt/MainBruno Labbadia hat mit seiner Wutrede für Aufsehen im deutschen Fußball gesorgt. Können Sie seine heftige Reaktion verstehen?
Robin Dutt: Erstmal muss man für alles, was menschlich ist, Verständnis haben. Dazu gehört auch, dass man mal seine Emotionen nach außen kehrt. Trotz allem ist es eine individuelle Situation und es steht mir nicht zu, das zu bewerten. Mir ist es wichtig, dass man den Kern der Aussagen sieht. Da haben sich die Bundesliga-Trainer ja komplett solidarisch erklärt. Dem kann ich mich anschließen.

Dennoch: Fehlt es den Trainern mit ihren mitunter emotionalen Auftritten nicht an Professionalität und Gelassenheit?
Bruno Labbadia ist sicher nicht dafür bekannt, dass er jede Woche einen Wutanfall hat. So etwas sollte nicht auf der Tagesordnung stehen. Aber die Trainer sind keine Roboter, sondern auch nur Menschen.

Es gibt ja mittlerweile viele Teampsychologen in der Bundesliga. Bräuchten Trainer, die wohl am meisten unter Druck stehen, nicht auch besondere mentale Unterstützung?
Wir können ja nicht wissen, welcher Trainer sich psychologischen Rat holt und welcher nicht. Die Psychologen begleiten die Thematik, die die Mannschaft betrifft, und dadurch automatisch auch die des Trainers. Die nehmen das schon in Anspruch, ohne immer nach außen zu gehen. Die Trainer, das kann ich ihnen sagen, sind sehr offen für alle Dinge, die Leistung optimieren können - auch ihre eigene Leistung.

Labbadia beklagte sich: „Es hat sich in diesem Geschäft eingebürgert, wenn was schief läuft, dann geben wir dem Trainer die Schuld?“ Wem eigentlich sonst - außer noch den Spielern - sollen die Fans die Schuld geben?
Das ist nicht einfach, das gebe ich zu, aber: Eine Leistung wird immer von sehr vielen Faktoren beeinflusst - von strategischen, planerischen und natürlich auch der Umsetzung. Management, Trainer und Spieler sind alle beteiligt an dieser Leistung. Der Mechanismus ist so, dass man sehr gerne den Trainer hauptsächlich in die Verantwortung nimmt, dass er sogar die komplette Verantwortung übernehmen muss - meist mit Jobverlust verbunden. Obwohl die Trainer auch wissen, dass sie die Dinge nicht beeinflussen können. Nehmen wir Lucien Favre in Gladbach: Da kann keiner in Abrede stellen, dass er ein hervorragender Trainer ist, der aber dieses Jahr eine andere Situation hat, als es im vergangenen Jahr der Fall war.

Sind die Trainer heute nicht in einer stärkeren Position? Sie haben ganze Betreuerteams, manchmal sogar eine Doppelfunktion wie Markus Babbel zuletzt in Hoffenheim oder Magath in Wolfsburg - und sind auch oft an Transfers beteiligt.
Da würde ich Ihnen widersprechen: Die Macht der Trainer ist kleiner, viel, viel kleiner geworden. Es gibt einige, die nur bedingt Einfluss auf die Zusammenstellung ihres Kader haben. Auch im Funktionsteam muss bei einem kurzfristigen Engagement oft Personal übernommen werden. Dann haben Trainer viel mehr Termine und es gibt Einflüsse aus dem nichtsportlichen Bereich. So nehmen die Spielerberater heute eine ganz andere Rolle ein als in der Vergangenheit. Insgesamt haben sich die Handlungsmöglichkeiten im Vergleich zu den 80er oder 90er Jahren verändert. Da gab's viel mehr autoritäre Trainer, denen die Vereine gefolgt sind.

Seit 2000 wurde bis zum 13. Oktober immer mindestens ein Trainer geschasst. Jetzt gibt es einen Rekord für dieses Jahrtausend, noch ist in dieser Saison kein Trainer entlassen worden. Mike Büskens in Fürth, Christian Streich in Freiburg, Markus Weinzierl in Augsburg oder Thomas Schaaf in Bremen gelten fast als unkündbar. Ein Beweis dafür, dass die Liga mehr auf Konzepttrainer setzt?
Naja, die Trainer in Fürth und in Freiburg waren in der Regel schon immer unkündbar. Letztendlich muss man nach dieser Saison sehen: Waren es diesmal wieder neun oder zehn, oder nur einer oder zwei, die gehen mussten? Erst dann könnten wir von einem Trend sprechen.

Von

dpa

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