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13.04.2006

11:25 Uhr

Interview

„Wir hier in Europa“

VonDas Gespräch führte Peter Steinkirchner
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Bayern-München-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge über die Herrschaftsansprüche von Sepp Blatter und des Weltfußballverbands Fifa.

Karl-Heinz Rummenigge Foto: dpa

Karl-Heinz Rummenigge Foto: dpa

Herr Rummenigge, ganz Deutschland will noch Karten haben für die WM - wissen Sie schon, wo Sie beim Eröffnungsspiel in München sitzen?

Ich bin einer der internationalen Botschafter der WM und hoffe deshalb, dass man mir zwei Plätze im Stadion gibt, damit ich mit meiner Frau dort hingehen kann. Wenn das nicht klappt, sitze ich wohl in unserer Loge, die der FC Bayern für sehr viel Geld gemietet hat.

Der FC Bayern muss in seinem eigenen Stadion seine eigene Loge bezahlen?

Ja, wir haben der Agentur iSe, die der Fifa die Rechte für die Vermarktung der Logen und VIP-Plätze abgekauft hat, 150 000 Euro für die sechs WM-Spiele in München bezahlt. Damit wollen wir wichtigen Partnern die Möglichkeit geben, bei der WM dabei zu sein. Natürlich ist der Preis sehr hoch. Wir haben deshalb auch sehr lange darüber nachgedacht, ehe wir gekauft haben. Das ist schon alles sehr kurios: Bei der Fifa ist man nicht mehr Herr im eigenen Haus.

Wo wird denn Fifa-Präsident Sepp Blatter sitzen?

Der Herr Blatter sitzt auf der gegenüberliegenden Seite - und das ist auch ganz gut so.

Sie haben Probleme mit Herrn Blatter?

Ich habe große Probleme mit der Fifa.

Und worin bestehen die?

Die Fifa hat ihre Statuten so ausgelegt, dass wir Clubs ihr unsere hochbezahlten Profis kostenlos zur Verfügung stellen müssen. Mit diesen Spielern macht die Fifa bei ihren Veranstaltungen wie jetzt bei der WM einen Milliardenumsatz und einen Riesengewinn - ohne die Vereine angemessen zu beteiligen. Das ist ein klarer monopolistischer Verstoß. Das kann so nicht weitergehen.

Was fordern Sie von der Fifa konkret?

Die Clubs fordern zwei Dinge. Erstens: Die Fifa soll die Spieler versichern. Der Weltverband hat jetzt angeboten, einen Fonds zu gründen, aus dem die Clubs der bei der WM verletzten Spieler bedient werden. Aber das reicht nicht aus. Wir wollen zweitens, dass die Fifa für den vollen Zeitraum der WM die Kosten, die den Vereinen entstehen, kompensiert. Da sprechen wir gut und gern von zwei Monatsgehältern.

Wie viele Nationalspieler stellt der FC Bayern für die WM ab?

Von uns nehmen 13 Nationalspieler für Deutschland und Länder wie Brasilien oder die Niederlande an der WM teil.

Was kostet die WM demnach den FC Bayern?



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Sie müssen rechnen, dass ein Nationalspieler bei den guten Clubs Kosten von rund 10 000 Euro am Tag verursacht.

Das heißt alles zusammengenommen?

Die Rechnung ist ganz einfach: Es nehmen 32 Mannschaften an der WM teil, mit einem Kader von jeweils 23 Spielern, das wären allein schon fast 740 Spieler, für » deren Lohn die Fifa aufkommen müsste. Die Interessenvertretung G 14, der auch wir angehören, hat errechnet, dass die Fifa etwa 200 Millionen Euro bezahlen müsste, um die Vereine vollständig zu entschädigen. Dabei müssen Sie eines sehen: Allein der Schaden, der den Vereinen in den vergangenen zehn Jahren durch verletzte Nationalspieler entstanden ist, lag bei rund 860 Millionen Euro.

So viel Geld wird Herr Blatter doch niemals freiwillig herausrücken!

Die Versicherung wird so kommen, aber bei der Frage der Kompensation sieht das anders aus: Wenn uns die Fifa kein akzeptables Angebot macht, werden wir die Sache leider vor Gericht ausfechten müssen.

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