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14.02.2011

09:49 Uhr

Intiative gegen Präsident

Alleinherrscher Königs soll gestürzt werden

VonMarkus Hennes

Borussia Mönchengladbach hat schon bessere Zeiten erlebt: Der Verein steht abgeschlagen auf dem letzten Platz der Bundesliga, Trainer Michael Frontzeck wurde gerade entlassen und auch wirtschaftlich läuft es schlecht. Eine Initiative macht dafür Präsident Rolf Königs verantwortlich – und will, dass er abtritt.

Präsident Rolf Königs: Der uneingeschränkte Herrscher bei Borussia Mönchengladbach wird von zwei Wirtschaftsbossen und einem Journalisten zum Rücktritt aufgefordert. Quelle: picture-alliance/dpa

Präsident Rolf Königs: Der uneingeschränkte Herrscher bei Borussia Mönchengladbach wird von zwei Wirtschaftsbossen und einem Journalisten zum Rücktritt aufgefordert.

Düsseldorf/MönchengladbachRolf Königs ist der uneingeschränkte Herrscher beim Fußballverein Borussia Mönchengladbach. Seit April 2004 führt er den Bundesligisten – als Präsident und Geschäftsführer. Manche spotten über den 69-jährigen ehrenamtlichen Regenten: Königs Ahnung vom Fußball stehe in keinem gesunden Verhältnis zu seinem Einfluss im Verein.

Allheilmittel Trainerwechsel

Hätte Gladbach Erfolg, wäre das nicht schlimm. Doch Borussia steht nach 22 Spieltagen abgeschlagen auf dem letzten Platz der Liga. Am Samstag verloren die Borussen 1:3 gegen St. Pauli. Die Vereinsführung reagierte und entließ gestern Trainer Michael Frontzeck. Im Verein brodelt es. „Es wird höchste Zeit, die Talfahrt zu stoppen und Borussia eine moderne Führungsstruktur zu geben“, sagt Ex-Versicherungsvorstand Norbert Kox. Er zählt mit dem Banker Friedhelm Plogmann und dem Journalisten Martin Schmuck zu den Wortführern einer Protestbewegung, die sich „Initiative Borussia“ nennt.

Für die Männer steht fest: Bundesligafußball ist Unterhaltung, und Borussia, ein mittelständisches Unternehmen dieser Branche, muss von Profis gemanagt werden. Tatsächlich besteht Handlungsbedarf. Zu den bisherigen Heimspielen der Borussen in dieser Saison kamen im Schnitt nur 43000 Zuschauer, das sind 4000 weniger als 2009/10. Die vom Tabellenplatz abhängigen TV-Einnahmen sinken, erste Sponsoren werden nervös. Doch die 43000 Mitglieder können über die Vereinsoberen, das Präsidium, nicht mitbestimmen. Dieses Privileg gehört dem siebenköpfigen Aufsichtsrat, einem erlauchten Kreis verdienter Borussen, die hinter Königs stehen.

Den Aufständischen bleibt nur, die Satzung zu ändern. So soll die Mitgliederversammlung den Aufsichtsrat und die drei Mitglieder des Präsidiums auf Vorschlag des Ehrenrats direkt wählen. Um die Professionalität zu erhöhen, soll das ehrenamtliche Präsidium künftig nicht mehr in der Geschäftsführung, sondern im Aufsichtsrat tätig sein.

Problematische Doppelfunktion

Präsident Königs ist auch Geschäftsführer – und vielleicht lief deshalb einiges schief. Vier Sportdirektoren hat der Verein zuletzt ausprobiert, gebracht hat es wenig. „Die Clubführung hat es nicht geschafft, sportliche Kompetenz zu etablieren“, sagt Kox. Laut dem Informationsdienst „Transfermarkt.de“ gab Gladbach seit 2008/09 insgesamt 29 Millionen Euro für neue Spieler aus, nahm durch Spielerverkäufe aber nur elf Millionen ein. Zudem wurden die Verträge mit Leistungsträgern vorzeitig verlängert – was üblicherweise ein höheres Gehalt bedeutet. Aber kann sich Borussia das auch leisten? Der Verein rechnet nach eigenen Angaben für das Jahr 2010 voraussichtlich mit roten Zahlen. Schon 2009 lag die Eigenkapitalquote mit 13,5 Prozent 20 Prozentpunkte unter dem Erstligaschnitt. Banker Plogmann sieht den hochverschuldeten Club in den Fängen der Gläubiger: der Landesregierung, der Banken, der Stadt.

„Die Notstandsregierung steht“

Kein Problem, findet dagegen der Präsident: „Borussia ist wirtschaftlich gut aufgestellt“, sagt Königs. Aktuelle Zahlen nennt er aber nicht. Potenzial, die Finanzen aufzubessern, gibt es. Fünfmal – 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977 – wurde Gladbach Meister. Mit ihrer unbekümmerten und offensiven Spielweise begründete die junge Mannschaft des legendären Trainers Hennes Weisweiler den Mythos der Fohlenelf. Obwohl diese glanzvolle Zeit 30 Jahre zurückliegt, ist sie in Fußball-Deutschland unvergessen.

Was aber macht Königs? „Der Präsident hält die Provinzialität hoch und schlägt kein Kapital aus der nach wie vor attraktiven Marke“, kritisiert Journalist Schmuck. Mit neuen Sponsoren wollen er, Kox und Plogmann die Borussia in den internationalen Fußball bringen. Doch für ihre Satzungsänderung brauchen sie auf der nächsten Mitgliederversammlung eine Zweidrittelmehrheit. Die Vorbereitung läuft: „Die Notstandsregierung steht“, sagen sie. Aber für das Amt des Präsidenten „wird keiner von uns kandidieren“. Amtsinhaber Königs schmollt. Er empfindet die öffentlichen Attacken gegen ihn als „belastend“.

Kommentare (1)

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KritischerBorusse

17.02.2011, 13:05 Uhr

Die Initiative Borussia besteht aus Profilneurotikern, welche die Gunst der Stunde (= mieser Tabellenplatz) nutzen wollen, um die Fans mit ihrer wirren Polemik ("Bei der Borussia müssen jetzt alle rausfliegen") zu einer Satzungsänderung zu bewegen. Am Ende dieser Satzungsänderung steht, dass die Mitglieder weniger Einfluss nehmen können als vorher. Wer in der jetzigen Situation weiter Unruhe in den Verein reinbringt, zeigt seine wahre Gesinnung.

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