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03.07.2017

13:48 Uhr

Investoren im Fußball

Jogis Glanz überstrahlt Misere der Bundesliga

VonThomas Schmitt

Spanien hat die besten und England die reichsten Klubs. Wenn die Bundesliga vorne mitspielen will, muss sie sich für Investoren öffnen. Die Erfolge der DFB-Teams verdecken die Probleme im Vereinsfußball. Ein Kommentar.

DüsseldorfSeit der katastrophalen Europameisterschaft 2004 in Portugal hat sich viel getan im deutschen Fußball. Die Nachwuchsarbeit ist auf vielen Ebenen wesentlich professioneller geworden und hat dazu geführt, dass aktuell so viele junge deutsche Talente wie wohl nie zuvor bereits sehr früh die internationale Reife erreicht haben.

Davon profitieren viele deutsche Profi-Vereine, aber vor allem die Auswahlteams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der vorläufige Höhepunkt der neuen deutschen Fußballwelle wurde am Wochenende erreicht: Die blutjungen Kicker der U21 wurden gegen eine spielstärkere Mannschaft aus Spanien Europameister, eine ebenfalls junge Nationalelf gewann ohne zahlreiche Stammkräfte ein Turnier in Russland, den Confed Cup.

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Bundestrainer Jogi Löw kann für die kommende Weltmeisterschaft in Russland damit aus einem großartigen Pool von mehr als 50 Spielern schöpfen: jeweils rund 20 aus den beiden Siegerkadern sowie ein Dutzend Top-Kicker, die daheim geblieben sind. Solch eine Luxussituation hatte der deutsche Fußball auf nationaler Ebene seit Jahrzehnten nicht mehr.

Geliebt, gehasst, gebraucht – Investoren im deutschen Profi-Fußball

Die 50+1-Regel

Die 50+1-Regel soll den Einfluss von Geldgebern bei den deutschen Profivereinen begrenzen. Dabei handelt es sich um einen Paragrafen in den Statuten der Deutschen Fußball Liga (DFL), wonach Kapitalanleger grundsätzlich nicht die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen dürfen. Erlaubt ist jedoch, dass sich die Mehrheit des Kapitals im Besitz privater Investoren befindet. In den vergangenen Jahren wurde die Regel jedoch zunehmend aufgeweicht. Immer mehr Clubs suchen neue Wege für ihre Finanzierung.

Quelle: dpa

Hamburger SV

Im Januar verkündete der Hamburger SV nach langem Hin und Her, dass Spediteur Klaus-Michael Kühne als erster Investor in die Fußball-AG des klammen Traditionsvereins einsteigt. Dazu wird ein Darlehen von 18,75 Millionen Euro in Anteile der Gesellschaft umgewandelt, was Kühne eine Beteiligung von 7,5 Prozent bringt. Ähnliche Modelle gibt es bereits bei vielen anderen Vereinen – oder sie sind in Planung.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ ließ schon länger Investoren zu, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg.

1899 Hoffenheim

Im vergangenen Dezember überarbeitete und präzisierte der Ligaverband die Statuten für den Umgang mit Ausnahme-Anträgen zu 50+1. Danach dürfen nunmehr nicht nur Wirtschaftsunternehmen die Mehrheit an einem Club halten. Auf der Versammlung am Montag machten die anwesenden Mitglieder einstimmig den Weg frei für eine Übernahme der Stimmenmehrheit an der ausgegliederten Profi-Abteilung durch Mäzen Dietmar Hopp. DFL und DFB hatten zuvor bereits ihre Zustimmung gegeben.

Hannover 96

Etwas länger gedulden muss sich Hörgeräte-Hersteller Martin Kind. Der Präsident von Hannover 96 kämpft seit Jahren gegen 50+1, erreichte etwa vor Gericht, dass der Stichtag 1. Januar 1999 aufgehoben wurde. Kind wartet nun auf das Jahr 2017, dann wird er 20 Jahre bei den Hannoveranern involviert sein und dürfte den Club übernehmen.

RB Leipzig

Eine andere Ausnahme ist RB Leipzig, das als Marketing-Instrument von Geldgeber Red Bull gilt, aber dennoch vor dieser Saison die Lizenz für die 2. Bundesliga erhielt.

FC Bayern München

Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile.

Borussia Dortmund

Beim einzigen börsennotierten deutschen Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Im vergangenen August beschloss der Club eine Kapitalerhöhung, um weitere 114,4 Millionen von Investoren einzusammeln.


Zur Euphorie besteht allerdings kein Grund. Denn auf Vereinsebene steht der deutsche Fußball längst nicht so glänzend dar. Sportlich dominieren seit vielen Jahren die spanischen Teams die europäischen Wettbewerbe. Wirtschaftlich enteilen die englischen Klubs dem Rest der Fußballwelt immer mehr. Nur Real Madrid, FC Barcelona, Bayern München und Juventus Turin können da noch mithalten.

Der Bundesliga bleibt – je nach Sichtweise – Platz zwei oder drei. Und daran dürfte sich in den nächsten Jahren kaum etwas ändern. Der Grund: Insgesamt kann die deutsche Liga weder mit England noch mit Spanien mithalten. Das liegt nicht nur an TV- und Sponsorendeals, sondern auch am leicht erschließbaren Fanpotential. Englisch und Spanisch sind Weltsprachen, Deutsch nicht.

Umso wichtiger ist es, den Vorsprung der Premier League insbesondere in Asien nicht zu groß werden zu lassen. Der deutsche Vereinsfußball muss darüber hinaus aber auch zusätzliche Geldquellen anzapfen. Dazu zählt auch ein ungeliebtes Thema: Wie groß darf künftig der Einfluss von Investoren auf den deutschen Klub-Fußball sein?

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