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07.03.2014

16:55 Uhr

Italienischer Fußball

Trennt sich Berlusconi vom AC Mailand?

VonKatharina Kort

Verkauft er oder verkauft er nicht? Silvio Berlusconi steht wieder im Mittelpunkt. Aber nicht wegen seiner Prozesse, Sexskandale oder der Forza Italia. Diesmal geht es um den möglichen Verkauf seines Klubs AC Mailand.

Die glorreichen Zeiten des AC Mailand sind schon etwas her – die von Silvio Berlusconi auch.

Die glorreichen Zeiten des AC Mailand sind schon etwas her – die von Silvio Berlusconi auch.

MailandDie Nachricht kommt aus amerikanischer Quelle: Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Berlusconis Familienholding Fininvest habe bereits die Investmentbank Lazard damit beauftragt, einen Käufer für seinen Verein, den AC Mailand, zu finden. Lazard habe danach bereits potenzielle Interessenten kontaktiert.

Der mögliche Verkauf käme nur einige Monate nachdem der heimische Konkurrenz-Klub Inter Mailand bereits den Besitzer gewechselt hat: Der italienische Öl-Unternehmer Massimo Moratti hat die Mehrheit der Anteile an Inter im vergangenen Jahr an den indonesischen Medienunternehmer Erick Thohir abgegeben.

Diesmal dementiert jedoch der Verein die Gerüchte. Und auch der 77-jährige Ex-Regierungschef stellte klar: „Ich möchte allen Milan-Fans versichern, dass ich keine Pläne habe, den Klub zu verkaufen.“

Aber glaubt man Berlusconi? Die Gazzetta dello Sport – die viel gelesene Sport-Tageszeitung Italiens – weist darauf hin, dass von Lazard selbst nur „ein verschämtes Schweigen“ kommt. Die französische Investmentbank mit seiner starken Präsenz in Italien, hatte zuletzt auch den Deal zwischen Erick Thohir und Inter Mailand eingefädelt.

Die Skandale um Silvio Berlusconi - Eine Chronologie

Juni 2009

Die spanische Zeitung „El País“ veröffentlicht Bilder halb nackter Frauen auf Berlusconis Anwesen in Sardinien.

Oktober 2009

Ein Mailänder Gericht verurteilt Berlusconis Holding Fininvest wegen eines „gekauften Urteils“ beim Erwerb des Verlags Mondadori zu einem Schadenersatz in Höhe von 750 Millionen Euro an den Konkurrenten Cir SpA.

Mai 2010

Berlusconi setzt sich für die minderjährige „Ruby“ ein, nachdem sie unter Diebstahlsverdacht von der Polizei festgenommen wurde. Viele sehen darin einen Fall von Machtmissbrauch.

15. Juni 2010

Das Gericht der Europäischen Union entscheidet, dass Berlusconis Medienkonzern Mediaset und weitere Fernsehsender und Kabelbetreiber staatliche Beihilfen in Millionenhöhe zurückzahlen müssen. Mediaset soll bei der Umstellung von analogem auf digitales Fernsehen 2004 von der italienischen Regierung bevorzugt worden sein.

5. Juli 2010

Nach nur knapp drei Wochen im Amt erklärt der Minister für die Verwirklichung des Föderalismus, Aldo Brancher, vor Gericht, wo er sich wegen Hehlerei in einem Bankenskandal verantworten muss, seinen Rücktritt aus der italienischen Regierung. Berlusconi hatte seinen langjährigen Vertrauten und einstigen Manager seiner Firma Fininvest ins Kabinett geholt, um ihn damit der Justiz zu entziehen. Am 28. Juli wird Brancher wegen Hehlerei zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

17. Oktober 2010

Die Zeitung „La Repubblica“ veröffentlicht einen Bericht über merkwürdige Finanztransfers von Berlusconi. Er soll zwischen 2005 und 2009 mehr als 20 Millionen Euro über eine schweizerische Bank an die Offshore-Gesellschaft Flat Point in Antigua überwiesen haben, wobei der Zweck der Zahlungen als suspekt gilt.

6. April 2011

Vor einem Gericht in Mailand beginnt der Prozess gegen Berlusconi wegen einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen und wegen Amtsmissbrauchs. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ministerpräsidenten vor, in 13 Fällen Sex gegen Bezahlung mit der damals 17-jährigen Marokkanerin „Ruby“ gehabt und später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um den Fall zu vertuschen.

9. Juli 2011

Ein Berufungsgericht in Mailand verurteilt das Familienunternehmen von Berlusconi wegen Korruption zur Zahlung von 560 Millionen Euro an eine Konkurrenzfirma. Bei der Übernahme des Verlags Mondadori sollen Mitarbeiter von Berlusconis Fininvest-Holding einen Richter bestochen haben. Mit seiner Entscheidung bestätigt das Berufungsgericht ein Urteil von 2009 aus einer niedrigeren Instanz. Die Richter reduzieren jedoch den Schadenersatzanspruch von ursprünglich 750 Millionen Euro.

1. September 2011

Der Geschäftsmann Gianpaolo Tarantini wird wegen mutmaßlicher Erpressung von Berlusconi festgenommen. Der Unternehmer hatte eingeräumt, Prostituierte für Partys im Anwesen des Politikers engagiert zu haben. Nun wird er verdächtigt, Schweigegeld für seine Kooperation bei laufenden Ermittlungen gefordert zu haben.

Am selben Tag wird bekannt, dass der Regierungschef in einem abgehörten Telefongespräch über sein Land herzog. „In ein paar Monaten verschwinde ich aus diesem Scheißland, von dem mir schlecht wird“, soll der Regierungschef gepoltert haben. Das sei eines dieser Dinge, die man am späten Abend mit einem Lächeln sage und nicht ernst meine, wurde er kurz darauf von italienischen Medien zitiert.

17. September 2011

Oppositionspolitiker fordern Aufklärung darüber, ob Berlusconi tatsächlich Prostituierte in Regierungsflugzeugen zu seinen Privatpartys eingeflogen habe. Italienische Medien veröffentlichten Mitschriften aus abgehörten Telefonaten, die aus Ermittlungen gegen Tarantini stammen. Dieser soll Frauen für Sex mit Berlusconi bezahlt haben. Den Mitschriften zufolge prahlte Berlusconi damit, in einer Nacht „nur mit acht Frauen“ geschlafen zu haben, als elf vor seiner Zimmertür Schlange gestanden hätten.

27. September 2011

Die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, dass Tarantini auf freien Fuß gesetzt wurde. Tarantini war zuvor unter dem Verdacht festgenommen worden, er habe Berlusconi erpresst. Wie ANSA meldet, sah es ein Gericht in Neapel als erwiesen an, dass es sich umgekehrt verhielt und Berlusconi den Unternehmer für Falschaussagen bezahlte.

12. November 2011

Wegen zu geringen Rückhalts unter den Abgeordneten tritt Berlusconi von seinem Amt als Regierungschef zurück.

4. April 2013

Ruby erklärt vor den Toren des Gerichts: „Ich hatte nie Geschlechtsverkehr gegen Geld und ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit Silvio Berlusconi“. Sie fordert, im Prozess aussagen zu dürfen. Ihre Befragung war mehrfach verschoben worden.

13. Mai 2013

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Ex-Regierungschef eine Haftstrafe von sechs Jahren. Zudem soll ihm lebenslang verboten werden, öffentliche Ämter zu bekleiden.

17. Mai 2013

In einem Nebenverfahren sagt Ruby aus, sie habe sich bei den „Bunga-Bunga-Partys“ als 19-jährige Verwandte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak ausgegeben. Berlusconi hatte erklärt, er habe bei der Polizei angerufen, um diplomatische Probleme mit Kairo zu vermeiden.

31. Mai 2013

Im Nebenverfahren fordert die Anklage sieben Jahre Haft für drei Vertraute Berlusconis. Diese hätten die Frauen für die Feste organisiert und sich der Herbeiführung und Begünstigung der Prostitution Minderjähriger schuldig gemacht.

August 2013

Das höchste Gericht des Landes bestätigte die vierjährige Haftstrafe der unteren Instanz gegen den Unternehmer und Politiker. Das Ämterverbot für Berlusconi muss allerdings neu verhandelt werden. Der 77-jährige hat Berufung eingelegt.

Februar 2014

Erneuter Vorwurf gegen Berlusconi. Um seinen Vorgänger Romano Prodi zu stürzen, soll der Ex-Premier Senatoren bestochen haben. Das Ergebnis der Verhandlungen steht noch aus.

Grund für die Verkaufsgerüchte im italienischen Fußball ist auch die desaströse finanzielle Lage der Vereine. Auch Berlusconis AC Mailand fährt seit Jahren Verluste ein. Vor allem bei den Kindern, die heute mit im Management sitzen, hat das bereits zu heißen Diskussionen geführt. Die Tochter aus erster Ehe Marina ist Präsidentin von Fininvest. Barbara, die älteste aus zweiter Ehe, sitzt als Co-Vorstandsvorsitzende im Board des AC Mailand. Die Kinder haben wohl ernsthaft über einen Ausstieg nachgedacht.

Laut einer Schätzung der US-Zeitschrift Forbes ist der AC Mailand 945 Millionen Dollar wert. Eine Milliarde ist auch die Summe, die Silvio Berlusconi vor zwei Jahren genannt hat, allerdings in Euro.

Berlusconi hatte den Verein 1986 übernommen. Der AC Mailand hatte ursprünglich im Gegensatz zu dem eher bürgerlichen Inter Mailand vor allem in den unteren Schichten seine Fans. Als er in den 90er Jahren in die Politik eintrat, half ihm dieses Investment auch im Wahlkampf.

Die Fans verehrten ihn und jedes Tor brachte ihn in den Umfragen ein Stück vorwärts. Auch im letzten Wahlkampf vor einem Jahr kaufte er aller Spargelübde zum Trotz den WM-Star Mario Balotelli ein. Nach Meinungsforschern hat ihm das einen Punkt in den Umfragen gebracht.

Obwohl Berlusconi viel Geld in den Verein steckt, brachte ihm der Klub zuletzt wenig Freude: Der 18-malige Meister unter dem neuen Trainer Clarence Seedorf enttäuscht bisher seine Fans. In der Serie A – der italienischen ersten Bundesliga – liegt nur auf Rang zehn und hat 23 Punkte Rückstand auf einen direkten Champions-League-Platz.

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