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09.01.2014

16:15 Uhr

Italienischer Fußball

Wer ist hier schwul?

VonKatharina Kort

Italiens Fußball versucht noch immer, das Macho-Image aufrecht zu erhalten. Bisher hat noch keiner offen gesagt, dass er schwul ist. Der ehemalige Lazio-Spieler Thomas Hitzlsperger ist die Ausnahme.

Marcello Lippi: „Schwule im Fußball? – Noch keine gesehen.“ ap

Marcello Lippi: „Schwule im Fußball? – Noch keine gesehen.“

Mailand„Schwule im Fußball? Noch nie einen gesehen“, das hat der ehemalige Nationaltrainer Italiens, Marcello Lippi, noch vor wenigen Jahren gesagt. „Schwule in der National-Elf? Das sind deren Probleme. Aber ich hoffe nicht“, ließ Antonio Cassano wissen.

In Italien bleiben die Fußballer lieber bei ihrem traditionellen Macho-Image. Immer wieder sagen einige zwar, das es sicher Homosexuelle unter den Spielern gibt. Aber persönlich outen will sich keiner. Nur bei dem Verein Lazio gibt es jetzt einen Namen. Dort hat nämlich Hitzlsperger früher gespielt.

Dabei hat schon vor ein paar Jahren der ehemalige Spieler von Bologna und Sampdoria, Claudio Bellucci, gesagt: „Im Fußball gibt es Schwule. Sie sagen es nicht aus Image-Gründen“.

Nach einer im Oktober in der Sportzeitung „Gazzetta dello Sport“ veröffentlichten Umfrage meinen ein Drittel der 50 Serie-A-Spieler, dass Spieler in der Umkleide anders behandelt würden, wenn sie ihre Homosexualität öffentlich machten. Fast genau so viele sind überzeugt, dass sich ein Outing negativ auf die Karriere auswirken könnte.

Ob ein Outing wirklich so schlecht wäre fürs Image, wollte jüngst auch die investigative Fernseh-Unterhaltungsschau „Le Iene“ wissen: „Was würde passieren, wenn sich ein Fußballer in Italien outen würde?“ wollten die Iene-Reporter etwa von dem Ex-Juventus Verteidiger Federico Balzaretti wissen. Die Antwort war simpel: „Die intelligenten Personen würden es akzeptieren, die weniger intelligenten nicht“.

Wenige Wochen zuvor hatte der AS-Rom-Spieler Marco Boriello gesagt, er sei sicher, dass es Bisexuelle beim AC Mailand und beim AS Rom gibt. Über mögliche Outings sagte er: „Für uns Fußballer wäre das kein Problem. Ich habe auch einige schwule Freunde. Aber ich weiß nicht, wie es die Fans aufnehmen würden“.

Der ehemalige Milan-Spieler Alessandro Costacurta hatte in der Vergangenheit ebenfalls Bedenken über die möglichen Konsequenzen geäußert: „Outing hätte für einen Fußballer Konsequenzen. Die gegnerischen Fans könnten ihn im Stadion mit Beleidigungen begrüßen. Wenn allerdings ein großer, bei allen beliebter Champion sagen würde: 'Ich bin schwul', dann könnte das einen Unterschied machen.“

Doch da gibt es bisher in Italien keine.

Reaktionen in England: „Hitz out“ als Pioniertat

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„Hitz out“ als Pioniertat

Das Mutterland des Fußballs lobt Thomas Hitzlspergers „übermenschliche Tapferkeit“, selbst Premier David Cameron drückt seine Bewunderung aus. Doch der Kampf gegen Homophobie im Sport hat gerade erst begonnen.

Der amtierende italienische Nationaltrainer Cesare Prandelli sieht die Frage der Homosexualität weniger engstirnig als sein Vorgänger Lippi, der einfach behauptet, es gebe keine Schwulen im Fußball. In dem Buch „Il campione innamorato – Giochi proibiti nello sport“ (Der verliebte Champion – verbotene Spiele im Sport) des bekennenden schwulen Showmasters Alessandro Cecchi Paone hat Prandelli im Vorwort geschrieben: „In der Welt des Fußballs und des Sports besteht noch immer das Tabu gegenüber der Homosexualität, während jeder frei sich selbst, seine Begehren und seine Gefühle ausleben sollte. Wir müssen uns alle um eine Sportkultur bemühen, die das Individuum in jeder Form seiner Wahrheit und Freiheit respektiert“.

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