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29.07.2015

08:28 Uhr

Kaderplanung des FC Bayern München

Rekord in Reichweite

VonAlexander Möthe

Auch bei den Transfersummen enteilt Bayern der Konkurrenz. Mit der Verpflichtung Arturo Vidals hat der deutsche Fußball-Rekordmeister nun 77 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Doch eine Ergänzung soll noch her.

Neuzugang Arturo Vidal bei seiner ersten Pressekonferenz in München. dpa

Pressekonferenz FC Bayern München

Neuzugang Arturo Vidal bei seiner ersten Pressekonferenz in München.

DüsseldorfDer FC Bayern München hat seinen Wunschspieler: Der Chilene Arturo Vidal wechselt für gut 35 Millionen Euro Ablöse von Juventus Turin zum deutschen Fußball-Rekordmeister. Selten in seiner Vereinsgeschichte hat der FC Bayern so viel Geld in neue Spieler investiert wie in dieser Transferperiode. Vidals Ablöse schraubt den Betrag auf nun rund 77 Millionen Euro. Damit ist der bisherige Bayern-Rekord von 88,2 Millionen Euro aus der Saison 2007/08 zwar noch nicht Geschichte. Doch mit den Transfers von Vidal, Douglas Costa und Joshua Kimmich ist die Kaderplanung noch nicht abgeschlossen.

„Wir könnten 100 Millionen Euro für einen Spieler zahlen“, sagte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen zu Jahresbeginn. Für einen einzelnen Akteur wird diese Summe nun sicherlich nicht ausgegeben werden, was der FCB-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ohnehin erklärt hatte. Aber auch, weil die Schlüsselpositionen trotz des Abgangs von Bastian Schweinsteiger fast besetzt sind. Eine Ergänzung soll noch her. Gerne dürfte es Angel di Maria sein, Herz der argentinischen Nationalmannschaft in Diensten des englischen Spitzenklubs Manchester United.

Geschätzte 66 Millionen Euro würde der 27-Jährige kosten. Paris St. Germain blitzte mit einem Gebot über 40 Millionen Euro unlängst ab. Die Bayern gelten als Fans des Angreifers, der die alternde und verletzungsanfällige Flügelzange Robben/Ribéry vitalisieren könnte. Generell besteht im Sturm noch Handlungsbedarf. Nach dem Abgang Claudio Pizzaros klafft hinter Robert Lewandowski eine qualitative wie quantitative Lücke. Und zumindest eine Investition über gut 20 Millionen Euro wäre nach Klub-Boss Rummenigge noch drin. Denn zuletzt fiel doch wieder das Stichwort 100 Millionen – als Rummenigge über den Rahmen sprach, den sich der Verein als Gesamtetat gesteckt hatte.

Für die Münchener sind das sprichwörtliche Peanuts. Über eine halbe Milliarde Euro Umsatz machte der Klub im vergangenen Geschäftsjahr, 16 Millionen Euro davon blieben allein als Reingewinn. Das Eigenkapital nach der Saison 2013/14 betrug laut Geschäftsbericht der AG 405 Millionen Euro. Das Festgeldkonto? Mehr als ausreichend gefüllt. Schulden für den Stadionbau? Durch einen Deal mit Sponsor Allianz völlig abgebaut. Sämtliche Ausgaben stemmen die Bayern aus dem laufenden Betrieb.

Der drittumsatzstärkste Fußballklub der Welt ist der Ligakonkurrenz weiter denn je enteilt. Zwar sind auch der VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund wirtschaftlich mehr als solide aufgestellt. Auch bei Bayer Leverkusen, dem FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach sprudeln die Einnahmen durch internationale Wettbewerbe. Aber hinter dieser Spitzengruppe hat sich eine Liga von Sparfüchsen, Ausbildungsvereinen und alternden Diven formiert, der es national wie international zunehmend schwerfällt mitzuhalten.

Gut 282 Millionen Euro hat die 1. Bundesliga bisher insgesamt für Transfers ausgegeben. Den größten Anteil stellen die Transaktionen der Bayern, die fast ein Drittel der gesamten Summe bestreiten. Auf den Plätzen folgen der FC Schalke 04 (32 Millionen Euro), Borussia Mönchengladbach (25 Millionen), Bayer Leverkusen (22 Millionen) und überraschend das Liga-Kellerkind Hamburger SV (17 Millionen). Das Schlusslicht bildet der bettelarme Aufsteiger SV Darmstadt 98, der gerade einmal 950.000 Euro in neue Spieler steckte. Die Schere zwischen Spitze und Keller könnte großer kaum klaffen.

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