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18.01.2010

16:29 Uhr

Kampagne „Aufholjäger“

Schlusslicht Hertha macht mobil

Drei Tore und drei Punkte zum Rückrunden-Start haben aus Versagern plötzlich Hoffnungsträger gemacht: Hertha BSC macht mobil und startet die Kampagne "Aufholjäger".

Anzeigetafel in der AWD-Arena: Das Ergebnis des Spiels Hannover 96 - Hertha BSC gibt dem Schlusslicht neue Hoffnung. dpa

Anzeigetafel in der AWD-Arena: Das Ergebnis des Spiels Hannover 96 - Hertha BSC gibt dem Schlusslicht neue Hoffnung.

dpa BERLIN. Die Berliner Profis durften nach 16 Bundesliga-Spielen ohne Sieg erstmals wieder an einem freien Tag ein Triumph-Gefühl genießen. In den nächsten Tagen sollen viele Retter-T-Shirts mit dieser Aufschrift in der Hauptstadt Hoffnung und Aufbruch demonstrieren; über einen Discounter werden sie für die nächsten beiden Heimspiele gegen Mönchengladbach und Bochum vertrieben. Das Stimmungshoch nach dem 3:0 bei Hannover 96 will der noch immer abgeschlagene Tabellen-Letzte der deutschen Fußball-Eliteklasse nutzen. "Wir haben noch 16 Spiele und müssen noch viele davon gewinnen", betonte Trainer Friedhelm Funkel.

Wurde die gebrechliche "alte Dame" Hertha nach der schlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte mit nur sechs geholten Pünktchen noch verspottet und verhöhnt, so setzt der Boulevard nach dem ersten Hoffnungsfunken schon wieder zu Lobeshymnen an. "Hertha wunderbar", schrieb die "Bild"-Zeitung, während die "B.Z." gleich 100 Gründe auflistete, warum Berlin erstklassig bleibt. Der "Berliner Kurier" sieht Hertha "mit Auge aus dem Keller" kommen; andere Blätter werteten den ersten Liga-"Dreier" nach 161 Tagen übereinstimmend als "Signal zur großen Aufholjagd". Den Umschwung hat Torhüter Jaroslav Drobny bereits ausgemacht: "Die Atmosphäre in der Mannschaft hat sich geändert, 2009 ist abgehakt."

Für die Verantwortlichen um Funkel und Manager Michael Preetz ist es schwer zu entscheiden, ob man die aufkeimende Euphorie nach nur einem Sieg lieber bremsen oder doch anheizen soll. "Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut, nicht wie bei einem Team, das auf Platz 18 steht", erklärte der Georgier Lewan Kobiaschwili (32), der mit seiner Erfahrung von 290 Bundesliga-Spielen gemeinsam mit den weiteren Wintereinkäufen Theofanis Gekas (29) und Roman Hubnik (25) von sofort an als Garant für das "Wunder von Berlin" stehen soll. Zudem ist der Ex-Dortmunder Florian Kringe, der die Hinrunde wegen einer Verletzung verpasste, ein weiterer großer Hoffnungsträger.

Obwohl der Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz noch immer neun Punkte, zu Relegationsplatz 16 auch noch acht Zähler beträgt, werden es die Warner in nächster Zeit schwer haben in Berlin. "Noch haben wir nichts erreicht", hat Kapitän Arne Friedrich schon einmal vorsichtig erinnert. Die von Chefcoach Funkel zur Rettung angestrebten 28 Rückrunden-Punkte hatte der Hauptstadtclub in den vergangenen sechs Spielzeiten nur zweimal übertroffen - beide Male (2005 und 2009) landete Hertha auf Rang vier. Ansonsten wurde diese Marke mehr oder weniger deutlich verfehlt.

"Wir dürfen nicht auf die Tabelle schauen, sondern uns nur von Spiel zu Spiel konzentrieren", hatte Preetz gefordert. Berlin wird sich nicht daran halten. Entscheidend wird sein, wie die Spieler und die Stadt den ersten Rückschlag wegstecken - wenn dieser trotz aller Euphorie irgendwann kommen wird.

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