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07.07.2011

17:28 Uhr

Kampf gegen Wettmafia im Fußball

„Es muss mehr Aufklärung bei Spielern betrieben werden“

VonThomas Mersch

ExklusivAm Freitag tagt in Wien der Dachverband der europäischen Fußball-Profiligen EPFL. Nach den jüngsten Wettskandalen in Griechenland, Italien und in der Türkei wollen die Ligavertreter eine gemeinsame europäische Strategie gegen Spielmanipulationen entwickeln. Im Interview äußerst sich Carsten Thiel von Herff, seit Mai Ombudsmann der Deutschen Fußball Liga (DFL), zu den Chancen der Fußballfunktionäre im Kampf gegen das illegale Wettgeschäft.

Ein Sportwettenladen wirbt mit aufgeklebten Slogans an einer Fensterscheibe. Quelle: dpa

Ein Sportwettenladen wirbt mit aufgeklebten Slogans an einer Fensterscheibe.

Korruptionsskandale erschüttern den Fußball in Italien und Griechenland. Der italienische Ligachef Maurizio Beretta hat Mechanismen gefordert, um außergewöhnliche Wetteinsätze festzustellen und zu kontrollieren. Ein solches Monitoring gibt es doch schon...

Es ist in der Tat eine Sache, die seit Jahren mit unglaublich hohem Aufwand betrieben wird. Das Problem ist allerdings, dass es inzwischen im Vorfeld von Spielen keine auffälligen Änderungen der Gewinnquoten mehr gibt. Eine Manipulation wirkt sich regelmäßig erst aus, wenn das Spiel bereits läuft. Beispielsweise können Sie bis zum Spielende darauf wetten, ob noch ein Elfmeter gegeben wird. Das ist natürlich anfällig für eine Beeinflussung. Wirkungsvoller wäre es, anfällige Live-Wetten auf Einzelereignisse wie zum Beispiel den ersten Einwurf zu verbieten.

Carsten Thiel von Herff ist DFL-Ombudsmann, arbeitet als Rechtsanwalt in der Bielefelder Sozietät Streitbörger Speckmann und ist einer der führenden Compliance-Experten in Deutschland. Quelle: DFL

Carsten Thiel von Herff ist DFL-Ombudsmann, arbeitet als Rechtsanwalt in der Bielefelder Sozietät Streitbörger Speckmann und ist einer der führenden Compliance-Experten in Deutschland.

Etwa die Hälfte der Wetten sind bereits Live-Wetten. Ginge das so einfach?

Bei staatlichen oder lizensierten Wettanbietern ist es möglich, die Zulassung so zu gestalten, dass solche Angebote nicht möglich sind. Der Vorschlag des organisierten Sports zum Glücksspielstaatsvertrag sieht im Übrigen vor, den Sport bei der Beurteilung der Frage, welche Wetten zulässig sein sollen, im Rahmen einer Kommission zu beteiligen. So könnte auf die jeweils spezifischen Gegebenheiten reagiert werden. Allerdings ist der Vorschlag in den bisherigen Entwürfen der Bundesländer noch nicht berücksichtigt worden. Beim Fußball erscheint mir eine Live-Wette auf den Spielstand zum Beispiel akzeptabel.

Das große Problem aber ist doch der graue Wettmarkt, der etwa von Südostasien aus gesteuert wird. Was nutzt da ein Glücksspielstaatsvertrag?

Ein Graumarkt lässt sich nicht kontrollieren. Wenn etwas schon verboten ist, bringt es nichts, es noch einmal zu verbieten. Deshalb ist es schwierig, beim Wettmarkt anzusetzen.

Wo sehen Sie einen geeigneteren Hebel?

Jedem Spieler und Schiedsrichter muss klar sein, dass er sich seine sportliche Existenzgrundlage nimmt, wenn er sich auf Manipulationen einlässt. Das zeigte schon das Urteil gegen Robert Hoyzer, der nie wieder ein Spiel leiten oder eine offizielle Funktion im Bereich des DFB ausüben darf. Die Vereine müssen das gegenüber den Spielern mit Nachdruck klarstellen. Denn wenn Zuschauer oder Sponsoren das Vertrauen in den Sport verlieren, dann brechen die Einnahmen weg. Das hat sich nach den Dopingskandalen im Radsport gezeigt.

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