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26.01.2007

12:34 Uhr

Kampfabstimmung gegen Johansson

Platini stürzt Uefa-Boss Johansson

Frankreichs Fußball-Ikone Michel Platini hat Uefa-Präsident Lennart Johansson gestürzt: Auf dem XXXI. Ordentlichen Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) im Kongress-Zentrum der Düsseldorfer Messe entschied der 51-Jährige das Duell gegen den 26 Jahre älteren Amtsinhaber aus Schweden überraschend mit 27:23 Stimmen bei zwei ungültige Stimmen bereits im ersten Wahlgang für sich. Erstmals in der 52-jährigen Uefa-Geschichte wurde ein amtierender Uefa-Boss in einer Kampfabstimmung entthront.

Michel Platini (re.) und Lennart Johansson auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf. Foto: ap ap

Michel Platini (re.) und Lennart Johansson auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf. Foto: ap

HB DÜSSELDORF. Platini, der die französische Nationalmannschaft 1984 als Kapitän zum EM-Titel geführt hatte, wurde für vier Jahre gewählt. Johansson hatte die Uefa seit 1990 geleitet. Der Sieg Platinis ist auch ein Erfolg für Fifa-Präsident Joseph Blatter und ein Dämpfer für den Deutschen Fußball-Bund. Der DFB hatte von Anfang an dem Skandinavier seine Unterstützung zugesagt und sogar in den vergangenen Tagen vehement die Wahlkampftrommel für den Hünen aus Stockholm gerührt. Doch dies reichte nicht, obwohl es am Ende noch einmal sehr eng zuging.

Unmittelbar nach seiner Wahlniederlage wurde Lennart Johansson von den Kongress-Delegierten per Akklamation zum Ehrenpräsidenten der Uefa ernannt. Platini rief wie zuvor versprochen mit seiner ersten Amtshandlung als neuer Uefa-Chef die Delegierten dazu auf, den Schweden für seine Verdienste mit dieser Ehrung zu bedenken. Der 77 Jahre alte Johansson nahm die Ernennung mit Tränen in den Augen an.

In seiner sehr emotionalen Wahlrede versagte Platini am Ende sogar die Stimme: „Wir halten einen Schatz in unseren Händen: die beliebteste Sportart weltweit. Ich möchte diesen Schatz verteidigen, dass er zum Wohle aller gedeiht. Die Starken müssen den Schwachen helfen. Fußball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft.“ Auf dem Weg zum Mikrofon tätschelte Frankreichs ehemalige Nummer zehn freundschaftlich seinen Gegenkandidaten. Vor Bekanntgabe des Ergebnisses plauschten beide Bewerber auf dem Podium miteinander.

Nach Verkündung des Resultats meinte der neue Uefa-Boss: „Ich bin bewegt, gerührt und glücklich. Das ist der Beginn eines Abenteuers. Aber nicht nur für mich, sondern auch für Sie, Lennart. Ich brauche Sie“, erklärte Platini und reichte Johansson symobolisch die Hand. Platini rief die Uefa-Mitgliedsverbände zur Einheit auf. „Wir bleiben eins. Wir sind zusammen wie bisher“, sagte der Franzose.

Platinis akribisch vorbereiteter langer Wahlkampf trug Früchte. „Platoche“ hatte schon vor knapp zwei Jahren seine Kandidatur angekündigt und reiste zu zahlreichen Mitgliedsverbänden, um für seine Vision des europäischen Fußballs zu werben. In der Schlussphase holte Johansson auch dank deutscher Unterstützung allerdings mächtig auf. Platini hatte ganz auf die kleinen Verbände gesetzt und sich für größere Solidarität stark gemacht. Die Mehrheit der Uefa-Delegierten sprachen sich dann für einen neuen Kurs aus, obwohl Johansson in seiner 17-jährigen Amtszeit die wirtschaftliche Hausse der Uefa mit der Einführung der Champions League eingeleitet und forciert hatte. Die Mehrheit votierte aber für Reformer Platini. „Das Geld, das sie erhalten, ist kein Gefallen. Es ist ihr Recht, es zu erhalten“, äußerte der Europameister von 1984.

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