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04.03.2013

19:30 Uhr

Katar 2022

Winter-WM stellt Bundesliga auf den Kopf

VonDésirée Linde

Der Streit um die Fußball-WM in Katar geht in die nächste Runde: Neben Bestechungsvorwürfen bei der Vergabe diskutiert die Fifa nun eine Verlegung in den Winter. Der Bundesliga droht eine lange Zwangspause.

Das Computerbild zeigt das Stadium Al-Gharafa. Katar ist damit erstmals Gastgeber einer WM-Endrunde. Die Fifa gab dem Wüstenstaat 2010 den Vorzug vor den Bewerbungen aus den USA, Australien, Japan und Südkorea. ´

Das Computerbild zeigt das Stadium Al-Gharafa. Katar ist damit erstmals Gastgeber einer WM-Endrunde. Die Fifa gab dem Wüstenstaat 2010 den Vorzug vor den Bewerbungen aus den USA, Australien, Japan und Südkorea. ´

Von wegen Sommermärchen: Bislang war es von einzelnen Funktionären wie Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und Uefa-Boss Michel Platini immer wieder gefordert, von anderen wie Nationalcoach „Jogi“ Löw dagegen strikt abgelehnt worden. Doch jetzt wird vermutlich zum ersten Mal in der Fußballgeschichte eine WM im Winter ausgetragen.

Erstmalig seit mehr als zwei Jahren öffentlicher Diskussion und Kritik hat nun auch der Fußball-Weltverband Fifa eine Austragung der WM 2022 in Katar im Winter in Betracht gezogen. Grund sind Temperaturen von bis zu 50 Grad im Sommer am Persischen Golf.

Sollten medizinische Gutachten belegen, dass die Spiele in der intensiven Sommerhitze eine Gesundheitsgefährdung darstellen, könnte das Fifa-Exekutivkomitee einer Verlegung in die kältere Jahreszeit zustimmen, sagte Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke beim 127. Treffen der Fußball-Regelhüter (Ifab) am Wochenende im schottischen Edinburgh.

Fußballweltmeisterschaft in Katar

Katar

Das Emirat an der Ostküste der arabischen Halbinsel am Persischen Golf wird als absolute Monarchie regiert. Der Staat liegt auf einer Halbinsel und grenzt im Süden an Saudi-Arabien. Das Staatsgebiet schließt einige Inseln ein.

Hauptstadt

Katars Hauptstadt ist mit 521 283 Einwohnern Doha. Die Stadt beherbergt den Internationalen Flughafen Doha, sowie wichtige Teile der Öl- und Fischereiindustrie. Mit der „Education City“ ist die Stadt ebenso ein attraktives Gebiet in Katar für Forschung und Bildung.

Geographie und Klima

Das überwiegend flache Land ist von Salzsümpfen, Geröll- und Kieswüste geprägt. Das Grundwasser hat einen sehr hohen Salzgehalt, weshalb Trinkwasser in Meerwasserentsalzungs-Anlagen gewonnen wird.

Mit dem geringen Jahresniederschlag von unter 100 mm gehört Katar zu den trockensten Landschaften der Erde. Das Klima ist ganzjährig schwül, subtropisch und heiß. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 85 %. Im Sommer sind Temperaturen von 45 °C keine Seltenheit, im Winter sinken sie auf durchschnittlich 17 °C.

Bevölkerung

Die arabische Bevölkerung mit katarischer Staatsangehörigkeit beträgt nur rund 250.000 Menschen. Etwa 80 % der 1, 7 Millionen Einwohner Katars sind Migranten. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Unter den Menschen mit Migrationshintergrund herrschen Schiiten vor. Zudem gibt es einen beträchtlichen Anteil an Hindus und 70.000 Christen in Katar. Die Amtssprache ist arabisch, Handelssprachen sind Persisch und Englisch.

Infrastruktur

In Doha sind sechs Stadien geplant, sechs weitere verteilen sich auf Städte in der näheren Umgebung. Damit die einzelnen Sportanlagen gut erreichbar sind, werden alle an das im Bau befindliche Stadtbahnsystem angeschlossen. Das Investitionsvolumen für die zwölf Spielstätten wird auf etwa 2,87 Milliarden bis 4 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Nationalteam

Die Katarer Nationalmannschaft bestritt 1970 ihr erstes internationales Länderspiel während des Golfpokal-Turniers gegen Bahrain. Derzeit rangiert die Mannschaft auf der Fifa-Weltrangliste auf dem 96. Platz. An der letzten WM hat Katar nicht teilgenommen, ist nun aber als Gastgeber automatisch qualifiziert.

Kritik an der Vergabe

Die Kritik, das Land weise keine fußballerische Tradition vor, rechtfertigte die Fifa mit der Erklärung, man wolle neue Wege gehen.

Ein weiterer, eher praktischer Einwand gegen die Vergabe waren die hohen Temperaturen in dem Land. Aufgrund von fast 50 Grad Celsius im Sommer müssten die Stadien klimatisiert werden. Daraufhin regte Franz Beckenbauer eine Verlegung der Fußball-WM in den Winter an.

Eine weitere, viel grundsätzlichere Kritik ist, dass bei der Abstimmung des Fifa-Exekutivausschusses im Vorfeld schon Katar-Stimmen gekauft wurden.

Winter-WM

Wegen der Hitze im Sommer überlegt die Fifa nun, die WM im Winter, also kurz vor Weihnachten auszurichten. Das würde den Spielplan der großen Ligen über den Haufen werfen.

„Die Fifa hat niemals nie gesagt. Wir haben gesagt, dass wir auf eine offizielle Anfrage von Katar warten, bevor wir uns mit einer Verlegung der WM vom Sommer in den Winter beschäftigen. Das ist bislang nicht passiert. Daher gibt es bislang auch keine Arbeitsgruppe“, sagte Valcke. Angeblich soll ein entsprechender Antrag des umstrittenen WM-Gastgebers aber nur noch eine Frage der Zeit sein.

Das Emirat hatte sich allerdings bereits auf die Ausrichtung des Turniers im Sommer eingerichtet. Scheich Mohammed Hamad bin Chalifa Al Thani, der Mentor der WM-Bewerbung, hat die Planungen für komplett klimatisierte Stadien, die angeblich von ihm selbst stammen soll, mit seinen Partnern – darunter das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer & Partner GmbH (AS&P) – bereits massiv vorangetrieben.

Von den zwölf für die WM erforderlichen Stadien werden vier vorhandene ausgebaut und acht neu errichtet. Kosten: drei Milliarden Euro. Zu Backöfen sollen die Arenen trotz der Sommerhitze für Spieler und Fans nicht werden: Die im Umfeld der riesigen Sportstätten über Solartechnik gewonnene Energie wird zur Kühlung der Sportanlagen verwendet.

Die Temperatur im Inneren soll damit auch bei geöffnetem Dach 27 Grad Celsius nicht überschreiten. Ein Projekt, das drei Milliarden Euro verschlingt – und bei der Austragung auch noch Unmengen von Energie.

Kommentare (8)

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Mafiaparenz

04.03.2013, 19:42 Uhr

Irgendwo hab ich doch heute gelesen, dass der Platini DER geeignete Nachfolger von Fifa Boss Platter sein soll. Na dann gute Nacht.. Das große Geschenkeannehmen hat er ja schon mal drauf. Wahrscheinlich ist ihm sein Sinneswandel für Katar zu stimmen im Hinterzimmer zusammen mit den Scheichs und Sarkozy gekommen. Keine Strukturen die die Welt braucht.

Account gelöscht!

04.03.2013, 20:16 Uhr

Alles schariagerecht abgelauen, und nach dem ersten Bier gibt es die Peitsche, LOL.

Andreas

04.03.2013, 20:22 Uhr

Man könnte das Ganze ja nutzen, um die Bundesliga komplett auf das Kalenderjahr umzustellen.

Mir ist es immer weniger verständlich, dass ich mir von November bis Februar im Stadion der A.... abfrieren soll, während der Ball von Mai bis August ruht.

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