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25.02.2015

07:23 Uhr

Katar und die WM 2022

Die Kicker-Kaderschmiede der Scheichs in Eupen

VonStefan Kreitewolf

Immer auf der Suche nach Talenten: Katar ködert als Gastgeber der WM 2022 junge Kicker aus aller Welt. Und lässt sie in Belgien Spielpraxis sammeln. Die globale Fußballoffensive der Scheichs nimmt bizarre Formen an.

Der KAS Eupen gehört bis zur Fußball-WM 2022 zur Kaderschmiede von Katar. Quelle: as-eupen.be Screenshot

KAS Eupen

Der KAS Eupen gehört bis zur Fußball-WM 2022 zur Kaderschmiede von Katar.

Quelle: as-eupen.be

EupenIn einer Zeit, in der Fußballvereine zum potentiellen Spielzeug der Superreichen geworden sind, strahlt das Flutlicht im belgischen Eupen nicht allzu hell. Das „Stadion am Kehrweg“ liegt grau mitten in der Stadt und macht wenig her. Die große Fußballbühne liegt mit Bayer Leverkusen und Standard Lüttich zwar geographisch gesehen um die Ecke, scheint in dem 18.000-Einwohner-Städtchen allerdings Lichtjahre entfernt zu sein.

In der Hauptstadt der deutschsprachigen Kantone Ostbelgiens ist der Alltag, was Erfolge angeht, eher trist: Der örtliche Fußballverein AS Eupen dümpelt in der zweiten belgischen Liga vor sich hin. Nationale Erfolge feierte der Klub seit seiner Gründung 1945 noch nie. Nur selten verirrt sich die große Fußballwelt in den östlichsten Zipfel Belgiens.

Umso erstaunlicher ist es, dass die Königliche Allgemeine Sportvereinigung Eupen, wie der Verein mit vollem Namen traditionell heißt, mittlerweile zur fußballerischen Außenstelle des arabischen Emirats Katar geworden ist. 2012 schlossen der marode Provinzklub und die Aspire Foundation, eine Stiftung des katarischen Königshauses mit Hauptsitz in der Hauptstadt Doha, einen zehnjährigen Vertrag und machte die KAS Eupen bis zur Wüsten-WM 2022 buchstäblich zur Kaderschmiede des Emirats.

Katars globale Fußballoffensive

Aspire Foundation

Die katarische Stiftung ist maßgeblich an der globalen Fußballoffensive des Golfemirats beteiligt und trägt die Verantwortung für die Apire Zone samt Stadion (Aspire Sports Dome), die Aspire Academy sowie Aspire Senegal.

Aspire Zone

Die „Aspire Zone“ in ar-Rayyan westlich der katarischen Hauptstadt Doha ist eines der weltweit größten Trainingszentren für Sportler. Der Komplex umfasst sieben Fußballfelder, Tennis- und Squashplätze, Laufbahnen, Sporthallen, Laboratorien, Krafträume und Wohnheime für bis zu 1000 Athleten sowie ein olympisches Schwimmzentrum.

Aspire Sports Dome

Im Zentrum der Aspire Zone bietet das Sportstadion „Aspire Sports Dome“ rund 15.000 Zuschauern Platz. Mit etwa 250.000 Quadratmetern überdachter Fläche gehört es zu den größten Indoor-Anlagen weltweit.

Aspire Academy

Die „Aspire Academy“ in Katar dient dem Ziel, die talentiertesten jungen Sportler der Region zu Spitzenathleten zu formen. Zu den Sportarten, die Aspire besonders unterstützt, gehören Fußball, Tischtennis, Squash, Fechten, Leichtathletik und Schwimmen.

Aspire Senegal

2008 wurde die Aspire Academy um das „Boyard Valley“ vor den Toren der senegalesischen Hauptstadt Dakar erweitert. Bei „Aspire Senegal“ sichten 1500 Scouts und Trainer jährlich 600.000 Nachwuchskicker.

Paris St. Germain

2012 unterzeichnete der französische Hauptstadtklub einen Sponsorenvertrag mit Katars Tourismusbehörde. Der Kontrakt bringt dem Verein bis 2016 etwa 600 Millionen Euro ein. Seither verpflichtete PSG internationale Superstars wie Zlatan Ibrahimović, Thiago Silva und Ezequiel Lavezzi.

FC Barcelona

Zwischen 2011 und 2013 warb der FC Barcelona auf seinen Trikots für die Qatar Foundation, die als gemeinnützige Organisation verschiedene Bildungsprojekte im Nahen Osten unterstützt. Insgesamt soll der Deal dem Verein 165 Millionen Euro eingebracht haben.

KAS Eupen

Eupen ist ein ungewöhnlicher Teil der globalen Fußballoffensive Katars. In dem deutschsprachigen Städtchen in Ostbelgien sollen vorwiegend afrikanische Talente Spielpraxis sammeln, um den Sprung zu den ganz Großen des europäischen Fußballs zu schaffen.

Barcelona, Paris, Eupen: Das katarische Engagement nimmt gleich hinter der deutsch-belgischen Grenze bizarre Formen an. Denn neben medienwirksamen Sponsorings beim FC Barcelona und Paris St. Germain ist die KAS Eupen ein wenig beachtetes Rädchen in der globalen Fußballmaschine der Scheichs.

2012 stand die KAS Eupen finanziell vor dem Aus: Ein unerwarteter Aufstieg in die erste belgische Liga, der sofortige Wiederabstieg sowie windige Investoren und Spielervermittler, hatten dem Verein erheblich zugesetzt. „Die Vergangenheit hatte Schulden in Millionenhöhe angehäuft“, sagt Sportdirektor Christoph Henkel.

Mit dem Angebot aus Katar ergriff die Klubführung den letzten Strohhalm und vereitelte den Gang in die Insolvenz. Wie viel die Kataris in die einstige Dorfmannschaft investierten, will Henkel nicht verraten. Nur so viel: „Die Aspire Foundation hat die KAS auf gesunde finanzielle Beine gestellt.“ Die Finanzen spielen bei katarischen Engagements traditionell kaum eine Rolle.

Ganz plötzlich stand der Verein im Rampenlicht. Eupen ist für die Kataris ein wichtiger Standort ihrer globalen Fußballoffensive. Denn: Seit 2012 werden jährlich 15 in Katar ausgebildete Spieler in den Eupener Profikader integriert. Seither ist der Eifel-Klub kaum wiederzuerkennen: Man spielt wieder um den Anstieg in die erste Liga mit. Die Schulden sind getilgt, die Spieler kommen aus der ganzen Welt, vorwiegend jedoch aus Afrika.

Das ist ein altbewährtes Konzept. Denn die belgischen Fußballligen sind angesichts des überschaubaren Niveaus und der großzügigen Ausländerregelung bereits seit geraumer Zeit zum beliebten Showroom für afrikanische Talente geworden. Die Kataris haben sich das zum Nutzen gemacht.

Kommentare (1)

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Herr Marcus Folger

25.02.2015, 13:47 Uhr

Liebes Handelsblatt,
die Handballnationalmannschaft von Katar hat es nicht in die K.O. Runde geschafft, sondern ins Finale...
Und Eupen spielt sicherlich um den Aufstieg, nicht den Anstieg ;)

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