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30.05.2015

23:05 Uhr

Kein Titel zum Klopp-Abschied

Wolfsburg holt den DFB-Pokal

VonVictor Fritzen

Der VfL Wolfsburg ist erstmals DFB-Pokalsieger. Die Niedersachsen feiern ihren größten Erfolg seit der Meisterschaft vor sechs Jahren. Der BVB bleibt ohne Titel – der so ersehnte Cup-Coup zum Klopp-Abschied klappt nicht.

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking bejubelt mit dem Schlusspfiff den Triumph seiner Mannschaft. Wolfsburg gewinnt durch ein 3:1 gegen Borussia Dortmund den DFB-Pokal. Reuters

Bei Abpfiff Urschrei

Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking bejubelt mit dem Schlusspfiff den Triumph seiner Mannschaft. Wolfsburg gewinnt durch ein 3:1 gegen Borussia Dortmund den DFB-Pokal.

BerlinDa war aber jemand ungeduldig. Diego Benaglio konnte es kaum erwarten, den Pokal von Bundespräsident Joachim Gauck entgegenzunehmen. Als er ihn allerdings endlich in den Händen hielt und in den Berliner Nachthimmel emporhob, gab es kein Halten mehr. Jeder wollte ihn einmal anfassen, diese Trophäe, die sie so herbeigesehnt hatten. Denn sie wussten: Dieser Cup ist ein historischer.

Die Niedersachsen besiegten am Samstagabend Borussia Dortmund mit 3:1 (3:1) und gewannen zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Ein Erfolg, der vor allem beim Volkswagen-Konzern für Zufriedenheit und Genugtuung gesorgt haben dürfte. Schließlich hat der Autobauer seit mehr als einem Jahrzehnt sehr viel Geld in den Verein und dessen Entwicklung investiert. Für VW-Chef Martin Winterkorn ist der DFB-Pokal-Sieg auch ein persönlicher Triumph.

BVB-Trainer Jürgen Klopp indes verabschiedete sich nach sieben Jahren ohne Titel aus Dortmund – seiner großen sportlichen Liebe. Schwarz-gelbe Enttäuschung allenthalten, der Korso um den Borsigplatz mit dem Pokal bleibt ihm verwehrt.

Die Voraussetzungen für einen gelungenen Fußball-Abend hatten mehr als 100.000 Fußball-Anhänger am Nachmittag geschaffen. Schwarz-Gelbe (auf dem Bretscheidplatz) und Grün-Weiße (vor dem Hauptbahnhof) feierten in der Hauptstadt und intonierten allerorten das Finale. Später, im Stadion, begrüßte der harte Kern der BVB-Anhänger die Endspiel-Teams mit reichlich Pyrotechnik, während die etwa 25.000 Wolfsburger mit einer sehenswerten Choreographie in die 90 Minuten überleitete. Beachtlich: Die Fans der Niedersachsen waren mithin lauter als das Gros der Dortmunder.

Gleichwohl wurden die Westfalen bereits in der frühen Phase des Spiels etwas lauter: Aubameyang erzielte nach fünf Minuten das 1:0 und bestätigte den starken Eindruck der vergangenen Wochen. Doch nach 22 Minuten war alles dahin. Luiz Gustavo nutzte einen Patzer des BVB-Schlussmanns Mitch Langerak und glich zum 1:1 aus. Doch mehr noch: Kevin de Bruyne bestätigte seine Weltklasse-Form der vergangenen Monate mit dem 2:1 nach mehr als einer halben Stunde. Allein, die Wolfsburger hatten noch nicht genug, allen voran Bas Dost. Wolfsburgs Stürmer hatte sieben Minuten vor der Pause derart viel Platz im Fünf-Meter-Raum, das er das 3:1 köpfen konnte – die Vorentscheidung.

Für den VfL ist es der größte Erfolg seit dem Meisterschaftstriumph 2009, für Dieter Hecking der erste Titel in seiner Trainer-Laufbahn. Kollege Klopp muss dagegen den BVB ohne die erhoffte Sieger-Party auf dem Borsigplatz in Dortmund verlassen. Wie vor einem Jahr gegen Rekordchampion FC Bayern verlor seine Mannschaft das Finale bei der insgesamt siebten Teilnahme.

Stimmen zum DFB-Pokalfinale

BVB-Spieler Sebastian Kehl

... über das Pokal-Finale: „Besser hätte ich mein Drehbuch eigentlich nicht schreiben können. Nach dieser verkorksten Saison nochmal die Möglichkeit zu haben, einen Titel zu gewinnen. Das war natürlich ein Riesenstrohhalm, an den ich mich geklammert habe. Nachdem wir in München gewonnen haben und nachdem dieser Wettbewerb so perfekt gelaufen ist für uns, hatte ich gehofft, dass wir uns dieses Glück erarbeitet haben. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Man muss am Ende sagen, dass die Wolfsburger über die 90 Minuten besser waren. Deswegen haben sie es auch verdient. Die Tore sind sehr unglücklich und teilweise aus dem Nichts gefallen. Es ist sehr, sehr bitter, die Karriere mit einer Niederlage zu beenden. Aber so ist das im Fußball. Wenn sich das etwas gelegt hat, werde ich meine Familie in den Arm nehmen. Viele Freunde sind da, und dann werde ich ein bisschen zurückblicken auf eine tolle Karriere.“

VfL-Spieler Kevin De Bruyne

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Junior ist immer bei mir. Er war mein Landsmann, er war ein kleiner Bruder von mir. Du weißt, dass es schnell geht im Leben. Er bleibt immer bei mir im Leben.“

VfL-Keeper Diego Benaglio

...über den Pokal-Sieg: „Im Moment ist es pure Freude, aber irgendwie auch noch unreal. Wir haben uns heute belohnt für eine richtig gute Saison. Wir wollten dieses Spiel für Junior gewinnen, das ist uns gelungen. Deshalb ist es umso schöner. Junior ist nach wie vor Teil dieser Mannschaft, und er wird es auch immer bleiben. Junior wird bei uns immer weiterleben.“

BVB-Trainer Jürgen Klopp

... zum Spiel: „Die Enttäuschung ist riesig, weil die Niederlage unnötig war. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren im Spiel. So ist Fußball. In der Halbzeit hatte ich das Gefühl, hier wird heute ein Spektakel draus. Wir drehen das Ding noch. Aber wir waren dran. Hätte, wenn und aber. Nie ist es mehr egal als im Finale.“

... über seinen Abschied von Borussia Dortmund: „Mir geht nicht viel durch den Kopf. Aber der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, allen Spielern meinen Dank auszudrücken. Es fällt schwer sie loszulassen. Meine Gefühle sind gerade relativ wirr. Das Leben wird weitergehen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten, um das zu verdauen. So haben wir keine Pokal-, sondern eine Abschiedsfeier.“

VfL-Manager Klaus Allofs

... über die Bedeutung des Titels: „Das ist eine Riesenbedeutung. Wenn man sich entwickeln will, dann gehören solche Erfolge, solche Titel auch dazu. Sie haben nach dem schnellen Rückstand toll reagiert. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es sind super Jungs, super Jungs.“

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Wir haben das heute mit unserem Trikot ausdrücken wollen. Wir wollten das nicht in den Vordergrund stellen, aber zeigen dass er uns die gesamte Rückrunde begleitet hat. Dass alle ihn im Kopf hatten. Der Trainer hat es auch gesagt, dass wir auch für ihn spielen. Ich glaube, dass das auch ein paar Kräfte freigesetzt hat.“

... über die Rolle von Trainer Dieter Hecking: „Er ist ein Baustein dieser Mannschaft. Man hat gesehen, dass die Mannschaft 90 Minuten Gas geben kann, dass sie taktisch immer vorbereitet ist. Das ist die Arbeit von Dieter Hecking.“

VfL-Trainer Dieter Hecking

... über die Bedeutung des Titels:

„Das ist die Krönung einer herausragenden Saison.“

„Ich bin einfach mächtig stolz auf meine Mannschaft heute. Es war das Spiel, was wir erwartet haben. Dortmund mit viel Zug zum Tor, früher Rückstand für uns. Wichtig war, dass Marco Reus das 2:0 nicht macht. Dann wäre es richtig schwer geworden. Mit dem Ausgleich haben wir dann plötzlich den Mut gehabt, waren in den Zweikämpfen aggressiver, bissiger. Von daher war es ein verdienter Sieg heute.“

... über seine Mannschaft: „Sie ist vom ersten Tag an unwahrscheinlich kameradschaftlich miteinander umgegangen, sie haben einen unwahrscheinlichen Teamgeist entwickelt. Diesen Sieg widmen wir natürlich Junior Malanda.“

Dabei wirkten die Wolfsburger nach dem frühen Rückstand geschockt, spielten zu verhalten. Nur mit Glück gerieten sie nach 18 Minuten nicht weiter in Rückstand: Marco Reus zielte nach erneuter Kagawa-Vorlage aber weit übers Tor.

Nach einem Ausgleich der Wolfsburger sah es eigentlich nicht aus. Dann aber holte Naldo aus und wuchtete einen Freistoß aus rund 25 Metern aufs BVB-Tor. Mitch Langerak, der sich in der siebten Minute noch bei einem Flachschuss von Ivan Perisic hatte auszeichnen können, ließ den Aufsetzer nach vorn abprallen - vor die Füße von Gustavo. Der zog direkt ab und glich mit seinem vierten Tor im DFB-Pokal aus.

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