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31.05.2015

00:16 Uhr

Kevin De Bruyne

„Große Spieler entscheiden große Spiele“

Er ist der Mann der Saison beim VfL Wolfsburg. Kevin De Bruyne machte mit seinem Tor zum 2:1 den ersten Pokal-Triumph der Niedersachsen perfekt. Der Belgier steht bei vielen europäischen Topclubs auf dem Wunschzettel.

Kevin De Bruyne, Mann des Spiels. AFP

DFB-Pokal-Finale

Kevin De Bruyne, Mann des Spiels.

BerlinIn einer Aktion zeigte sich seine ganze Klasse - es sollte die letztlich entscheidende im ganzen Spiel sein. Daniel Caligiuri legte auf Kevin De Bruyne ab, in Weltklasse-Art zimmerte der Belgier den Ball zum 2:1 ins Dortmunder Tor. „Große Spiele werden durch große Spieler entschieden, und so einer ist er“, hatte der Chef des VfL-Mutterkonzerns Volkswagen, Martin Winterkorn, prophezeit. So war es. Den 3:1-Sieg feierte De Bruyne ausgelassen.

Der belgische Nationalspieler hat maßgeblichen Anteil daran, dass der VfL Wolfsburg in dieser Saison Borussia Dortmund als Bayern-Jäger Nummer eins abgelöst hat. Trainer Dieter Hecking sieht nach der Vizemeisterschaft den Pokal-Titel für De Bruyne als „Krönung einer persönlich ganz fantastischen Saison“. Mit zehn Toren und 21 Vorlagen ist der Belgier in der Meisterschaft der beste Scorer der Wolfsburger und der gesamten Bundesliga.

„Er ist ein perfekter Umkehrspieler, wenn es von Defensive auf Offensive geht. Er hat ein fantastisches Gefühl für den Raum. Es macht es für den Gegner wahnsinnig schwer, gegen ihn zu verteidigen“, meinte Hecking vor dem Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Nach einiger Anlaufzeit lieferte De Bruyne den Beweis. Obwohl vor der Halbzeit angeschlagen, lenkte er das Spiel, passte klug in die Räume. „Er ist wie ein Phantom, der überall auf dem Platz sichtbar ist und dann doch nicht sichtbar ist“, bemerkte Hecking.

Natürlich wurden die Vorstellungen des Mittelfeld-Stars auch von den europäischen Topclubs verfolgt. Im Januar 2014 hatte der VfL geschätzt gut 20 Millionen Euro für den damaligen Reservespieler des FC Chelsea bezahlt. Der 23-Jährige weiß um seine Chancen. „Ich sage immer, dass ich sehr glücklich hier bin. Aber ich sage nicht, dass ich zu 100 Prozent bleibe.Es kann doch sein, dass sich in den nächsten Wochen im Urlaub Möglichkeiten für mich und den Verein auftun“, meinte De Bruyne vor dem Cup-Finale, obwohl er in Wolfsburg noch einen Vertrag bis 2019 besitzt.

Stimmen zum DFB-Pokalfinale

BVB-Spieler Sebastian Kehl

... über das Pokal-Finale: „Besser hätte ich mein Drehbuch eigentlich nicht schreiben können. Nach dieser verkorksten Saison nochmal die Möglichkeit zu haben, einen Titel zu gewinnen. Das war natürlich ein Riesenstrohhalm, an den ich mich geklammert habe. Nachdem wir in München gewonnen haben und nachdem dieser Wettbewerb so perfekt gelaufen ist für uns, hatte ich gehofft, dass wir uns dieses Glück erarbeitet haben. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Man muss am Ende sagen, dass die Wolfsburger über die 90 Minuten besser waren. Deswegen haben sie es auch verdient. Die Tore sind sehr unglücklich und teilweise aus dem Nichts gefallen. Es ist sehr, sehr bitter, die Karriere mit einer Niederlage zu beenden. Aber so ist das im Fußball. Wenn sich das etwas gelegt hat, werde ich meine Familie in den Arm nehmen. Viele Freunde sind da, und dann werde ich ein bisschen zurückblicken auf eine tolle Karriere.“

VfL-Spieler Kevin De Bruyne

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Junior ist immer bei mir. Er war mein Landsmann, er war ein kleiner Bruder von mir. Du weißt, dass es schnell geht im Leben. Er bleibt immer bei mir im Leben.“

VfL-Keeper Diego Benaglio

...über den Pokal-Sieg: „Im Moment ist es pure Freude, aber irgendwie auch noch unreal. Wir haben uns heute belohnt für eine richtig gute Saison. Wir wollten dieses Spiel für Junior gewinnen, das ist uns gelungen. Deshalb ist es umso schöner. Junior ist nach wie vor Teil dieser Mannschaft, und er wird es auch immer bleiben. Junior wird bei uns immer weiterleben.“

BVB-Trainer Jürgen Klopp

... zum Spiel: „Die Enttäuschung ist riesig, weil die Niederlage unnötig war. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir waren im Spiel. So ist Fußball. In der Halbzeit hatte ich das Gefühl, hier wird heute ein Spektakel draus. Wir drehen das Ding noch. Aber wir waren dran. Hätte, wenn und aber. Nie ist es mehr egal als im Finale.“

... über seinen Abschied von Borussia Dortmund: „Mir geht nicht viel durch den Kopf. Aber der Abschiedsschmerz kommt. Das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, allen Spielern meinen Dank auszudrücken. Es fällt schwer sie loszulassen. Meine Gefühle sind gerade relativ wirr. Das Leben wird weitergehen, aber ich brauche erstmal ein paar Minuten, um das zu verdauen. So haben wir keine Pokal-, sondern eine Abschiedsfeier.“

VfL-Manager Klaus Allofs

... über die Bedeutung des Titels: „Das ist eine Riesenbedeutung. Wenn man sich entwickeln will, dann gehören solche Erfolge, solche Titel auch dazu. Sie haben nach dem schnellen Rückstand toll reagiert. Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es sind super Jungs, super Jungs.“

... über den tödlich verunglückten Junior Malanda: „Wir haben das heute mit unserem Trikot ausdrücken wollen. Wir wollten das nicht in den Vordergrund stellen, aber zeigen dass er uns die gesamte Rückrunde begleitet hat. Dass alle ihn im Kopf hatten. Der Trainer hat es auch gesagt, dass wir auch für ihn spielen. Ich glaube, dass das auch ein paar Kräfte freigesetzt hat.“

... über die Rolle von Trainer Dieter Hecking: „Er ist ein Baustein dieser Mannschaft. Man hat gesehen, dass die Mannschaft 90 Minuten Gas geben kann, dass sie taktisch immer vorbereitet ist. Das ist die Arbeit von Dieter Hecking.“

VfL-Trainer Dieter Hecking

... über die Bedeutung des Titels:

„Das ist die Krönung einer herausragenden Saison.“

„Ich bin einfach mächtig stolz auf meine Mannschaft heute. Es war das Spiel, was wir erwartet haben. Dortmund mit viel Zug zum Tor, früher Rückstand für uns. Wichtig war, dass Marco Reus das 2:0 nicht macht. Dann wäre es richtig schwer geworden. Mit dem Ausgleich haben wir dann plötzlich den Mut gehabt, waren in den Zweikämpfen aggressiver, bissiger. Von daher war es ein verdienter Sieg heute.“

... über seine Mannschaft: „Sie ist vom ersten Tag an unwahrscheinlich kameradschaftlich miteinander umgegangen, sie haben einen unwahrscheinlichen Teamgeist entwickelt. Diesen Sieg widmen wir natürlich Junior Malanda.“

Bayern, Barcelona, Real oder doch weiter mit den Wolfsburgern in der Champions League - der Sommer wird Klarheit bringen. Eines ist jedoch schon sicher, es muss eine deftige Ablösesumme auf den Tisch. Bei 50 Millionen Euro würde VfL-Manager Klaus Allofs „noch nicht einmal zucken“.

Von

dpa

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