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06.02.2016

13:04 Uhr

KKR bei Hertha BSC

Wie eine Heuschrecke im Fußball salonfähig wird

VonThomas Schmitt

Hertha BSC gegen BVB: Da spielt nicht nur der Bundesliga-Zweite gegen den Dritten. Es kicken auch zwei Klubs, die sich gegenüber Investoren stark geöffnet haben. Hertha ließ sich auf KKR ein – bisher mit großem Erfolg.

Beide Klubs profitieren von finanzstarken Investoren. ap

Hertha BSC - Bayer Leverkusen

Beide Klubs profitieren von finanzstarken Investoren.

DüsseldorfDie Bundesliga muss sich mit neuer Konkurrenz herumschlagen. Sowohl die englische Premier League als auch die chinesische Super League spielen inzwischen finanziell eine Klasse über den Deutschen. Ohne neue Geldgeber wird es künftig nicht gehen. Daran ließ auch der Präsident des FC Augsburg, Klaus Hofmann, auf dem größten Branchentreff von Geschäftsleuten im Sport in Europa, der Spobis in Düsseldorf, keinen Zweifel.

Der Augsburger ist Unternehmer und weiß, wie Investoren ticken. Vom Erfolgsmodell des Liga-Konkurrenten Hertha BSC mit dem amerikanischen Finanzinvestor KKR ist er dennoch nicht überzeugt. „Es bleibt mir ein Rätsel, wie so was im Fußball funktioniert“, sagte er öffentlich zum Berliner Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller, der gerade in höchsten Tönen von seinem Turnaround geschwärmt hatte.

Dabei weiß Hofmann genauso wie Schiller: Die Klubs in der Bundesliga drohen auf mittlere Sicht personell auszubluten. Sie sind – abgesehen von den Bayern und vielleicht Borussia Dortmund – in Europa nicht mehr konkurrenzfähig. Und werden verzweifelt nach neuen Geldquellen suchen, um wichtige Spieler zu halten.

Hertha und KKR: Die wirtschaftliche Bilanz

Entwicklung seit 2006

Seit der Saison 2006/07 schreibt Hertha BSC unter dem Strich rote Zahlen - mit einer Ausnahme, der Saison 2013/14, als der Investor KKR mit einer Finanzspritze einstieg.

Eigenkapitalspritze

Der Investor KKR übernahm Anfang 2014 für 61,2 Millionen Euro 9,7 Prozent der Hertha BSC GmbH@Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien

Rettung 2014

Durch den Einstieg des Investors KKR Anfang 2014 konnten die Verbindlichkeiten in der Saison 2014/15 auf den historischen Tiefstwert von 15,9 Millionen Euro gesenkt werden. Im Jahr zuvor waren es noch 24,38 Millionen Euro. Die zinstragenden Verbindlichkeiten wurden auf null gesenkt.
Quelle: sid

Lob für KKR

Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller führte die gute Entwicklung auf den Einstieg des Investors KKR zurück. „Wir konnten die wirtschaftliche Basis neu legen und die Verbindlichkeiten auf diesen historischen Tiefstwert bringen. Außerdem können wir Mittel, die uns zufließen, leichter für neue Transfers einsetzen“, sagte Schiller.

Eigenkapital

Das Eigenkapital wuchs auf 21,37 Millionen Euro an, nachdem es vor dem KKR-Einstieg noch bei minus acht Millionen Euro gelegen hatte.

Saison 2015/16

Für die Spielzeit 2015/16 erzielte Hertha BSC Erträge in Höhe von 95,2 Millionen Euro. Dem stand ein Aufwand von 103,0 Millionen Euro gegenüber.

Verbindlichkeiten

Die Schulden sind von 15,9 auf 21,22 Millionen Euro gestiegen. Doch darunter sind keine Bankschulden, für die Zinsen gezahlt werden müssen.

Verlust

Wie im Vorjahr blieb in der Saison 2015/16 unter dem Strich ein Verlust von 7,8 Millionen Euro (-7,6 Millionen Euro).

Eigenkapital

Das Eigenkapital sinkt von 21,37 auf 18,55 Millionen Euro.

Perspektive

Für die Saison 2016/17 erwartet Hertha BSC einen Umsatz von 102,3 Millionen Euro. In den nächsten Jahren führen steigen TV-Einnahmen zu einem Umsatzschub.

Größere Chancen eröffnen sich dadurch für Investoren, die an den Finanzmärkten als extrem geldgierig und aggressiv gelten. Diese Gruppe ist inzwischen in der Bundesliga sogar salonfähig geworden, wie Schiller auf der Spobis mit einem Loblied auf den Hertha-Retter KKR demonstrierte.

Vor einigen Jahren war Hertha eigentlich pleite – mit einem negativen Eigenkapital von 8,3 Millionen Euro. „Wir standen vor drei Jahren mit dem Rücken zur Wand“, sagt Schiller über diese Zeit. Vor zwei Jahren dann pumpte KKR – über verschiedene Wege – viel Geld in den Klub, insgesamt mehr als 60 Millionen Euro. Der Investor lieferte so die Basis und zudem das nötige Wissen für einen organisatorischen und finanziellen Neuaufbau.

Die Bilanz 2015 lässt sich sehen: Die Hertha hat mehr Eigenkapital als Schulden (21,4 Millionen gegenüber 15,9 Millionen Euro). Schon KKR bewertete die Hertha mit rund 220 Millionen Euro. Inzwischen könnten es sogar mehr als 300 Millionen Euro sein. Viel Geld für einen Klub, der 2011 sportlich am Boden lag und damals nur knapp 80 Millionen Euro umsetzte (aktuell sind es knapp 90 Millionen Euro).

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