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09.11.2011

12:05 Uhr

Klinsmann im Interview

„Wir suchen weltweit Talente“

Als amerikanischer Nationaltrainer wagt Jürgen Klinsmann den Neuanfang. Im Interview spricht er über seine Talentsuche in Deutschland - und erklärt die amerikanische Mentalität.

US-Trainer Jürgen Klinsmann. dapd

US-Trainer Jürgen Klinsmann.

Herr Klinsmann, was haben Sie gefühlt, als Sie das erste Mal als US-Nationaltrainer die amerikanische Hymne gehört haben?

Jürgen Klinsmann: Die Nationalhymne der USA zu hören, war ein schönes Gefühl. Meine Familie ist mehr amerikanisch als deutsch. Meine Frau ist ohnehin Amerikanerin, und meine Kinder sind hauptsächlich in Kalifornien aufgewachsen. Als ich zum ersten Spiel die Hymne an der Seitenlinie miterlebt habe, war das schon etwas Besonderes. Das hat mich stolz gemacht.

 

Sie sind ein Prozesstrainer. Bei der DFB-Elf hat Ihr Prozess gewirkt, in München nicht. Ist die Tätigkeit als Nationaltrainer für Sie sinnvoller?

Es ist immer faszinierend, egal ob man einen Klub oder eine Nationalmannschaft trainiert. Die Arbeit dreht sich in erster Linie um den menschlichen Umgang mit Spielern - und der macht einfach Spaß. Wenn man selbst Fußballer war, das in sich trägt und auch den Antrieb hat, Spiele gewinnen zu wollen, sind Ergebnisse immer wichtig. Nur so kann Glaubwürdigkeit und Selbstvertrauen geschaffen werden. Daher haben wir das Bestreben, selbst wenn sich der Prozess langfristig entwickeln muss, unsere Spiele zu gewinnen. Man muss die Balance zwischen Entwicklung und Erfolg finden.

 

Welche Spielphilosophie verfolgen Sie mit den USA? 

Wir müssen uns dem anpassen, was die Weltspitze spielt. Deutschland, Spanien, Holland oder Frankreich können ein gewisses Tempo spielen, daran orientieren wir uns. Wir möchten aber auch einen Stil entwickeln, der zu Amerika passt und den Amerikanern das Gefühl gibt, dass sie sich mit dieser Mannschaft identifizieren können. Ein Amerikaner hat grundlegende Eigenschaften: Er ist ambitioniert, ungeduldig und reagiert nicht gerne auf seinen Gegner. Er diktiert die Dinge gerne selbst und attackiert. Deswegen hoffen wir, dass wir uns qualitativ dort hinarbeiten, wo andere Nationen schon sind. Ziel ist es, sie dann auch irgendwann zu schlagen.

Wo steht der Fußball generell in Amerika? 

Die Liga ist finanziell und von der Infrastruktur her stabil, da gibt es keine Risiken mehr. Die große Erwartung ist jetzt, das Produkt Fußball auf ein besseres Niveau zu bekommen. Dafür wird viel investiert. Große Spieler wie Thierry Henry, Robbie Keane oder David Beckham bereichern die Liga. Aber das Spiel an sich muss noch besser werden.

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