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04.12.2014

14:55 Uhr

Klubs votieren für „unbestechliches Auge“

Bundesliga führt Torlinien-Technologie ein

Im März stimmten sie dagegen, jetzt wollen die Bundesligaklubs sie doch: die Torlinien-Technologie. Frühestens ab der kommenden Saison soll es damit „Phantomtore“ nicht mehr geben. Bezahlen müssen die Klubs dafür selbst.

Hilfe für die Schiri: eine Kamera der Torlinientechnologie soll dem Offiziellen vor Fehlentscheidungen gewahren. dpa

Hilfe für die Schiri: eine Kamera der Torlinientechnologie soll dem Offiziellen vor Fehlentscheidungen gewahren.

Frankfurt/MainDie Fußball-Bundesliga hat sich grundsätzlich für den Einsatz der Torlinien-Technologie entschieden. Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) sprach sich am Donnerstag in Frankfurt am Main nach Angaben von Teilnehmern eine ausreichende Mehrheit der Erstligisten für das technische Hilfsmittel aus.

Ganz anders noch vor wenigen Monaten: Die erste Abstimmung im März war grandios gescheitert. Nur neun Vereine sprachen sich für die technische Unterstützung für die Schiedsrichter aus. Von den damals in einem getrennten Votum ebenfalls abstimmenden Zweitliga-Klubs waren sogar nur drei für die Technik. Nötig war damals wie am Donnerstag eine Zweidrittel-Mehrheit.

Damals hatte der nicht gegebene Treffer von Mats Hummels (Borussia Dortmund) im Pokalfinale gegen Bayern München für den nächsten Anstoß der Debatte gesorgt. Die Bayern gewannen 2:0 nach Verlängerung. Die Bayern beantragten daraufhin selbst die Einführung.

Tor oder nicht Tor? Streit um die richtige Technik

Pokalfinal 2014

Das vermeintliche Tor von Mats Hummels im DFB-Pokalfinale 2014 hat die Diskussionen um die Einführung der Torlinientechnik wieder ausgelöst. Aber selbst wenn die Entscheidung der Clubs im März des Jahres anders ausgefallen wäre, hätte es dem BVB am Samstag nichts genutzt.

Warum gibt es keine technischen Hilfsmittel?

Am 24. März 2014 hatten die 36 Proficlubs bei einer Versammlung in Frankfurt/Main die Einführung der Torlinientechnik mehrheitlich abgelehnt. Nur neun Erstligisten und drei Zweitligisten waren für die Einführung von technischen Hilfsmitteln, womit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit klar verfehlt worden war.

Was denken die Borussen und die Bayern?

Beide Clubs waren für die Einführung der Technik. „Wir bedauern diese Entscheidung. Als Demokraten haben wir das zu akzeptieren. Wir werden in Zukunft weiter mit Fehlentscheidungen leben müssen“, hatte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge damals erklärt.

Warum war das Votum so eindeutig?

Die hohen Kosten hatten vor allem die finanzschwächeren Clubs abgeschreckt. Zwischen 250 000 und 500 000 Euro wären für einen Zeitraum von drei Jahren je nach System fällig gewesen.

Was wäre, wenn die Clubs für die neue Technik gestimmt hätten?

Die Einführung der Technik war für den Sommer 2015 geplant gewesen. Dem BVB hätte es am Samstag nichts gebracht. Fraglich ist auch, wie der DFB mit dem Thema für den Pokalwettbewerb umgegangen wäre. Gerade für die Amateurclubs wären die Kosten für die Installation zu hoch gewesen. Der DFB hatte bereits ausgeschlossen, dass die Technik in der ersten Runde des DFB-Pokals zum Einsatz kommen würde.

Wie reagierten die Dortmunder auf die Szene?

Beim BVB saß die Wut noch lange nach dem Spiel tief, Trainer Jürgen Klopp war fassungslos. „Andere Gremien sind gefordert, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, rief Nationaltorwart Roman Weidenfeller die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs zum Handeln auf. Hummels selbst schlug vor: „Zwei Videobeweise pro Halbzeit oder pro Mannschaft, das würde alles ein bisschen einfacher machen.“

Ist die Torlinientechnik endgültig vom Tisch?

Für die „nahe Zukunft“ werde das Thema nicht auf die Tagesordnung kommen, hatte Ligapräsident Reinhard Rauball im März gesagt. Aber ausgeschlossen sei nicht, dass günstigere Angebote oder Fehlentscheidungen für ein Umdenken sorgen werden. Das passierte dann auch.

Wo gibt es die neue Technik?

Bei der WM in Brasilien kommt erstmals die Torlinientechnik zum Einsatz, nachdem das System GoalControl seinen Testlauf beim Confederations Cup 2013 erfolgreich bestanden hatte. 14 Kameras sind auf beide Tore gerichtet. Überquert der Ball die Torlinie, geht ein Signal an den Schiedsrichter.

Wer setzt auf Torrichter?

Die UEFA setzt bei der EM und im Europapokal auf Torrichter.

Was passiert in anderen Ländern?

In der englischen Premier League kommt das System Hawk-Eye seit dieser Saison zum Einsatz - und funktioniert reibungslos. Sieben auf jedes Tor gerichtete Kameras registrieren die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr am Handgelenk des Referees vibriert und blinkt. Spanien will dem Beispiel Englands folgen, befindet sich aber noch in der Testphase. Italien und Frankreich setzen wie die UEFA auf zwei Unparteiische an den Torauslinien. Die DFL hatte Torrichter kategorisch abgelehnt.

Sofort wird die Torlinientechnik aber wohl noch nicht eingesetzt. Frühestens in der Saison 2015/16 könnte es soweit sein. Im DFB-Pokal soll die Technik ab den Viertelfinals eingesetzt werden. Für das System müssen die Klubs selbst aufkommen.

In den auf Kante geplanten Budgetrechnungen war das bisher nicht eingeplant, auch wenn sich die Kosten in Grenzen halten dürften. Den mittleren sechsstelligen Bereich werden die Mehrausgaben nicht überschreiten. Bei den großen Fifa-Turnieren hatte die Technik zuletzt große Erfolge gefeiert. Bei der EM 2016 ist ein Einsatz ebenfalls nicht ausgeschlossen.

Ab 2015

Torlinientechnik kommt nun doch

Ab 2015: Torlinientechnik kommt nun doch

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