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27.01.2016

17:00 Uhr

Kommentar zu Bayern und Katar

Showgeschäft am Tropf der Investoren

VonHans-Jürgen Jakobs

Der Sponsoren-Deal des FC Bayern mit Katar zeigt die brisante Zwitterrolle der Spitzenklubs. Halb Sportverein, halb Unternehmen müssen sich die Granden um immer mehr Geld bemühen. Financial Fairplay? Fehlanzeige.

Ohne das Geld aus Arabien läuft im Spitzenfußball inzwischen kaum noch etwas. dpa

Im Schatten der Scheichs

Ohne das Geld aus Arabien läuft im Spitzenfußball inzwischen kaum noch etwas.

MünchenDer FC Bayern München ist halb Wirtschaftskonzern, halb Fußballverein. Als Konzern muss er so viele Millionen wie möglich scheffeln, als Klub hat er soziale Verpflichtungen. Diese Zwitterrolle macht den jüngsten Deal des Rekordmeisters brisant, die langjährige Werbepartnerschaft mit Katar inklusive dem Einkassieren mehrerer Millionen Euro.

Streng ökonomisch gesehen ist das Geschäft in Ordnung. Die stattlichen Einnahmen überwiegen mögliche Imageschäden, die entstehen könnten, weil das Emirat in der Vergangenheit ins Gerede gekommen ist. Mal ging es um  Menschenrechtsverletzungen, mal um Schmiergeld bei der Akquisition von Weltmeisterschaften (Leichtathletik 2019, Fußball 2022).

Der Aufschlag in Doha macht aber eines schlagartig deutlich, und da wird es interessant: wie sehr sich die Machtverhältnisse im internationalen Fußball verschoben haben. Er ist zu einem Showgeschäft geworden, das immer stärker von Investitionen aus arabischen Ländern abhängt. Das „Financial Fairplay“, das der FC-Bayern-München-Chef Karl-Heinz Rummenigge seit Jahren einfordert wie Wolfgang Schäuble die schwarze Null, ist unter den Bedingungen des real existierenden Fußball-Kapitalismus eine Farce.

FC Bayern München: Katar-Millionen für die Weltspitze

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Der FC Bayern hat einen neuen Finanzpartner. Die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Doha bringt in den kommenden Jahren benötigte Millionen. Der Außenminister stellt dem Deal mit dem Katar den politischen Persilschein aus.

Nehmen wir nur Katar, den neuen Partner des deutschen Vorzeigeklubs. Das Emirat unterstützt  via Qatar Airways als Trikotsponsor  mit vielen Millionen den FC Barcelona; dessen prominentes Vereinsmitglied Pep Guardiola – derzeit noch Coach in München – trat als Botschafter Katars bei der Kampagne zur Fußball-WM auf. Mit Paris St. Germain leisten sich die Boten aus dem Morgenland sogar einen eigenen Spitzenklub.

Bezeichnend, dass die Franzosen und die Spanier in der Hitparade der umsatzstärksten Klubs vor dem FC Bayern stehen; die Münchener sind hier jüngst vom dritten auf dem fünften Rang abgerutscht. Zugespitzt formuliert: Mit dem Katar-Geld sollen auch Wettbewerbsschäden ausgeglichen werden, für die Katar-Geld bei anderen gesorgt hat.

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