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21.08.2015

14:48 Uhr

Kommentar zu BVB-Zahlen

Warum Dortmund die Europa League gewinnen muss

VonMarkus Hennes

Sportlich herrscht bei Borussia Dortmund noch Optimierungsbedarf, hat das Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Odds gezeigt. Die Jahreszahlen belegen nun, dass auch wirtschaftlich Luft nach oben ist.

Für den BVB gilt es in dieser Saison, sportlich sprichwörtlich kleinere Brötchen zu backen. dpa

Qualifikationsspiel gegen Odds

Für den BVB gilt es in dieser Saison, sportlich sprichwörtlich kleinere Brötchen zu backen.

Nicht einmal einen Tag nach dem 4:3 Zittersieg im Play-Off-Hinspiel zur Europa League gegen den krassen norwegischen Außenseiter Odds BK hat Borussia Dortmund auch wirtschaftlich nicht so recht überzeugen können. Denn die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15, die der einzige börsennotierte deutsche Profiklub am Mittag vorlegte, waren aus Sicht der BVB-Aktionäre eher durchwachsen. Prompt ging es mit der Aktie zunächst um mehr als drei Prozent nach unten, im Verlauf des Börsenhandels reduzierte sich das Minus aber auf zuletzt gut ein Prozent.

Es ist eine Frage des Standpunkts: Dortmunds Finanzgeschäftsführer Thomas Treß zeigt sich über das Umsatzplus von 13 Prozent auf 276 Millionen Euro und des mehr als halbierten Nettogewinns von nur noch 5,5 Millionen Euro „außerordentlich zufrieden“. Das kann man so sehen, wenn man bedenkt, dass Dortmund in einer sportlich nicht sonderlich erfolgreichen Saison (Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League, siebter Rang in der Abschlusstabelle der Bundesliga) besonders bei den TV-Erlösen und den erfolgsabhängigen Prämien Einbußen verkraften musste. Und auch die vorzeitige Tilgung aller Kreditverbindlichkeiten hat Geld gekostet – in Worten 4,3 Millionen Euro. Nicht unter den Tisch fallen darf jedoch, dass der BVB das Zahlenwerk mit einem cleveren Deal gerettet hat: Der Klub hatte sich gegen die Nichtteilnahme an der Champions League versichert und konnte deshalb einen außerordentlichen Ertrag von fünf Millionen Euro verbuchen.

Markus Hennes

Der Autor ist Teamleiter für Namen, Sport und Panorama.

Aber was kommt jetzt? Allein durch die verpasste Qualifikation zur Champions League wird der BVB in diesem Geschäftsjahr Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, die sich wahrscheinlich nicht durch höhere Einnahmen im Spielbetrieb (Ticket-Verkauf), dem Verkauf von Fan-Devotionalien (Merchandising) oder Sponsoring-Einnahmen kompensieren lassen. Im Klartext bedeutetet das: Im Geschäftsjahr 2015/16 werden die Zahlen schlechter ausfallen.

Aufholjagd in Norwegen: BVB wendet gegen Odds Blamage ab

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BVB wendet gegen Odds Blamage ab

Drei Gegentore in 22 Minuten: Borussia Dortmund leistete sich im ersten Playoff-Spiel um den Einzug in die Europa League einen Fehlstart, der an die vergangene Saison erinnerte. Doch am Ende war dann doch alles gut.

Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung des BVB, hat ein noch viel gravierenderes Problem ausgemacht: Die ungeheure Finanzkraft der britischen Premier League, deren 20 Klubs dank imposanter TV-Einnahmen den europäischen Transfermarkt beherrschen und selbst für mittelmäßige Spieler astronomische Ablösesummen zahlen. Deshalb will Watzke künftig jeden Cent, den der BVB erwirtschaftet, in den Fußball stecken. Ihm bleibt auch gar nichts anderes übrig, um im Konzert der großen Klubs in Europa weiter mithalten zu können. Und das muss der BVB.

BVB: Fakten zu Borussia Dortmund

Wertvollste Spieler

Marco Reus (40 Millionen Euro), Pierre-Emerick Aubameyang (65 Millionen Euro)

Sponsoren

Trikotsponsor: Evonik, mindestens 12 Millionen Euro/Jahr, über 20 Millionen/Jahr möglich, bis 2025
Ausrüster: Puma, bis 2020, sechs Millionen Euro/Jahr
Partner: u.a. Opel, Turkish Airlines

Kader

Marktwert des Kaders: rund 380 Millionen Euro (Mai 2017)

Quelle: transfermarkt.de

Umsatz - Konzern

2015/16 - 376 Millionen Euro
2014/15 - 276 Millionen Euro
2013/14 - 260,7 Millionen Euro
2012/13 - 305 Millionen Euro
2011/12 - 223 Millionen Euro

Gewinn nach Steuern

2015/16 - 29, 4 Millionen Euro
2014/15 - 5,5 Millionen Euro
2013/14 - 12 Millionen Euro
2012/13 - 51,2 Millionen Euro
2011/12 - 27,5 Millionen Euro

Geschäftsführung

Vorsitzender: Hans-Joachim Watzke
Mitglieder: u.a. Thomas Treß (Finanzen), Michael Zorc (Sport), Carsten Cramer (Vertrieb, Marketing)

Aufsichtsrat

Vorsitzender: Gerd Pieper
Die Neulinge sind: Ulrich Leitermann (Signal Iduna), Björn Gulden (Puma) und Dr. Werner Müller (RAG-Stiftung) - sowie Dr. Reinhold Lunow (Facharzt und Schatzmeister des BVB e.V.) als Ersatz für den bereits im Sommer ausgeschiedenen Friedrich Merz.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,40 Euro
Ein Bier der Marke Brinkhoff´s No. 1 (0,4 l) kostet: 3,70 Euro
Eine Bratwurst kostet: 3,50 Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Stadion

Name: Signal Iduna Park
Sponsoring-Vertrag: bis 2021 für fünf Millionen Euro pro Jahr
Fassungsvermögen: 80.645 Zuschauer

Preisstrategie

Die Geschäftsführung des BVB will die Preise für Tickets, Bier und Bratwurst "in den nächsten Jahren nicht erhöhen". Dies erklärte Geschäftsführer Watzke auf der Bilanzpressekonferenz Ende August 2016 in Dortmund. Die besondere Stadion-Kultur in Dortmund solle erhalten bleiben. Dazu zählt auch, dass bundesligaweit die Preise für Bier und Bratwurst zu den niedrigsten gehören.

Borussia Dortmund hat mit den drei Großaktionäre Evonik, Puma und Signal Iduna potente Investoren im Rücken. Deren Bereitschaft, kurzfristig neues Geld in den BVB zu pumpen, dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Sie haben bei der Kapitalerhöhung im vergangenen neue Aktien zu einem Preis deutlich über dem aktuellen BVB-Kurs gekauft. Diesen sozusagen vorab erhaltenen Vorschuss müssen sich die Dortmunder nun verdienen. Wenn schon nicht in der Champions League, dann am besten mit dem Gewinn der Europa League.

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