Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.08.2015

18:23 Uhr

Kommentar zum De-Bruyne-Wechsel

Chapeau, Klaus Allofs!

VonVictor Fritzen

Manchester City überweist rund 75 Millionen Euro für Kevin De Bruyne an den VfL Wolfsburg. England ist ein Paradies für deutsche Vereine, sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Doch wo soll das alles hinführen?

Kevin De Bruyne, am Freitag noch Tribünengast, geht von Wolfsburg zu Manchester City. Reuters

Wechsel vollzogen

Kevin De Bruyne, am Freitag noch Tribünengast, geht von Wolfsburg zu Manchester City.

DüsseldorfUnd dann ist er doch der Verlockung erlegen. Etwa 75 Millionen Euro also blättert der nimmerklamme Premier-League-Club Manchester City für Kevin De Bruyne hin. Eine gigantische Summe, die in der Bundesliga einmalig ist. Lange hatte der VfL versucht, den in der vergangenen Spielzeit überragenden Belgier zu halten, um einen Angriff auf Branchenprimus Bayern München zu starten. Doch den Millionen des Scheichs Mansour bin Zayed Al Nahyan konnte selbst der solvente VW-Klub nichts mehr entgegensetzen.

De Bruyne reiht sich in die Liste der kostspieligen Sommertransfers des englischen Tabellenführers ein. Erst Mitte Juli war der Flügelstürmer Raheem Sterling für 62,5 Millionen Euro von Liverpool zu den Citizens gewechselt. Zuletzt gab der Club die Verpflichtung des argentinischen Innenverteidigers Nicolas Otamendi vom FC Valencia für 40 Millionen bekannt. Gigantische Summen, bei denen das Gros der Finanzchefs deutscher Vereine allenfalls neidisch grienen kann. Die englischen Vereine, vom Mega-Deal der Fernsehvermarktung profitierend, greifen in ihre Portokassen und wedeln mit den Pfund-Scheinen. Ein Paradies für deutsche Vereine, sie reagieren auf Angebot und Nachfrage. Marktwirtschaft, was willst du mehr?

Transferposse um De Bruyne: Handelsware Fußballspieler

Transferposse um De Bruyne

Handelsware Fußballspieler

Geht Kevin De Bruyne nach England? Oder bleibt er in Wolfsburg? Das Geschacher zeigt: Fußballer sind mehr Ware denn je.

Wie immer bei einem derartigen Geschäft gibt es Gewinner und Verlierer. Zu gratulieren wäre zuvorderst dem Protagonisten selbst. In England soll der 24-Jährige jährlich bis zu 20 Millionen Euro verdienen, dreimal mehr als derzeit in Niedersachsen - exklusive Prämien. Da lacht der Belgier - und dessen Bankkonto. De Bruyne hat ausgesorgt.

Zu gratulieren ist zum anderen dem VfL und dessen genial verhandelndem Manager Klaus Allofs zu einem Erlös, auf den er gleichwohl nur bedingt angewiesen ist. 22 Millionen hatten die Niedersachsen im Januar 2014 für De Bruyne an den FC Chelsea überwiesen. Mehr als 50 Millionen Euro Transfergewinn sind in der Bundesliga ein Novum. Chapeau, Klaus Allofs!

Der Poker um de Bruyne

1. August

Klaus Allofs ist sich sicher, dass Kevin De Bruyne zu „zu 99,9 Prozent“ nicht den Verein wechseln wird. „Wir sind kein Verein, der die Transfereinnahmen braucht. Wir würden uns aber mit einem Angebot aus Respekt vor dem Spieler seriös beschäftigen.“

5. August

De Bruyne schließt seinen Wechsel nicht definitiv aus. „Was passiert, kann ich nicht sagen. Ich weiß von keinem Angebot“, sagte der 24-Jährige dem SID. „Ich bin niemand, der sagt, er bleibt und dann ist er in zwei Wochen weg.“

10. August

Manchester City bietet für De Bruyne 66 Millionen Euro. Ein erstes Angebots über knapp 50 Millionen Euro hatte Wolfsburg zuvor abgelehnt. Manager Allofs versucht zu beschwichtigen: „Da werden wirtschaftliche Größenordnungen kolportiert, ich verstehe es, dass Kevin es sich offenhält.“

13. August

FC Bayern hält sich nach eigenen Angaben aus dem Transferpoker heraus. „Wir werden dem VfL Wolfsburg sicher kein Kopfzerbrechen bereiten. Da kann ich Klaus Allofs beruhigen. Der Spieler ist ja auch nicht auf dem Markt. Wir werden da zu 100 Prozent nicht reingrätschen“, sagte Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

14. August

Wolfsburg Trainer Dieter Hecking stört sich an den Spekulationen. „Wir können nicht auf jede Reaktion dieder Guardian schreibt, oder Daily Mirror und das Manchester Tageblatt verbreiten, reagieren. Das ist mir eigentlich wurscht, und ich kann als Cheftrainer nicht jeden Tag eine Wasserstandsmeldung abgeben“, sagte Hecking.

17. August (1)

„Ich werde diese Saison auf jeden Fall für den VfL Wolfsburg spielen“, sagte De Bruyne beim Sport-Bild-Award in Hamburg, bei dem er als „Star des Jahres“ ausgezeichnet wurde – allerdings warer zuvor auf der Bühne von Moderator Alexander Bommes aufgefordert worden, diesen Satz zu nachzusprechen.

17. August (2)

„Das werden schwierige Tage für alle Beteiligten werden. Und auch wenn unser gemeinsamer Weg nicht weitergehen sollte, wünsche ich ihm schon jetzt alles Gute“,sagte Hecking im Verlauf einer Laudatio auf den Belgier. In einer kurzen Replik bedankte sich der 24 Jahre alte Mittelfeldspieler und versprach bis auf weiteres „meine Leistung in Wolfsburg zu bringen.“

18. August

De Bruynes Aussage beim Sport-Bild-Award sorgt für Unmut bei seinem Agenten Patrick de Koster. „Ich bin wütend darüber,was in dieser Nacht passiert ist“, wird de Koster bei Sky Sports News HQ zitiert. „Es wurde noch keine Entscheidung über Kevins Zukunft in dieser Transferperiode gefällt. Wir müssennoch abwarten, ob Wolfsburg eine Einigung mit einem anderen Klub erzielt.“

20. August

Die englische Boulevardzeitung Sun berichtet ohne Angabe von Quellen, dass der Mega-Transfer zu Manchester City über die Bühne gehen soll. Dafür werde De Bruyne am Samstag mit dem Privatjet nach Manchester fliegen. „Das treibt seltsame Blüten, wenn schon Abflugzeiten bekannt gegebenwerden und sich das Empfangskomitee in Bewegung setzt“, sagte Allofs am Donnerstag und stellte klar, dass der Belgier in Köln spielen werde: „Natürlich ist er dabei.“

22. August

„Wir sind alle recht gelassen. Die Tatsache, dass Kevin in der Startformation steht, zeigt, dass die ganzen Spekulationen alle zuverfrüht sind“, sagte Allofs vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Köln im Sky-Gespräch: „Wir sind an einem Punkt, an dem wir nicht alles kommentieren. Es ist ein bisschen zu viel Dynamik reingekommen. Wir fahren das jetzt mal runter.“

24. August

Der FC Bayern dementiert einem Bild-Bericht, nach dem De Bruyne zum Rekordmeister wechseln wolle. „Wir werden da definitiv nicht aktiv werden. Das hat der Vorstand schon vor längerer Zeit entschieden“, sagte Mediendirektor Markus Hörwick am Montag auf SID-Anfrage.

25. August

Der Poker um Kevin de Bruyne kann im Extremfall bis zum frühen Dienstagabend dauern. Zwar läuft die Frist für die Meldung von Wechseln zu deutschen Klubs durch die DFL schon am Montag (31. August) um 18.00 Uhr ab, doch ist das Transferfenster im englischen Fußball noch 25 Stunden länger bis Dienstagabend um 19.00 Uhr geöffnet. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt also müsste Englands Ex-Meister Manchester City sowohl mit de Bruyne als auch mit den Wölfen eine Einigung auf einen Wechsel erzielt und den Transfer beim englischen Verband gemeldet haben.

26. August

Der Rekordtransfer von De Bruyne zum englischen Spitzenklub Manchester City steht laut Medienberichten unmittelbar vor dem Abschluss. Wie die Wolfsburger Allgemeine und das Fachmagazin kicker am Mittwochabend meldeten, sei der Durchbruch bei den Verhandlungen kurz zuvor erfolgt. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, schon am Donnerstag soll der Wechsel nach SID-Informationen offiziell verkündet werden.

27. August

VfL-Sportdirektor Klaus Allofs dementierte am Donnerstag Medienberichte über eine Einigung mit Manchester City. „Stand heute ist er Spieler des VfL Wolfsburg“, sagte er.  Allofs bestätigte allerdings Verhandlungen mit dem Club aus der Premier League.

28. August

Kevin De Bruyne sieht den 3:0 Heimsieg des VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 von der Tribüne aus. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Wechsel unmittelbar bevorsteht.

30. August

Deutschlands Fußballer des Jahres wechselt endgültig für die Bundesliga-Rekordsumme von rund 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City in die englische Premier League. Am Sonntag bestätigten beide Clubs das gigantische Geschäft.

Zu gratulieren ist zuletzt dem Berater De Bruynes: Patrick De Koster verdient an dem Wechsel ein schmackhaftes Millionen-Sümmchen. Monatelang hat er den Transfer vorbereitet - mit Erfolg. Berater leben von eben jenen Transfers. Die wirtschaftlichen Ressourcen der Premier League sind für sie und die Vereine ein Geschenk.

Zu den Verlierern des Geschachers gehören indes die Anhänger des heimischen Fußballsports. Sie verlieren nicht nur den „Spieler der Saison 2014/15“. Auch dem Meisterkampf droht ein erneuter Verlust der Attraktivität. Seit drei Jahren stellen die Bayern einen Rekord nach dem anderen auf, triumphierten zuletzt dreimal. Nach dem BVB war mal wieder ein Konkurrent in Sicht, der für eine gepflegten und ansehnlichen Kampf um Platz eins hätte sorgen können.

Nun wäre es zu einfach, den VfL Wolfsburg auf einen Spieler zu reduzieren. Doch durch den Weggang seines Besten könnte der Vizemeister aus Niedersachsen seine Rolle als erster Herausforderer der Münchener schneller los sein als ihm lieb ist. Egal, ob nun noch Julian Draxler vom FC Schalke kommt oder nicht. Darunter leidet nicht nur der VfL, sondern die gesamte Liga.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr wulff baer

31.08.2015, 08:18 Uhr

Wo das hinführen soll, ist doch klar.
Nur noch Vereine mit Oligarchen- oder Milliardärs-Inhabern können sich die besten Spieler kaufen.
Das sieht unsere Bundesliga alt aus, vor allem auch, wenn die Vorstände im Knast sitzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×