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09.11.2015

18:52 Uhr

Kommentar zur DFB-Führungskrise

Niersbachs Rücktritt darf nur der Anfang sein

VonAlexander Möthe

Die Reaktion auf Wolfgang Niersbachs Rücktritt als Präsident des DFB lautet nicht „Na endlich!“ sondern: „Was hat so lang gedauert?“ Der Verband muss sich endlich der Realität stellen und einen harten Sanierer holen.

Der DFB muss nach dem Niersbach-Rücktritt schonungslos aufräumen. Reuters

Der Rücktritt als Anfang

Der DFB muss nach dem Niersbach-Rücktritt schonungslos aufräumen.

DüsseldorfLügen haben manchmal erstaunlich lange Beine. Das zeigt sich im Korruptionsskandal um den Fußball-Weltverband Fifa und es zeigt sich im Steuerskandal um den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Verbandspräsident Wolfgang Niersbach sah den Zeitpunkt gekommen, die „politische Verantwortung“ zu übernehmen. Für was, das ist das Absurde, ist völlig unklar. Wegen seiner Verwicklung in die Affäre um die Vergabe der WM 2006 in Deutschland, heißt es.

Doch wie sieht die aus? Was ist so falsch gelaufen, dass es ein Jahrzehnt später den DFB-Präsidenten zum Rücktritt zwingt? Ist es nun die falsche Steuererklärung des DFB oder geht es um den Verwendungszweck der ominösen Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa? Von den Hintergründen der im Raum stehenden Zahlungsflüsse habe er „keinerlei Kenntnis“.

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Nach dem Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sind offenbar konkrete Hinweise auf dubiose Geschäfte ans Tageslicht gekommen.

Niersbachs Rücktritt wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Er wolle nicht, dass „das Amt des Präsidenten beschädigt werde“. Dafür ist es zu spät, wenigstens einige Wochen. Die Reaktion auf den Rücktritt, sie kann nicht „na endlich!“ lauten. Sie heißt: Was zum Teufel hat so lange gedauert?

Von Anfang an wohnten der Verteidigung Niersbachs und des DFB unauflösbare Widersprüche inne. Schon die anfängliche Geschichte, die Fifa habe Millionen im Voraus verlangt, um später weitaus höhere Beträge als Fördermittel zurückfließen zu lassen, wurde umgehend dementiert und kann nach wie vor nicht sinnstiftend erklärt werden.

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Eine mysteriöse Millionenzahlung des DFB kostet Wolfgang Niersbach das Amt. Bis heute kann der Präsident die Überweisung an die Fifa nicht stimmig erklären – nun ist der 64-Jährige als DFB-Präsident zurückgetreten.

Rund um die falsch deklarierte Steuererklärung des DFB, die Niersbach kurz nach seinem Amtsantritt unterschrieb, wurde sogar an einer Dolchstoßlegende gefeilt. Eine Intrige, die Jahre später und per Zufall den Präsidenten stürzt? Unwahrscheinlich. Es ist allerdings traurig, dass diese Variante im Weltfußball derzeit noch nicht einmal kategorisch auszuschließen ist.

Aus der gesamten „Affäre“, wie der Skandal beschwichtigend bezeichnet wird, lassen sich nur zwei Schlüsse ziehen: entweder Wolfgang Niersbach hat in seiner Funktion als DFB-Präsident in einer bemerkenswerten Kombination aus Blindheit und Blauäugigkeit wichtigste Unterlagen missachtet und sich durch Mangel an Kompetenz für das Amt disqualifiziert. Oder er hat systematisch und vorsätzlich gelogen. Beides nicht schmeichelhaft.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Ebert

09.11.2015, 20:52 Uhr

richtig dass Herr Niersbach geht. Das passt in eine gewisse Chronologie in Richtung UEFA oder FIFA.
In beiden Gremien wurde H Niesbach als Nachfolger der jeweils Amtierenden gehandelt. Der Weg ist frei für Repräsentanten aus der Wüste, wo bekanntlicherweise Fussball Volkssport ist.
Der Wunsch des Journalisten, einen Unbeteiligten als Nachfolger im Präsidentenamt zu sehen ist aufgrund der Struktur des Wahlgremiums wohl Utopie.
Wer ist der Nächste? wohl Sir Sebastian Coe, der bekanntlicherweise an der Seite seines Vorgängers nichts gesehen und gehört hat.
Der Sport ist das Spiegelbild der Gesellschaft die er vertritt - und ist diese weltweit gut?

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