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12.12.2015

16:26 Uhr

Korruption bei der Fifa

Niederlande und Belgien bezahlten „Stimmensammler“

Genutzt hat es nichts, aber nun schadet es vielleicht dem Ansehen: Die Niederlande und Belgien bezahlten 2009 den Helfer eines korrupten Fifa-Oberen. Trotzdem scheiterte die Bewerbung für die WM 2018.

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 findet in Russland statt. Die Fußballverbände der Niederlande und Belgiens sollen versucht haben, Stimmen für die eigene Kandidatur zu kaufen. dpa

Sepp Blatter und Wladimir Putin

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 findet in Russland statt. Die Fußballverbände der Niederlande und Belgiens sollen versucht haben, Stimmen für die eigene Kandidatur zu kaufen.

AmsterdamDie Fußballverbände der Niederlande und Belgiens haben im gemeinsamen Bemühen um die Ausrichtung der Fußball-WM von 2018 einem afrikanischen „Stimmensammler“ 10.000 Euro bezahlt.

Der belgische Fußballverband KVBV bestätigte am Samstag einen entsprechenden Bericht der niederländischen Zeitung „Volkskrant“. Er bestritt aber, dass es sich um Stimmenkauf gehandelt habe. Der niederländische Fußballverband KNVB zeigte sich überrascht über die Vorwürfe und kündigte eine Untersuchung an.

„Er erhielt eine Vergütung für Reisekosten und geleistete Lobbyarbeit“, sagte der belgische Verband zu der 2009 erfolgten Zahlung an den Lobbyisten.

Der „Volkskrant“ zufolge handelte es sich bei dem Empfänger um den Guineer Amadou Diallo, der damals die „rechte Hand“ des katarischen Mitglieds des Fifa-Exekutivkomitees, Mohamed bin Hammam, gewesen sei. Hammam war 2012 wegen Korruption lebenslang gesperrt worden. 2010 wurde die Weltmeisterschaft 2018 Russland zugesprochen, für 2022 ging sie an Katar.

„Ich nehme die von der Zeitung aufgeworfenen Fragen sehr ernst“, erklärte der damalige Generalsekretär des niederländischen Fußballbundes und Chef der belgisch-niederländischen WM-Bewerbung, Harry Been. Man habe damals versucht, „auf unsere eigene Art und Weise“ die Fifa von der Bewerbung zu überzeugen.

Dies sei „durch Freundlichkeiten und in sehr begrenztem Rahmen“, mit viel Enthusiasmus und einem guten Plan geschehen. Er könne sich an keinerlei Unregelmäßigkeiten erinnern.

Been verwies darauf, dass die belgisch-niederländische Bewerbung schon 2014 von der Fifa untersucht worden sei. Dabei seien keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden.

Fifa: Eine Chronologie zum Korruptionsskandal

2. Dezember 2010

Die Fifa vergibt die WM-Turniere 2018 und 2022 an Russland beziehungsweise Katar. Kurz vor der Abstimmung werden sechs Mitglieder des Exekutivkomitees gesperrt. Die britische Zeitung Sunday Times hatte aufgedeckt, dass sie ihre Stimmen zum Kauf angeboten hatten.

1. Juni 2011

Der Schweizer Joseph S. Blatter wird zum vierten Mal zum Fifa-Präsidenten gewählt und installiert eine Reformagenda. Wenige Wochen vor Blatters erneuter Wahl leitet der Verband eine Untersuchung aufgrund angeblicher rechtswidriger Zahlungen in die Wege.

23. Juni 2011

Mohamed bin Hammam, ehemaliger Präsident des asiatischen Kontinentalverbandes (AFC) und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees, wird wegen nachgewiesener Korruption lebenslang gesperrt.

30. April 2013

Die Ethikkommission bestätigt, dass Ex-Fifa-Boss Joao Havelange und die einstigen Exekutivkomitee-Mitglieder Ricardo Teixeira und Nicolas Leoz illegale Zahlungen der Sport-Marketing-Firma ISL angenommen haben.

6. Mai 2013

Chuck Blazer, ehemaliger CONCACAF-Generalsekretär, wird von der Ethikkommission gesperrt.

17. Dezember 2014

Der ehemalige US-Bundesanwalt Michael Garcia tritt als Chefermittler der Fifa zurück. Der Amerikaner reagiert damit auf die Ablehnung seines Einspruchs gegen die Auswertung seiner Untersuchung der Korruptionsvorwürfe bei der WM-Vergaben 2018 und 2022. „Meine Rolle in diesem Prozess ist zu Ende“, sagt Garcia und bemängelte „fehlende Führung in der Fifa in diesen Fragen“.

27. Mai 2015

Kurz vor Beginn des Fifa-Kongresses in Zürich nimmt die Schweizer Polizei sieben hochrangige Funktionäre fest. Darunter sind auch die beiden Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay). Zudem werden Jose Maria Marin, Costas Takkas, Eduardo Li, Julio Rocha und Rafael Esquivel verhaftet. Den sieben Festgenommenen, die in die USA ausgeliefert werden sollen, werden Geldwäsche, die Annahme von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen.

29. Mai 2015

Blatter wird zum fünften Mal zum Präsidenten gewählt: Er erhält 133 Stimmen, sein einziger Gegenkandidat Prinz Ali bin Al Hussein 77.

2. Juni 2015

Der umstrittene Präsident Joseph S. Blatter stellt sein Amt für Neuwahlen bei einem außerordentlichen Kongress zur Verfügung. „Ich habe hart für Veränderungen und Reformen gekämpft. Aber ich kann das nicht alleine machen“, sagt er.

17. September 2015

Blatters rechte Hand, Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke, wird von allen Aufgaben entbunden. Er soll vom Ticketverkauf für Weltmeisterschafts-Endrunden persönlich profitiert haben.

25. September 2015

Die Schweizer Justiz-Behörden eröffnen ein Ermittlungsverfahren gegen Blatter. Ihm wird unter anderem „eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Februar 2011 zu Lasten der Fifa“ an Uefa-Präsident Michel Platini vorgeworfen. Platini, der zu diesem Zeitpunkt noch als Thronfolger Blatters gilt, betont, es habe sich um eine legale Zahlung gehandelt, und er habe nichts falsch gemacht.

2. Oktober 2015

Die einflussreichen Fifa-Sponsoren Coca-Cola, Visa und McDonald's fordern Blatter auf, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten. Der Schweizer winkt ab und hält an seinem Plan fest, dass sein Nachfolger im Februar 2016 gewählt wird.

8. Oktober 2015

Blatter, Platini und Valcke werden von der Ethikkommission vorläufig für 90 Tage suspendiert. Der ehemalige südkoreanische Fifa-Vize-Präsident Chung Mong-Joon wird zeitgleich für sechs Jahre gesperrt. Blatter soll gegen den Ethikcode verstoßen haben. FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) übernimmt interimsweise Blatters Amtsgeschäfte.

24. November 2015

Die Ethik-Kommission beantragt eine lebenslange Sperre für Platini. Einen entsprechenden Antrag bestätigt der Anwalt des Franzosen.

3. Dezember 2015

Im Vorfeld der Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich verhaftet die Polizei auf Antrag der US-Justiz zwei weitere hochrangige Funktionäre. Erneut geht es um organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Betrug. „Die hochrangigen Fifa-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben“, teilt das Schweizer Bundesamt für Justiz mit.

15. Dezember 2015

Ex-DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erinnert sich laut der Befragungsprotokolle zur dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro des DFB an die Fifa, dass Beckenbauer ihm 2002 nach Blatters Wiederwahl gesagt habe: "Der ist auch mit meinen Geld gewählt worden." Ähnlich soll sich auch der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans geäußert haben.

21. Dezember 2015

Die rechtsprechende Kammer der Ethikkommission spricht ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für acht Jahre gesperrt. Der Vorwurf lautet Untreue und Amtsmissbrauch.

Die „Volkskrant“ zitierte einen Fifa-Sprecher mit der Äußerung, Ermittlungen könnten bei Vorliegen neuer Erkenntnisse jederzeit aufgenommen werden: „Wenn Geld ohne klaren Grund bezahlt wurde, dann besteht zumindest ein Verdacht.“

Die Zeitung berichtete, in einer ihr vorliegenden Email habe Diallo seinem Chef bin Hammam am 6. Januar 2010 mitgeteilt, „die Belgier“ hätten ihm „eine Siegprämie“ für den Fall angeboten, dass die WM 2018 an die Niederlande und Belgien gehe. Auch eine solche Prämie sei ein Verstoß gegen die Regeln der Fifa gewesen. Die Zahlung an Diallo sei über die gemeinnützige Firma Beltomundial gelaufen, die für das Management der Bewerbung gegründet worden war und von den Verbänden kontrolliert wurde.

Von

dpa

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