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16.03.2016

12:00 Uhr

Korruptionsskandal

Fifa verklagt Ex-Funktionäre auf Schadenersatz

VonHolger Alich

Die Fifa greift im Korruptionsskandal um verschiedene WM-Vergaben einem Urteil der US-Justiz voraus und klagt auf Schadenersatz. Der Weltverband bestätigt damit, dass sich verschiedene Funktionäre haben schmieren lassen.

Der frühere Funktionär wird auf Schadenersatz verklagt. Reuters

Ex-Vizepräsident Jack Warner

Der frühere Funktionär wird auf Schadenersatz verklagt.

ZürichDer krisengeschüttelte Weltfußballverband Fifa sieht sich als Opfer der Korruptionsskandale und verlangt von in den USA angeklagten ehemaligen Funktionären und Marketing-Managern Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe. „Über viele Jahre haben die Beschuldigten in grober Weise ihre Position ausgenutzt, um sich persönlich zu bereichern, was signifikanten Schaden der Fifa zugefügt hat“, heißt es in der Klage, welche die Anwälte der Fifa am Dienstag beim zuständigen Gericht in New York eingereicht haben. Die Fifa beziffert den erlittenen Schaden mit „mindestens 28,23 Millionen Dollar“.

Der Verband hängt sich mit diesem Schritt an die laufenden Strafverfahren der USA gegen 41 ehemalige Fifa-Funktionäre und Sportmarketing-Manager. Insgesamt haben die USA von den Beschuldigten 190 Millionen Dollar Vermögenswerte sichergestellt und 100 Millionen Dollar in den USA und im Ausland einfrieren lassen.

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Mit der Klage verlangt die Fifa nun, dass sie als geschädigte Partei einen Teil dieses Geldes bekommt. Doch bis es soweit ist, kann es dauern. Zuvor müssen die Beschuldigten rechtskräftig wegen Korruption und Unterschlagung verurteilt sein. „Nicht die Fifa stellt sich selbst als geschädigte Partei dar, diesen Status hat dem Verband die US-Justiz zugewiesen“, heißt es aus mit dem Fall vertrauten Kreisen. Dank dieses Rechtsstatus kann die Fifa Schadenersatz im Rahmen des Strafprozesses verlangen.

Besonders im Visier hat der Weltfußballverband mit der Klage den Ex-Vizepräsidenten Jack Warner, der früher die Nord- und Zentralamerikanische Konföderation Concacaf geleitet hat und dem zahlreiche Korruptionsvergehen vorgeworfen werden. Im Fokus stehen auch sein Nachfolger Jeffrey Webb sowie der geständige Ex-Concacaf-Generalsekretär Charles Blazer. Blazer und Warner gelten als Zentrum zahlreicher Stimmenkäufe und schmutziger Deals.

Fifa: Skandale unter Blatter

Präsidentschaftswahl 1998

Der damalige FIFA-Generalsekretär Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50.000 Dollar an afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter beharrlich zurückweist.

ISL-Skandal (1)

Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite gegangenen Vermarkter ISL.

ISL-Skandal (2)

Blatter wurde von allen Verdächtigungen freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System hatte.

WM-Vergabe 2018 und 2022 (1)

Schon vor der Doppel-Vergabe an Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse eingestellt.

WM-Vergabe (2)

Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals 22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

Präsidentschaftswahl 2011 (1)

Lange schien es, als könne der Katarer Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der CONCACAF-Zone galten als entscheidend.

Präsidentschaftswahl 2011 (2)

Blatter hatte den Verbänden eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin Hammam versuchte es inoffiziell mit 40.000 Dollar pro Verband – und flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte Funktionäre anschwärzten.

WM-Tickets (1)

Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm. Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen ein.

WM-Tickets (2)

Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt verkauft zu haben.

WM-Tickets (3)

2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.

Sperre

2015: Am 21. Dezember spricht die rechtsprechende Kammer ihr finales Urteil: Blatter und Platini werden für jeweils acht Jahre gesperrt. Zum Verhängnis wurden ihnen die dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro, die Platini im Jahr 2011 von Blatter (79) angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten (von 1998 bis 2002) erhalten hatte.

Die Vorwürfe in der Fifa-Klage sind weitgehend aus den Strafanträgen der US-Justiz bekannt; die Fifa stützt sich bei ihrem Vorgehen aber auch auf ihre internen Ermittlungsergebnisse der US-Anwaltskanzlei Quinn Emanuel.

Letztlich räumt der Verband mit der Klage ein, dass ranghohe Funktionäre jahrelang die Hand aufgehalten haben - auch bei der Vergabe von WM-Turnieren. So heißt es wörtlich in der Klageschrift: „Es ist nun offensichtlich, dass zahlreiche Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees ihre Position missbraucht haben und ihre Stimmen bei zahlreichen Gelegenheiten verkauft haben.“

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