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09.06.2015

17:16 Uhr

Korruptionsskandal

Maradona will Fifa retten

Argentiniens Fußballidol Diego Maradona erwägt Kandidatur für den Vizeposten des Weltverbands Fifa – und will im Erfolgsfall in Zürich aufräumen. Doch hat die „Hand Gottes“ tatsächlich Chancen auf den Posten?

Das Fußballidol knüpft seine Kandidatur an Bedingungen. ap

Diego Maradona

Das Fußballidol knüpft seine Kandidatur an Bedingungen.

DüsseldorfDer frühere Fußballweltmeister Diego Maradona hat sich als möglicher Vize-Präsident der Fifa ins Spiel gebracht. „Es gibt eine gute Chance, dass ich Vize-Präsident werde, wenn Prinz Ali bin Al Hussein bei der Präsidenten-Wahl gewinnt. Und wenn ich es bin, werde ich aufräumen", sagte der 54 Jahre alte Weltmeister von 1986 in der TV-Sendung Show del Futbol. Maradona, den seit vielen Jahren eine tiefe Abneigung mit dem scheidenden Fifa-Chef Sepp Blatter verbindet, betonte gleichzeitig, als möglicher Amtsträger würde er sich nicht von Rachegefühlen leiten lassen.

Maradona sagte in der TV-Sendung, Blatter sei aus dem Amt geflüchtet, „weil er Angst vor dem FBI und der Schweizer Polizei hatte. Er wollte die Fifa nicht in Handschellen verlassen.“ Der von ihm unterstützte jordanischen Prinz al-Hussein habe schon deshalb gute Chancen, den Fifa-Vorsitz zu übernehmen, weil er seit langem Blatters härtester Kontrahent gewesen sei.

Wer folgt auf Blatter?

Kandidaten

Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge von Joseph Blatter ist lang und vielfältig. Einen wirklichen Neuanfang würden jedoch nur wenige bedeuten.
Quelle: dpa

Kongress

Der Wahlkongress soll voraussichtlich zwischen Dezember diesen Jahres und März 2016 stattfinden. Schon am Dienstagabend äußerten sich die ersten potenziellen Kandidaten.

Der Uefa-Chef

Eine Kampfkandidatur gegen Blatter hatte Michel PLATINI (59) als Präsident der Europäischen Fußball-Union stets tunlichst vermieden. Ambitionen auf das höchste Funktionärsamt verhehlte der Franzose hingegen ebenso wenig. Viele Jahre lang hat er Blatter unterstützt.

Blatter-Gegner I

Der gegen Blatter unterlegene Prinz Ali BIN AL-HUSSEIN aus Jordanien und der Niederländer Michael VAN PRAAG erklärten schon am Dienstagabend, dass sie sich eine Kandidatur offenhalten.

Blatter-Gegner II

Luis FIGO, der wie van Praag vor der Wahl zugunsten al-Husseins zurückgezogen hatte, forderte eine „gemeinsame weltweite Lösung“. Aus dem Trio besäße al-Hussein wohl die größten Chancen - pikant würde die Situation, wenn sowohl der aus Europa unterstützte Jordanier wie auch Platini antreten sollten.

Blatter-Gegner III

Der frühere Profi David GINOLA, der schon vor der vergangenen Wahl die notwendigen fünf Unterstützerländer nicht aufbringen konnte, will es erneut versuchen.

Blatters Stellvertreter

Wäre der Schweizer sofort zurückgetreten, hätte Issa HAYATOU als längster sich im Amt befindender Vizepräsident die Geschäfte übernommen; alles andere als ein Neuanfang.

... unter Verdacht

Der 68-Jährige aus Kamerun sitzt seit 1990 in der FIFA-Exekutive und stand schon mehrfach unter Korruptionsverdacht, den er stets zurückwies. 2011 kam er mit einer Rüge des Internationalen Olympischen Komitees für den Erhalt von 20.000 US-Dollar vom früheren Marketingpartner ISL davon.

Ein Strippenzieher

Erst beim Kongress am vergangenen Freitag wurde Ahmad al Fahad AL SABAH ins FIFA-Exko gewählt. Und doch war der Kuwaiti schon mittendrin.

... und Platini

Am Vorabend der Wahl zeigten Fotos den höchst einflussreichen Sportfunktionär an der Seite von Platini, al Sabah weiß wie man Mehrheiten beschafft. Schon Thomas Bach profitierte bei der Wahl zum IOC-Präsidenten von seinen Diensten.

Der Kaiser

Seine Popularität nutzte Franz BECKENBAUER bereits, um die WM 2006 nach Deutschland zu holen - auf ihn als Präsidenten könnte sich die Fußball-Welt sicher einigen. Als Exko-Mitglied war er allerdings bei der skandalumwitterten WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 im Dezember 2010 beteiligt und sieht sich noch mit Ermittlungen der FIFA-Ethikkommission konfrontiert.

Die Fußball-Legende

Der ehemalige brasilianische Fußball-Star ZICO hat eine Kandidatur für das freiwerdende Amt des FIFA-Präsidenten nicht ausgeschlossen. Der 62-Jährige schrieb nach dem angekündigten Rücktritt von FIFA-Chef Blatter auf seiner Facebook-Seite: „Warum nicht? In meinem Leben ist es immer um Fußball gegangen.“

Ali bin al-Hussein war bei der Präsidentenwahl auf dem Fifa-Kongress in Zürich vor anderthalb Wochen Blatter unterlegen. Wenige Tage später kündigte der Schweizer überraschend seinen Rücktritt an. Der Weltfußball-Verband steckt nach den jüngsten Korruptionsskandalen in seiner schwersten Krise. Blatter hat inzwischen eingeräumt, von einer Zehn-Millionen-Dollar-Spende gewusst zu haben, bei der es sich um Bestechungsgeld für die Vergabe der WM 2010 in Südafrika gehandelt haben könnte.

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Auch Uefa-Präsident Michel Platini nahm Maradona ins Visier: „Früher habe ich ihn respektiert, aber jetzt habe ich gemerkt, dass sein Wort wenig wert ist.“ Platini habe ihm „in Dubai gestanden, 167 Partien verschoben zu haben“.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Kurt Küttel

10.06.2015, 10:33 Uhr

Um Gottes Willen, da fangen die ja auch noch mit Koksen an in Zürich.

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