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05.08.2014

16:58 Uhr

Kosten für Polizeieisätze im Fußball

Die Liga muss Härte zeigen

VonOliver Stock

Der Fußball selbst oder der Staat – wer soll die Polizeieinsätze bei Bundesligaspielen bezahlen? Wenn Sie diesen Artikel lesen, wissen Sie, wer die Kosten für die Fußballrandale übernehmen muss.

Der Streit um die Kosten von Polizeieinsätzen bei Bundesliga-Spielen spaltet Fußball-Deutschland in zwei Lager. dpa

Der Streit um die Kosten von Polizeieinsätzen bei Bundesliga-Spielen spaltet Fußball-Deutschland in zwei Lager.

Können Bundesländer der Deutschen Fußballliga eine Rechnung für den Polizeieinsatz schicken, wenn bei einem Bundesligaspiel außerordentliche Randale herrscht? Soll ein Bundesland mit Blick auf die Kosten die Polizeieinsätze begrenzen? Die Diskussion ist voll entbrannt, seitdem Bremen Rechnungen an die Liga schicken und Nordrhein-Westfalen bei absehbar friedlichen Spielen nur noch ein kleineres Aufgebot bereitstehen will.

Das Argument lautet jeweils: Ein Großeinsatz belastet den Polizeietat zusätzlich. Die Kosten dafür muss der Veranstalter tragen. Also erstmal die Deutsche Fußball-Liga. Die Organisatoren verdienten schließlich gutes Geld, während der Steuerzahler zur Kasse gebeten werde, sagt der Bremer Senat. Die öffentliche Sicherheit muss der Staat gewährleisten, dafür kann er keine Rechnungen schreiben, halten die Fußballverantwortlichen dagegen.

In diesem Streit haben die einen die Kassenlage und den Menschenverstand auf ihrer Seite: Die klammen Bundesländer könnten es gut gebrauchen, wenn sie die reiche Liga finanziell melken dürfen. Und schließlich entstünden die Kosten ja nicht, wenn es die Spiele nicht gäbe.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

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Die anderen haben jedoch das Recht auf ihrer Seite: Wer eine Rechnung bekommt, müsste auch in der Lage versetzt werden, die Leistung bei einem anderen zu bestellen. Doch die öffentliche Ordnung kann nur der Staat garantieren, da nur er das Gewaltmonopol besitzt.

Dafür eine Rechnung zu schreiben geht also nicht. Außerdem ist die Liga juristisch gesehen gar nicht der richtige Adressat für die Rechnung, denn sie ruft ja nicht zur Randale auf. Wenn jemand für mögliche Schäden aufkommt, dann doch bitte die Verursacher selber – also die gewalttätigen Fans.

Wir sehen: Wie immer hilft es auch hier nicht weiter, Menschen- gegen Fachverstand auszuspielen. Was hilft, ist Härte gegenüber den Randalierern. Die müssen zuerst die Vereine zeigen. Ihre Sicherheitskontrollen sind zu lasch, wenn es Chaoten noch immer gelingt, mit Leuchtfackeln ins Stadion zu gelangen.

Härte muss auch die Liga zeigen, wenn Vereine ihre Fans nicht im Griff haben. Wie das aussieht, davon kann Eintracht Frankfurt ein Lied singen, die harte finanzielle Bußen für ihre kriminellen Anhänger an die Liga zahlen musste. Härte kann auch die Polizei zeigen, wenn sie Randalierer frühzeitig aus dem Verkehr zieht.

Es geht also um Härte und um Disziplin. Das ist ein altes Wort, es ist ein alter Wert, es ist aber einer, ohne den keine Triumphe und keine Feste gefeiert werden. Echte Sportler wissen das.

Kommentare (2)

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Herr Thomas Schmidt

05.08.2014, 18:10 Uhr

Spätestens wenn es um die hohe Polizei-Präsenz INNERHALB der Stadien geht, ziehen viele Argumente des Artikels und der Fußball-Funktionäre definitiv nicht mehr: Denn hier geht es nicht um "öffentlichen Raum", in dem der Staat für Sicherheit sorgen muß. Im Stadion (und auch meist auf den zugehörigen Aussenflächen) geht es um ein privates Veranstaltungs-Gelände, auf dem ein privater Veranstalter auch "Hausrecht" beansprucht. Und während privater, kommerziell orientierter Veranstaltungen auf diesem Privatgelände muss eben der private Veranstalter auch für die Sicherheit sorgen. Wenn dann während der Veranstaltung etwas passiert, das einen Polizei-Einsatz erfordert, dann muß er halt die Polizei anrufen. De facto ist es aber doch heute so (und zwar entgegen den Aussagen der DFL-Funktionäre, wonach die Clubs INNERHALB der Stadien für Sicherheit sorgen würden), dass bei jedem Bundesliga-Spiel auch hunderte von Polizeibeamten auf dem privaten Veranstaltungs-Gelände (Stadionbereich) eingesetzt werden - und zwar präventiv. Und diese Hundertschaften an Polizei entlasten den Aufwand der BL-Clubs für privates Sicherheits-Personal ganz substantiell. Wenn also die BL-Vereine für ihre "Privatveranstaltungen" auf ihrem "Privatgelände/Stadion" weiterhin massive Polizei-Präsenz wollen, dann sollen sie gefälligst dafür zahlen. Und was den Polizei-Aufwand ausserhalb der Stadien, im sog. "öffentlichen Raum" angeht. Hier ist es sicher nicht vertretbar, dass fürein Fußball-Spiel tausende Polizei-Beamte eingesetzt werden. Wenn also bereits im Vorfeld eines "Hochrisiko-Spiel" von schweren Krawallen auszugehen ist, dann sollte die Polizei /Behörden dieses Spiel einfach aus Sicherheitsgründen absagen können. Dann werden sich die Vereine sehr schnell darum kümmern, das ihnen bestens vertraute Krawall-Publikum aus ihren Stadien fernzuhalten.

Herr Norbert Bluecher

05.08.2014, 19:03 Uhr

Das Argument Kosten - Rechnung - Anbieterauswahl für die Leistung "Polizei" zieht nicht. Es handelt sich um eine gewerbliche Veranstaltung, die vom Verantalter mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, durchgeführt wird. Da es bei dieser Art Veranstaltung offensichtlich regelmäßig zu Ausschreitungen kommt, lautet die sehr einfache Antwort, daß diese Veranstaltungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit durchgeführt werden muß. Dann gibt es auch keine Ausschreitungen.
Wo kämmen wir denn dahin, wenn die Produktion bei Daimler oder VW täglich durch Polizei gesichert werden muß.

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