Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2014

11:47 Uhr

Kreditkonditionen unklar

Bayern und Dortmund streiten wie die Kesselflicker

VonDésirée Linde

Lieh Bayern München dem Konkurrenten Dortmund einst Geld zinsfrei, zu fünf oder zu acht Prozent? Münchens künftiger Präsident Karl Hopfner bezichtigt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke offen der Lüge.

Stand dem Bayern-Darlehen von Anfang an kritisch gegenüber: Hans-Joachim Watzke. dpa

Stand dem Bayern-Darlehen von Anfang an kritisch gegenüber: Hans-Joachim Watzke.

MünchenVor dem Klassiker Borussia Dortmund gegen Bayern München am Wochenende und mitten in der erhitzten Stimmung des Champions League-Viertelfinals kommt es zum offenen Schlagabtausch zwischen den Funktionärsspitzen der Vereine.

Der künftige FC-Bayern-Präsident Karl Hopfner hat den Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke offen als Lügner bezeichnet. Watzke hatte am Dienstag in einem Interview mit der Münchner „tz“ behauptet, die Bayern hätten Dortmund 2004 zwei Millionen Euro geliehen und dafür acht Prozent Zinsen verlangt. 2012 hatte Watzke allerdings noch von einer Verzinsung von fünf Prozent gesprochen.

„Was Herr Watzke da behauptet hat, ist die absolute Unwahrheit“, sagte Hopfner der „Sport Bild“. Weder habe der Rekordmeister den kolportierten Zinssatz erhalten, noch habe sich Watzke wie behauptet um die Rückzahlung kümmern müssen.

BVB: Fakten zu Borussia Dortmund

Wertvollste Spieler

Marco Reus (40 Millionen Euro), Pierre-Emerick Aubameyang (65 Millionen Euro)

Sponsoren

Trikotsponsor: Evonik, mindestens 12 Millionen Euro/Jahr, über 20 Millionen/Jahr möglich, bis 2025
Ausrüster: Puma, bis 2020, sechs Millionen Euro/Jahr
Partner: u.a. Opel, Turkish Airlines

Kader

Marktwert des Kaders: rund 380 Millionen Euro (Mai 2017)

Quelle: transfermarkt.de

Umsatz - Konzern

2015/16 - 376 Millionen Euro
2014/15 - 276 Millionen Euro
2013/14 - 260,7 Millionen Euro
2012/13 - 305 Millionen Euro
2011/12 - 223 Millionen Euro

Gewinn nach Steuern

2015/16 - 29, 4 Millionen Euro
2014/15 - 5,5 Millionen Euro
2013/14 - 12 Millionen Euro
2012/13 - 51,2 Millionen Euro
2011/12 - 27,5 Millionen Euro

Geschäftsführung

Vorsitzender: Hans-Joachim Watzke
Mitglieder: u.a. Thomas Treß (Finanzen), Michael Zorc (Sport), Carsten Cramer (Vertrieb, Marketing)

Aufsichtsrat

Vorsitzender: Gerd Pieper
Die Neulinge sind: Ulrich Leitermann (Signal Iduna), Björn Gulden (Puma) und Dr. Werner Müller (RAG-Stiftung) - sowie Dr. Reinhold Lunow (Facharzt und Schatzmeister des BVB e.V.) als Ersatz für den bereits im Sommer ausgeschiedenen Friedrich Merz.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,40 Euro
Ein Bier der Marke Brinkhoff´s No. 1 (0,4 l) kostet: 3,70 Euro
Eine Bratwurst kostet: 3,50 Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Stadion

Name: Signal Iduna Park
Sponsoring-Vertrag: bis 2021 für fünf Millionen Euro pro Jahr
Fassungsvermögen: 80.645 Zuschauer

Preisstrategie

Die Geschäftsführung des BVB will die Preise für Tickets, Bier und Bratwurst "in den nächsten Jahren nicht erhöhen". Dies erklärte Geschäftsführer Watzke auf der Bilanzpressekonferenz Ende August 2016 in Dortmund. Die besondere Stadion-Kultur in Dortmund solle erhalten bleiben. Dazu zählt auch, dass bundesligaweit die Preise für Bier und Bratwurst zu den niedrigsten gehören.

Im Rückblick auf das Darlehen der Bayern hatte Watzke mit Verweis auf die angebliche Verzinsung gemeint: „Mutter Teresa war da also nicht im Spiel.“ Diese Wortwahl kritisierte Hopfner scharf: „Wenn Herr Watzke über Uli Hoeneß als keine ,Mutter Teresa' spricht, finde ich das äußerst diskreditierend. Ich muss sogar sagen: Das ist beschämend.“

Hopfner, beim FC Bayern früher Finanzvorstand, sagte außerdem, dass ihm der damalige BVB-Geschäftsführer Michael Meier zugesichert habe, dass das Darlehen „absolut zinsfrei" gewesen sei. In der Folge sei es dennoch zu Rückzahlungsschwierigkeiten beim BVB gekommen. Anfang November, etwa zwei Monate nach der Überweisung aus München, hatte der BVB erst 1,5 Millionen zurückgezahlt.

Meier sei dann erneut auf die Bayern zugekommen und habe für einen Restbetrag in Höhe von 494.000 Euro Zinsen in Höhe von fünf Prozent vorgeschlagen. „Das haben wir akzeptiert“, so Hopfner. Der dann noch offene Betrag sei jedoch bei dem Transfer von Torsten Frings verrechnet worden. Der Mittelfeldspieler wechselte 2004 von Dortmund nach München.

Den Deal hatte der Dortmunder Geschäftsführer Watzke allerdings schon vor zwei Jahren kritisiert: „Ich hätte so etwas nicht gemacht. Du kannst unmöglich Geld von einem Wettbewerber nehmen. Aber offenbar gab es keine andere Möglichkeit mehr“, sagte er damals und schob jetzt nach. „Es war eine der größten Sünden meines Vorgängers, Geld von einem anderen Klub zu nehmen. Ich würde eher in der Fußgängerzone betteln gehen, als das zu machen.“

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.04.2014, 12:47 Uhr

Die Bayern lassen sich seit Jahren von Marketing- und Kommunikations-Agenturen beraten. So arbeiten sie z.B. gezielt und perspektivisch an einem "Markenprofil", also einem Image und Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit.

Genau so gezielt arbeiten Sie aber auch an der Zerstörung der Marken-Attraktivität der direkten Gegner, derzeit vor allem von Borussia Dortmund. Verständlich, denn jeder Sponsor und Werbetreibende, der aufgrund der hohen Attraktivität und Sympathiewerte sein Geld nach Dortmund schickt, stärkt den Gegner und schwächt die eigene Position.

Was in der Wirtschaft verboten ist (Vergleichende Werbung, in der eigenen Werbung die Konkurrenz schlecht machen etc.), gilt nicht für den Fussball. Hoeneß gilt als der "Erfinder" der "dreckigen Kriegsführung im Fussball", des Bekämpfens des Gegners auch abseits des Rasens, und zwar mit allen Mitteln (Denunzierungen, Diffamierungen, Spieler gezielt abwerben um die Gegner zu schwächen, Spielerkäufe vor wichtigen Spielen des Konkurrenten verkünden wie im Fall Klose/Bremen, Götze/Dortmund usw.).

So gesehen, erscheint die heutige Reaktion der Bayern schlüssig: Nach dem glanzvollen Sieg (sportlich), hoher Aufmerksamkeit (Medien/Sponsoren/Werbung) und viel Sympathien wird sofort eine Kommunikations-Kampagne gestartet, um Dortmunds Image und derzeit strahlendes Bild in der Öffentlichkeit zu diffamieren und zu zerstören.

Das alles ist durchschaubar, eine Strategie, unterstützt und konzipiert auch von Medien-/Kommunikations-Profis, also Marketing-Agenturen.

Leider hat der investigative Journalismus, vor allem der Sport-Journalismus, kein Interesse daran aufzuklären, dass es hier um knallhartes Geschäft geht und schon lange sportliche Werte wie Fairness nicht mehr gelten - spätestens seit Hoeneß. Schließlich profitieren die Medien ja auch von den Schlagzeilen und der "Show". Ist das seriös? Michael Steinbrecher hat die Konsequenzen gezogen und seinen Job deshalb im Aktuellen Sportstudio hingeschmissen...

Account gelöscht!

09.04.2014, 13:26 Uhr

der 1. Kommentar trifft den Nagel absolut auf den Punkt.
Noch eine Bemerkung zum Titel des Beitrages. Könnten Sie vielleicht einmal begründen, warum Sie auch die Worte von Herrn Watzke in die Rubrik "Kesselflicker" einordnen??!!

Wieder so ein fragwürdiger Verallgemeinerungsbeitrag. Hässlich!

Account gelöscht!

09.04.2014, 14:02 Uhr

Kleine Ergänzung:

Nicht nur die Bayern haben ein hohes Interesse, ein sehr konkretes wirtschaftliches Interesse daran, der Marken-Attraktivität der Dortmunder zu schaden, sondern noch in höherem Maß auch jeder Sponsor und Werbepartner der Bayern: Adidas, Telekom, Audi, VW, Allianz usw. Und zwar nicht nur, weil ihre Werbewirkung (Aufmerksamkeit, Sympathie usw) leidet, wenn nicht Bayern sondern Dortmund im Fokus steht.
Auch wenn die Werbepartner der Dortmunder mit ihren Marketing-Strategien erfolgreich sind, also die Konkurrenz als Parnter der Dortmunder Erfolg hat, schadet es z.B. VW, Audi, der Allianz (Opel ist Sponsor von Dortmund, Iduna-Versicherung ist Sponsor von Dortmund usw.).

Kein Wunder also, dass die Sponsoren und "Partner" der Bayern, allesamt im Aufsichtsrat und meist an der AG mit Anteilen beteiligt, so lange am nachweislichen Verbrecher Hoeneß festhielten. Kein Wunder also, wenn sich Winterkorn und Konsorten direkt an den "Marken-Zerstörungs-Kampagnen" der Bayern gegen Dortmund beteiligen und sie im Aufsichtsrat unterstützen oder gar beauftragen.

Das alles ist ein Wirtschaftskrieg. Und der sog. Sport-Journalismus mit seinen billig inszenierten "Shows" wie Aktuelles Sportstudio sollte endlich im Sinne des Journalismus aufklären, die Dinge unter diesen Gesichtspunkten analysieren und bewerten.

Und mein nächstes Auto ist dann ein Opel... ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×