Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.12.2014

14:43 Uhr

Krisenberater über Dortmunds Trainer

„Klopp ist ein Beißer, ein Brecher, ein Fußballverrückter“

VonLucas Fuhr

Management-Coach Klaus Schuster ist überzeugt vom BVB-Krisenmanager Jürgen Klopp. Er rät dem Trainer: Selbstzweifel ablegen, die wilde Sau satteln und mit fliegender Fahne übelfluchend losreiten – komme, was da wolle.

BVB in der Bringschuld

Klopp: „Wir müssen alles aktivieren“

BVB in der Bringschuld : Klopp: „Wir müssen alles aktivieren“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Klaus Schuster ist Manager und Management-Coach. Derzeit wickelt er die slowenische Factor Banka ab. Im Interview spricht der krisenerfahrene Tausendsassa über die sportliche Krise beim BVB und über Trainer Jürgen Klopp.

Herr Schuster, gerade heraus: Ist Jürgen Klopp noch der richtige Trainer in Dortmund?
Absolut. Auf jeden Fall. Der Mann ist ein Beißer, ein Fußballverrückter. Das ist im Fußball wie im Management dasselbe: Was ein Trainer oder Manager wirklich drauf hat, aus welchem Holz er geschnitzt ist, zeigt sich nicht dann, wenn er das Triple gewinnt, sondern wenn die Jauche am Dampfen ist. Krisenkompetenz ist Schlüsselkompetenz. Ich wünsche mir, dass der Jürgen beim BVB bleibt, damit ich sehen kann, ob er es wirklich drauf hat – und genau das will er uns auch allen zeigen!

Klopp kennt Abstiegskampf – und sogar Abstieg – noch aus seiner Zeit bei Mainz 05. In Dortmund hat er aber praktisch von Anfang an immer ums internationale Geschäft mitgespielt. Besteht da die Gefahr, erfolgreiches Krisenmanagement zu verlernen?
Sie nehmen mich jetzt auf die Schippe, oder? Krisenmanagement kann man nicht verlernen, weil das weniger eine Kompetenz als ein Charakterzug ist. Der Krisenkompetente fürchtet sich nicht vor der nächsten Krise, der wartet wie ein Bluthund drauf, weil: Dann kann er sich und der Welt wieder beweisen, was er zu bieten hat, dass er es herumreißen kann. Im Management heißt das Turnaround.

Borussia Dortmund: Die Baustellen von Klopp

Shinji Kagawa

Wie ein Messias wurde Shinji Kagawa bei seinem Comeback gefeiert. Doch seither ist es ruhig geworden um den Hoffnungsträger. Die Vorstellungen des kleinen Japaners geben sogar einige Rätsel auf. Die von Jürgen Klopp proklamierte „prägende Figur“ haben die Fans bisher selten gesehen.

Mats Hummels

Der Innenverteidiger sucht nach wie vor nach seiner WM-Form. Gegen Bremen wirkte er, trotz seines Anschlusstreffers, erneut unglücklich.

Nuri Sahin und Jakub Blaszczykowski

Beide waren Langzeitverletzte. Und die ersten Spiele haben sie schon wieder gemacht. Doch auf höchstem Niveau wie früher kicken sie natürlich noch nicht.

Lukasz Piszczek

Auch Verteidiger Lukasz Piszczek war in jüngster Zeit angeschlagen, wegen muskulärer Probleme. Bei einem Spieler, der von seiner Schnelligkeit lebt, ein großes Problem.

Sokratis

Abwehrspieler Sokratis ist nach seinem Wadenbeinbruch mittlerweile wieder in das Lauftraining eingestiegen. Doch fit ist er noch nicht.

Matthias Ginter

Der Ex-Freiburger hat in Dortmund noch nicht Fuß gefasst. Das zweite Gegentor für Frankfurt ging auf sein Konto, weil Ginter ungewollt für Eintracht-Stürmer Haris Seferovic (78.) auflegte. Für Klopp gehört der Treffer ins „Kuriositätenkabinett“.

Marco Reus

Keine Woche vergeht ohne ein neues Gerücht über Marco Reus. Geht er oder geht er nicht? Reus könnte die Dortmunder zum 1. Juli 2015 gegen eine Ablöse von 25 Millionen Euro vorzeitig verlassen. Derzeit ist er noch verletzt. Mal wieder.

Ilkay Gündogan

Der begnadete Fußballspieler ist zwar zurück nach seiner langwierigen Rückenverletzung. Doch ihm fehlt die Spielpraxis. Im defensiven Mittelfeld wirkt er ungewohnt unsicher.

Ciro Immobile

Die Sturmhoffnung aus Italien hat das System von Jürgen Klopp noch nicht verinnerlicht. Deshalb spielt er selten und ist daher noch nicht die erhoffte, große Verstärkung.

Kann es sein, dass derselbe Mann ein Team krisenfest machen kann und ein anderes nicht?
Nein. Ein Krisenmanager ist ein Krisenmanager. Aber es gibt eine andere Dichotomie: Es gibt Krisenmanager und es gibt „normale“ Manager. Wer Krisen kompetent managt, der managt sie überall kompetent. Krise ist Krise. Egal, ob der Markt für Gummibärchen einbricht oder ob Dortmund gegen den Abstieg kämpft. Wer Krise kann, der kann. Der Jürgen kann das, das sehe ich ihm auf hundert Metern an! Außerdem hat er seine Krisenkompetenz mit Mainz ja wirklich sattsam bewiesen.

Was macht aus einem Trainer einen Spezialisten für Krise und Abstiegskampf?
An erster Stelle: organisationale Autonomie. Das Schlimmste, was einem Verantwortlichen in der Krise passieren kann, ist, dass irgendein Mächtiger oder Besserwisser ihm reinredet. Der Krisenmanager muss sein Ding durchziehen können. Noch wichtiger als das Krisentalent des Trainers sind aber die Leute im Hintergrund, in der Organisation. Der Klopp ist ja nicht der Einzige, der anpackt. Er hat seine Leute, die ihm zuarbeiten, die ihm Korrektiv und Impulsgeber sind. Einen guten Krisenretter erkennen Sie an dessen Team. Er ist immer nur so gut wie diese Leute. Aber auch hier sehe ich in Dortmund beste Krisenkompetenz; denken wir nur an andere Bundesliga-Teams – ich möchte keine Namen nennen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Riesener Jr.

17.12.2014, 15:31 Uhr

" BVB ... die Champions League gegen Bayern gewinnt."

Hübscher Traum. Träum weiter!

Herr Salvatore Bonpensiero

17.12.2014, 16:33 Uhr

Na, die Bayern haben ja auch die letzten Spiele gegen Dortmund in überragender Manier gewonnen. Wenn ich da so z.B. an den geschenkten Sieg im DFB-Pokalfinale denke... ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×