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20.05.2012

14:21 Uhr

Lahm und Schweinsteiger

Die silberne Generation

VonThorsten Giersch

Sie sind das Zentrum der goldenen Generation der Bayern – und des deutschen Fußballs: Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger. Doch sie holen einfach keine goßen Titel. Auch das Finale der Champions League ging verloren.

Die „Goldene Generation“ des FC Bayern muss weiter auf ihren ersten großen internationalen Titel warten. dapd

Die „Goldene Generation“ des FC Bayern muss weiter auf ihren ersten großen internationalen Titel warten.

MünchenPhilipp Lahm war der einzige, der stand. In dem Moment, als Didier Drogba den letzten Elfmeter zum 4:3-Sieg der Londoner verwandelt hatte und alle Bayern-Spieler im Mittelkreis zusammenklappten. Vor Lahm lag Bastian Schweinsteiger, der kurz zuvor verschossen hatte. Die beiden Leader der Bayern – und der deutschen Nationalmannschaft – bleiben weite ohne großen Titel.

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Arjen Robben ist einer der besten Fußballer der Welt, aber nach zwei vergebenen entscheidenden Elfmetern ist er nun einer der größten Deppen im Weltfußball. Doch aufgegeben hat Robben noch nie – bis zu diesem Finale.

Und so führte Lahm sein Team mit viel Größe zu den Gegner, um zu gratulieren, und auf das Podest, um die verhasste Silbermedaille in Empfang zu nehmen. Seine Klasse zeigte er hier genau wie im Spiel. Er brachte die Bayern mit seiner tollen Vorlage zum 2:1 im Halbfinal-Hinspiel gegen Real Madrid erst hierher. Und auch im Finale war Lahm ein absoluter Führungsspieler, zeigte eine Weltklasse-Leistung, gerade auch als es nach dem 1:1 so richtig eng wurde. Er übernahm den ersten Elfmeter und brachte sein Team in Führung.

Die internationalen Pressestimmen zur Bayern-Pleite

England

„Die Könige von Europa. Glorreicher Abend für die Blues in München ... und sie haben die Deutschen im Elfmeterschießen besiegt!“ (Sunday Times)

„Als Didier Drogba ganz alleine war, die riesige Tribüne mit pfeifenden Bayern-Fans vor Augen - das war sein Moment, Geschichte zu schreiben.“ (Daily Telegraph)

„Didi did it! Endlich hat ein englisches Team ein deutsches im Elfmeterschießen besiegt. Die Underdogs von Chelsea haben sensationell die Champions-League-Trophäe geholt.“ (The Sun)

„Deutsche verschießen keine Elfmeter - aber es war der Holländer Robben, der sich den Ball nahm...“ (Daily Mirror)

„Abramowitsch macht seinen großen Traum wahr - Jubel für den russischen Milliardär, dessen riesiges Investment sich unter aufregenden Umständen endlich auszahlt.“ (The Independent)

„Momente, die nie vergessen werden und immer in Ehren gehalten werden.“ (The Guardian)

Spanien

„Der Fluch des FC Bayern geht weiter. Der Meister kann daheim nicht gewinnen. Es mag sein, dass man sich nicht in das Spiel des Chelsea verlieben kann, aber der FC Bayern hat viel dazu beigetragen, dass er das Finale verloren hat. Nach den puristischen Fußball-Gesetzen ist dies eine grausame und ungerechte Niederlage.“ (Marca)

„Ein Team mit einem ranzigen Parfüm und einer 20 Jahre alten Spielart hat es so weit gebracht. Über die Liebenswürdigkeit dieses Stils kann man diskutieren. Dennoch soll man die Teams aufgrund ihrer Kapazität beurteilten, ihr Potenzial maximal auszunutzen. Dieser Stil ist nicht in Mode, ist jedoch genau so zweckmäßig wie der Minimalismus der 90er Jahre.“ (As)

„Die verzweifelten Spieler des FC Bayern sind Opfer der Laune des Fußball-Gottes geworden, der sich in München blau gekleidet hat.“ (El País)

„Die Göttin Fortuna war großzügig gegenüber der alten Truppe des Zars Abramowitsch. Chelsea hat so viele Leben wie die Katze, und Drogba hat mit 34 Jahren mehr als sieben Leben.“ (El Mundo)

Italien

„Drogba d'Europa. Seine Majestät Chelsea. Di Matteo und Drogba triumphieren. Bayern weint. Robben war wieder Schuld.“ (La Gazzetta dello Sport)

„Es ist Chelsea! Ein unglaubliches Finale. Bayern geht zu Hause k.o.. Ein Triumph für Di Matteo.“ (Corriere dello Sport)

„Chelsea-Di Matteo über alles! Drogba erledigt die Bayern.“ (Tuttosport)

„Drogba zerreißt Bayern das Herz. Die Di Matteo-Boys holen den Champions League-Titel.“ (La Repubblica)

„Ein unglaublicher Triumph von Chelsea.“ (Il Tempo)

Frankreich

„Drogba, der Krimi-König. Wenn Roman Abramowitsch den Club einmal verkaufen sollte, kommt er nicht umhin, dem ivorischen Stürmer eine Statue zu errichten.“ (Journal du Dimanche)

„Ein heldenhafter Drogba sichert Chelsea den Sieg.“ (Le Monde)

„Drogba wie ein König. Mit dem Ausgleich und dem verwandelten fünften und entscheidenden Elfmeter katapultierte er Chelsea auf Europas Gipfel.“ (L'Equipe)

Schweiz

„Drogba macht Robi zum König! Wahnsinn! Irre! Unfassbar! Drama pur. Nach einem Hitchcock-Krimi holt Roberto Di Matteo Europas Fußball-Krone. Schweinsteiger steht nach seinem Fehlschuss unter Schock.“ (Sonntags-Blick)

„Chelsea am Ziel seiner Träume - Held Drogba. Für die Bayern wird es schwer werden, diese Pleite zu verkraften... National sind die Münchner längst nur noch die Nummer zwei hinter Dortmund, und eine derartige Chance wie gestern gegen Chelsea wird nie mehr kommen.“ (Basler Zeitung)

„Drogba avanciert zum Helden. Für die Herren Drogba, Lampard und Cech war es die letzte Chance auf einen großen Titel, und was würde sich als Rührstück besser eignen als der Triumph der alten Männer beim Abschied? Und so kam es.“ (NZZ am Sonntag)

Österreich

„München in Trauer! Das steckt in den Köpfen drin, bleibt hängen. Eventuell auch bei der EURO, wo Deutschland ja auf acht Spieler der Bayern setzt? Teamchef Jogi Löw wird in nächster Zeit viel Seelenmassage bei diesen Spielern betreiben müssen.“ (Kronen Zeitung)

„Drogba beendete Bayerns Träume. Und Chelsea? Man hatte den Eindruck, dass sie nicht wissen, dass sie in einem großen Finale stehen. Nur neun Mal schossen sie aufs Bayern-Tor, nur einen Eckball holten sie heraus. Was aber für den Ausgleich reichte.“ (Kurier)

Schweden

„In den Himmel, zur Hölle und wieder zurück. Didier Drogba war im vielleicht letzten großen Spiel seiner Karriere der absolute Mittelpunkt. Nach der ersten Gefühlsexplosion sah er Arjen Robben und gab ihm eine lange Umarmung. Der Held der Siegerelf und Bayerns großer Sündenbock in einem Augenblick, der alles sagte.“ (Aftonbladet Stockholm)

„Chelsea war erst Barcelona und dann Bayern unterlegen, konnte aber beide Giganten knacken. Schweinsteiger, Kroos und Lahm tut das Aufwachen jetzt sicher weh. Aber in anderthalb Monaten sind sie mit Deutschland Fußball-Europameister.“ (Expressen Stockholm)

Dänemark

„Bayern München war trotz alledem eins der großen Erlebnisse der Champions League. Die Elf hat der Welt gezeigt, wie schnell man von Verteidigung auf Angriff umschalten kann und zwei Weltklasse-Außen die meisten Gegner auseinandernehmen. Aber gegen Chelsea hat es nicht gereicht.“ (Ekstra Bladet Kopenhagen)

USA

„Bayern beendet die Saison ohne Titel - das ist ohne jede Frage der bitterste Geschmack von allen.“ (New York Times)

„Masters in München. Chelsea treibt die Geister von Moskau endgültig aus. Die Saison hätte ein Desaster sein können - jetzt ist sie an der Grenze zu einem Wunder.“ (ESPN)

„Manchmal macht Fußball einfach keinen Sinn. Während Chelseas Champions-League-Triumph war es schwer, nicht an eine höhere Macht zu glauben.“ (SportsIllustrated)

Russland

„Ironie der Geschichte: Ausgerechnet der Ex-Chelsea-Spieler Arjen Robben erfüllt Roman Abramowitsch nach neun Jahren Warten den Traum vom Sieg in der Champions League.“ (Sowjetski Sport)

Das genaue Gegenteil davon war Bastian Schweinsteiger nach dem Abpfiff: Einfach nur versinken wollte der „Sechser“ nach dem Empfang der Silbermedaille. Selten sah meinen Fußballer so traurig. Es ging ja nicht nur dieses Traumfinale, den wichtigsten Vereinstitel im eigenen Stadion.

Willy Sagnol, der die Trophäe 2001 gewann, hatte vor dem Spiel ein bemerkenswertes Interview gegeben mit überaus deutlichen Zitaten, als er um einen Vergleich der Mannschaft damals mit der heutigen gebeten wurde: „Die Spieler haben sicher mehr Qualität, wir waren dagegen eine Mannschaft mit Charakter. Das fehlt dem Team heute.“ Und auch eine Spitze gegen Lahm und Schweinsteiger konnte er sich nicht verkneifen: „Die Leadership ist nicht optimal. Das sieht man in schwierigen Phasen. Aber ein Verein kann nicht immer einen Effenberg, einen Kahn oder einen Jeremies haben.“

Damit brachte der Franzose auf den Punkt, was auch die meisten Fans fühlten – diese brennende Frage, ob die jetzige Bayern-Ära eine der Goldenen Generation ist – oder eine der verlorenen? Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger standen beim "Finale dahoam" unter besonderem Druck. Die beiden Kapitäne von Bayern München warten in ihrer Fußball-Karriere noch auf einen großen internationalen Titel. Erst der würde das Duo auf eine Stufe mit Legenden des Rekordmeisters wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg hieven.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

20.05.2012, 18:10 Uhr

Das ist Jammern auf hohen Niveau.

Wäre Klinsmann/Löw nicht 2006 ans Ruder gekommen, wären Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Podolski, usw. niemals im Nationalkader gewesen. Weil ja viel zu jung. Die "Generation" hätten wir alle frühstens 2008 oder erst 2010 auf dem Radar gehabt. Vor der Löw-Ära jammerte Deutschland vergangene Erfolge hinterher, die WM90. Seitdem ging es nämlich rapide bergab. Außer dieser kleinen Überraschung zur EM96 und die schmeichelhafte Endspielteilnahme zur WM2002, war da kein Lebenszeichen zu sehen. Überspitzt gesagt wurden die Färor-Inseln zu ernstzunehmende Gegner... Seit 2006 landet diese "Generation" ständig unter die ersten 4 von Europa bzw. der Welt, wird als Favorit gehandelt, und niemand Sorgen dass die Nationalmannschaft in der Quali rausfliegen könnte werden als absurd betrachtet. Das einzige was bisher fehlte war Glück. Ohne Glück geht es halt auch nicht.

Und was die Champions League betrifft. Auch Kahn & Co verloren unglücklich 1999 gegen Manu. Die haben es im ersten Anlauf auch nicht gepackt.

Lahm und Schweinsteiger können sich noch viele Titelchancen erspielen, bevor sie in Rente gehen: EM12, CL13, CL14, WM14, CL15,...

Drogba, Terry, Lampard, usw. haben jahrelang probiert die CL zu gewinnen. Und als keiner mehr damit rechnete holte diese "Rentnertruppe" den Pott. Man muss nur 1x irgendetwas gewinnen, um Geschichte zu schreiben.

Lahm und Schweinsteiger brauchen nur weitermachen wie bisher. Irgendwann trifft der Fußballgott die schon mit einem Glückspfeil.



Account gelöscht!

20.05.2012, 18:58 Uhr

Wie er es gemacht hat weiß keiner, dass war Röttgens Rache an Seehofer!

danke_dir

20.05.2012, 20:03 Uhr

:-)

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