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29.04.2016

19:15 Uhr

Leicester City

Britische Wettanbieter zittern vor Sensations-Meister

VonAlexander Möthe

Vor der Saison galt es bei Buchmachern als wahrscheinlicher, dass Elvis wiederaufersteht, als das Leicester die Premier League gewinnt. Am Wochenende kann der Außenseiter Meister werden. Und Wettanbieter Millionen kosten.

Wird Leicester City Meister, freuen sich einige Wettkönige gleich mit. dpa

Unbändige Freude

Wird Leicester City Meister, freuen sich einige Wettkönige gleich mit.

DüsseldorfBritische Buchmacher sind dafür bekannt, dass bei ihnen jede noch so irrwitzige Wette abgeschlossen werden kann. Gerade im Sport sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. So wurde etwa im Jahr 2009 die Wette angeboten, dass Frank-Walter Steinmeier Bundeskanzler wird und Deutschland nachträglich den Weltmeistertitel 1966 zugesprochen bekommt. Wettquote? 5000:1. Die gleiche Quote bietet der englische Wettanbieter William Hill Plc. auch für den Fall, dass Elvis Presley 40 Jahre nach seinem Tod plötzlich lebendig auftaucht. Zugegeben: Alles sehr unwahrscheinliche, wenn auch nicht unmögliche Ereignisse.

Ungefähr das müssen sich die Buchmacher auch gedacht haben, als sie vor der Saison eine Quote von 5000:1 angeboten haben, wenn der beinahe abgestiegene Fußballklub Leicester City englischer Meister wird. Das Problem für William Hill: Mit einem Sieg am Wochenende kann der Außenseiterklub den ersten Platz in der britischen Premier League festmachen. Die „Foxes“ kämpfen um die sportliche Sensation - und den finanziellen Jackpot. Denn die milliardenschweren Einnahmen der britischen Spitzenvereine aus Fernsehgeldern katapultierten den Klub aus der Großstadt im Herzen Englands in die Sphären eines FC Bayern München.

Sensationelle Meisterschaften

1. FC Kaiserslautern

In der Saison des Bundesliga-Aufstiegs schaffte Trainer Otto Rehhagel mit dem 1. FC Kaiserslautern 1997/98 die große Überraschung: Nach einer grandiosen Spielzeit sicherten sich die Pfälzer am 33. Spieltag den Meistertitel. Schon der Saisonstart lief perfekt. Die „Roten Teufel“ gewannen am 1. Spieltag 1:0 bei Bayern München.

Nottingham Forest

20 Jahre zuvor, in der Saison 1977/78, schaffte Nottingham Forest in England ähnlich Beeindruckendes. Das Team von Coach Brian Clough verlor als Aufsteiger nur drei von 42 Partien, sicherte sich den Titel und verwies den FC Liverpool deutlich auf Platz zwei. „Wir wollen die Zuschauer unterhalten, die Stadien füllen und die Leute glücklich machen“, sagte der Trainer damals über die Ziele seiner Mannschaft.

Montpellier

Viermal in Serie hat Paris Saint-Germain zuletzt die französische Meisterschaft gewonnen. Der letzte Titelträger vor den Hauptstädtern kam 2011/12 aus Montpellier - und das völlig unerwartet. Ein Jahr zuvor nur knapp dem Abstieg entronnen, lieferte sich der Club vom Mittelmeer einen Zweikampf mit Paris. Am letzten Spieltag entschied Montpellier mit dem späteren Superstar und damaligen Torschützenkönig Olivier Giroud das Titelrennen für sich.

Atlético Madrid

Neun Spielzeiten nacheinander machten Real Madrid und der FC Barcelona die Meisterschaft in der Primera División unter sich aus. Dann kam Diego Simeone mit Atlético und verwandelte in der Saison 2013/2014 den Zwei- in einen Dreikampf. Durch ein 1:1 am letzten Spieltag im Auswärtsspiel bei Barça sicherten sich die Rojiblancos den Titel.

Bursaspor

25 Jahre lang ging der türkische Meistertitel ausnahmslos nach Istanbul. 2010 gelang Bursaspor dann die große Überraschung: Fenerbahçe patzte am letzten Spieltag, Bursaspor schlug zeitgleich Besiktas und gewann die erste Meisterschaft der Vereinshistorie. „Ganz Bursa hat Geschichte geschrieben“, sagte Trainer Ertugrul Saglam anschließend.

Ein Jackpot wäre die Meisterschaft aber vor allem für eine Reihe von wettbegeisterten Menschen aus England. 58 Wetten zur Traumquote wurden im Sommer abgeschlossen. Einer der Tipper ist namentlich bekannt: Leigh Herbert sprach vor einigen Wochen mit der BBC über seine buchstäbliche Schnapsidee, fünf Pfund auf Leicester zu setzen. Ein paar Drinks zu viel, dachte er, und etwas Geld verloren. Nun steht er kurz davor, 25.000 Pfund zu gewinnen. Mit ihm gewännen dutzende weitere Spieler, dazu noch etliche, die später in der Saison bei der Quote von 1500:1 zugeschlagen haben.

Unter den Gewinnern wird auch ein Hollywood-Star sein. Tom Hanks setzte nach eigenem Bekunden 100 Pfund auf Leicester City und wird sich über eine Auszahlung von mehr als einer halben Million freuen können. Ein Trostpflaster für den Schauspieler, dessen Lieblingsklub Aston Villa als Tabellenletzter aus der Premier League absteigt.

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Der Fußballklub Leicester City ist eine graue Maus der Premier League. Doch die Billig-Truppe wurde zum Alptraum für die reichen Vereine. Trotz einer Niederlage am Sonntag ist die Sensation noch möglich: der Titelgewinn.

Für die Wettanbieter ist Leicesters Meisterschaft ein echtes Ärgernis. William Hill, einstmals eines der ersten Unternehmen, die online Wetten annahmen, ließ diese Woche durch einen Sprecher mitteilen, dass Leicesters Titelgewinn eine Auszahlung von zwei Millionen Pfund bedeutete. „Eine Gewinnquote von 5000:1 gab es noch nie“, so der Sprecher weiter. Und die soll es auch nie wieder geben. Das Unternehmen kündigte an, für die kommende Saison die Quote bei 1000:1 zu deckeln.

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