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30.03.2006

15:34 Uhr

Liverpool will an das große Geld

Champions-League-Sieger zu verkaufen

VonDirk Heilmann

Ein weiterer englischer Traditionsclub nach Chelsea und Manchester United könnte bald ausländische Besitzer haben. Der Liverpool FC bestätigte, dass er für eine Übernahme offen ist. Der Champions-League-Sieger von 2005 will ein neues Stadion bauen und braucht dafür dringend Geldgeber.

HB LONDON. „Wir reden mit einer Reihe von Parteien über mögliche Investitionen in den Club“, teilte Liverpool mit. Das könne ein Angebot für das ganze Aktienkapital einschließen. Club-Chairman David Moores, der 51,6 Prozent der Anteile hält, sei bereit, sich von Aktien zu trennen, ergänzte Pricewaterhouse Coopers, der Finanzberater des Clubs.

Liverpool ist nach der jüngsten Geldrangliste der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte der achtreichste Fußballclub der Welt, direkt hinter Bayern München. Der Sieg in der Champions League trieb den Umsatz in der Saison 2004/05 um ein Drittel auf 121 Mill. Pfund (175 Mill. Euro). Aus einem Verlust wurde ein Gewinn von 7,5 Mill. Pfund.

Doch selbst damit ist es schwer geworden, an der Spitze des englischen Fußballs mitzuhalten. Meister Chelsea steckte dank der tiefen Taschen seines russischen Eigners Roman Abramowitsch einen Verlust von 88 Mill. Pfund weg, nachdem der Verein 175 Mill. Pfund in Top-Spieler investiert hatte. Und Manchester United, lange Zeit reichster Verein der Welt, nimmt an einem Liga-Spieltag dank der 70 000 Sitze in Old Trafford mehr als doppelt so viel ein wie Liverpool mit dem 45 000 Menschen fassenden Stadion an der Anfield Road.

Das soll sich ändern: Für 150 Mill. Pfund will der Verein eine neue Spielstätte für 60 000 Zuschauer bauen. Dafür sucht er schon seit zwei Jahren Finanziers. Doch weder der Bauunternehmer Steve Morgan noch die Medienfirma L4 kamen zum Zuge. Auch die Kraft-Familie aus den USA und der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shiniwatra sind bereits als Käufer gehandelt worden. Aktuell hat Ex-Telefónica-Chef Juan Villalonga Interesse an Liverpool erkennen lassen. Er kündigte in einem Zeitungsinterview an, den Club zur Weltmarke machen zu wollen.

Ein Risiko für den 18-maligen englischen Meister ist die Reaktion der Fans. Sie probten bei Manchester United den Aufstand, als sich der floridanische Unternehmer Malcolm Glazer im vergangenen Jahr den Club einverleibte. Der hatte mit seinem Investment bisher nicht das erhoffte Glück: Trikotsponsor Vodafone kündigte und der Club schied in der Champions League schon in der Gruppenphase aus.

Da kam Liverpool immerhin eine Runde weiter, doch gegen Benfica Lissabon war Schluss. Auch Chelsea, in der Premier League schon wieder mit zwölf Punkten Abstand vorne, schied im Achtelfinale aus.

Nun hält Arsenal, daheim nur Tabellensechster, die Fahne der reichsten Liga der Welt hoch. Das Team, das schon Real Madrid ausschaltete, beherrschte am Dienstag den Werder-Bremen-Bezwinger Juventus Turin deutlicher, als das Ergebnis von 2:0 ausdrückt. Nach dem erfolgreichen Auftritt verlängerte der Verein den Vertrag mit dem deutschen Torwart Jens Lehmann um ein weiteres Jahr.

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