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15.05.2014

10:05 Uhr

Lizenzentzug für RB Leipzig?

„Investoren machen den Fußball professioneller“

VonStefan Merx

Martin Kind, Chef des Fußballvereins Hannover 96, schlägt sich auf die Seite der roten Bullen. Lange drohte der DFL-Lizenzausschuss, dem Zweitliga-Aufsteiger die Lizenz zu verweigern – wegen seiner Nähe zu Red Bull.

Hannover 96-Präsident Martin Kind im Interview: Seiner Meinung nach braucht die Bundesliga ostdeutsche Vereine. Deshalb wäre eine Verweigerung des RB Leipzig nicht richtig. dpa

Hannover 96-Präsident Martin Kind im Interview: Seiner Meinung nach braucht die Bundesliga ostdeutsche Vereine. Deshalb wäre eine Verweigerung des RB Leipzig nicht richtig.

RB Leipzig hat nach einem langen Lizenzstreit die Spielberechtigung für die 2. Bundesliga erhalten. Martin Kind, Präsident von Hannover 96, spricht sich gegen eine Verweigerung der Lizenz aus. Die Verbandsregeln seien nicht mehr zeitgemäß, sagt Kind im Interview – und bricht eine Lanze für Investoren im Fußball. Hauptsponsor von RB Leipzig ist der Getränke- und Marketingkonzern Red Bull. Bei dem Streit zwischen der DFL und Leipzig geht es insbesondere um die sogenannte 50+1-Regel. Damit will die Liga verhindern, dass Unternehmen Fußballvereine vollständig übernehmen und wirtschaftliche Belange über sportliche gestellt werden.

Handelsblatt: Herr Kind, die Deutsche Fußball Liga (DFL) argumentiert derzeit zunehmend mit dem „Geist der 50+1-Regel“, wenn es um die strittige Leipziger Lizenz geht. Was ist dieser „Geist“?
Es sollte um Rechtsfragen gehen, nicht um einen Geist. Sachlich ist 50+1 eine verbandsrechtliche Regelung, die sich auf wirtschaftlich ausgegliederte Unternehmen im Fußball bezieht. Bei einem eingetragenen Verein wie Leipzig gilt 50+1 nicht. Man sollte da unterscheiden.

Droht mit dieser Argumentation der DFL ein Eigentor?
Das Wort Geist ist schon mutig. Der Verband hat das Problem der 50+1 Regel nicht umfassend bedacht. In Leipzig hat man sinnvolle Lösungsansätze gesehen. Das Vereinsgericht in Leipzig hat die Satzung anerkannt, das ist ein zu respektierendes Faktum. Und der Markt hat diesen Verein angenommen. Die Emotionen der Leipziger Fans sind unabhängig von der Struktur vorhanden, zuletzt hatte man über 40.000 Zuschauer pro Spiel. Auch das sollte respektiert werden. Der Verein ist für den ostdeutschen Fußball wichtig – und die Bundesliga braucht ostdeutsche Vereine.

Investoren im Fussball: Die 50+1-Regel

Regel

Die 50+1-Regel ist ein Paragraph in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Sie soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgliedern.

Hintergrund

Hintergrund dieser Regelung ist das Interesse von Großunternehmen oder Investoren am Fußball. Die Liga möchte einer Entwicklung wie in England, Spanien oder Italien vorbeugen, wo Fußballvereine zum Spielball für Investoren wurden.

Streit

Um die Regel gibt es seit Jahren Streit. Manche Investoren wollten sie kippen, doch ein Schiedsgericht bestätigte die Regel im Kern.

Ausnahme

Liga-Präsident Reinhard Rauball ist sicher: „Im deutschen Profi-Fußball werden Investoren weiterhin nur im Ausnahmefall und sehr eingeschränkt die Stimmenmehrheit bei einzelnen Clubs übernehmen können.“

Charakter

Die Bundesliga behält damit nach Einschätzung der DFL ihren unverwechselbaren Charakter und kann weiter auf die Faktoren setzen, die in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erfolg beigetragen haben: Stabilität, Kontinuität, Vorrang des Wettbewerbs und gelebte Bodenständigkeit.

Investoren

Allerdings ist künftig im Liga-Fußball mehr Platz für Investoren. Das ist ein Erfolg von Hannovers Präsident Martin Kind, der gegen die Regel vorgegangen war.

Zukunft

Nach Einschätzung von Experten erhalten Klubs fortan die Möglichkeit, eng verbundene Finanziers, Sponsoren oder Mäzenen nach 20 Jahren Engagement im Verein die Kapitalmehrheit und Stimmenmehrheit an der Fußball-Kapitalgesellschaft zu übertragen.

Hoffenheim und München

Auch hinter 1899 Hoffenheim und 1860 München stehen potente Einzelpersonen – SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp (Hoffenheim) und der jordanische Multimillionär Hasan Ismaik (München) –, die die Mehrheit des Vereins besitzen. Jedoch haben sie ihre Stimmanteile formal auf 49 Prozent beschränkt, um nicht gegen die 50+1-Regel zu verstoßen.

Lex Leverkusen

Die „Lex Leverkusen“ besagte, dass Investoren erlaubt sind, die „seit mehr als 20 Jahren vor dem 1. Januar 1999 den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert“ haben. Das war im Grunde eine Ausnahmeregelung für die Werksclubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg. In unteren Ligen machen auch als Betriebssportgemeinschaften gegründete Vereine wie der FC Carl Zeiss Jena oder Wacker Burghausen von der Regel Gebrauch. Deshalb dürfen Jena oder Leverkusen den Sponsor im Vereinslogo und -namen tragen und der VfL Wolfsburg eine hundertprozentige Tochter der Volkswagen AG sein.

Anteile an Fußballvereinen

Beim börsennotierten Erstligisten Borussia Dortmund befinden sich weniger als zehn Prozent der Aktien im Besitz des Vereins. Beim Branchenprimus FC Bayern München halten drei Firmen (Adidas, Allianz, Audi) zusammen ein Viertel der Anteile. Wobei ein Tochterunternehmen von Audi auch 20 Prozent bei Zweitligist FC Ingolstadt 04 hält. Und bei Hertha BSC stieg Anfang des Jahres der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ein.

Wäre der Lizenzierungsausschuss der DFL gut beraten, die Leipziger Spielberechtigung an den offenbar strittigen Fragen Logo, Vereinsbeiträge, Besetzung der Vereinsgremien scheitern zu lassen?
Nein, der Lizenzausschuss sollte lösungsorientiert entscheiden. Die Ablehnung der Lizenz könnte zu Rechtsstreiten und damit möglichen Schadensersatzansprüchen führen. Das Risiko hätten die Gesellschafter zu tragen. Ob die Bereitschaft besteht, kann ich abschließend nicht beurteilen.

Betroffen wären also alle 36 Vereine der ersten und zweiten Liga. Sind Sie gefragt worden? Gab es einen Austausch mit den gewählten fünf Mitgliedern des Lizenzierungsausschusses?
Nein. Ich gehe aber davon aus, dass man einen Kompromiss erarbeitet.

Kommentare (5)

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15.05.2014, 13:05 Uhr

Wir hatten auch schon den "GEIST" wer im Ausland spielt,
spielt nicht in der Nationalmannschaft, das war auch nicht sinnvoll; also den Lauf der zeit erkennen und alte
Zöpfe abschneiden, die Zuschauerzahlen in Leipzig sprechen für RedBull und gegen die DFL.

Account gelöscht!

15.05.2014, 13:44 Uhr

Kind ist bei den Fans in Hannover und auch in anderen Stadien ein rotes Tuch...zurecht! Er schränkt die Rechte und die Mitspracherechte der Fans derart ein, dass es schon nicht mehr normal ist. Klar braucht Fußball auch Geldgeber, doch die sollten in Form der Werbung kommen, die den Verein an sich nicht beeinflusst! Denn die Fans machen den Fußball erst zu dem was er ist. Ich habe einfach keine Lust darauf dass irgendwann Coca Cola gegen Samsung spielt! Da verzichte ich lieber auf die ohnehin schon wahnsinnigen Fußballergehälter und kuck mir nen Grottenkick an, habe dafür aber Stimmung in der Bude und leidenschaftliche Fans. Bei RB Leipzig zahlt man EUR 900,- (!!!!) für eine Mitgliedschaft im Jahr!!!! Wofür`??? Dafür das ich für Red BUll Werbung machen darf?? Die Identität der Vereine geht verloren! Die meisten Fußballverein wurden mit dem Ziel gegründet, sportliche Erfolge zu erzielen...nicht den Marktanteil des Sponsors zu erhöhen oder die meisten Einnahmen zu verbuchen! Es wird an der Zeit dass alle mal wieder auf den Teppich kommen, Red Bull macht tolle Events keine Frage, aber man muss dem Fußball einfach die Fankultur lassen, das was in Leipzig passiert kommt aus der Retorte und hat nichts mit Fans zu tun!

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15.05.2014, 14:10 Uhr

"die Zuschauerzahlen in Leipzig sprechen für RedBull und gegen die DFL."

Die Zuschauerzahlen sprechen für mich eher für Profifußball. RedBull allerdings spricht den Leipzigern die Kompetenz ab wenn es um Profifußball geht. International wird gerade die Rolle rückwärts versucht und wir versuchen jetzt das Gegenteil?
Ich bin ehrlich dafür über 2 Ligen nachzudenken, eine für Traditionalisten und eine für Werksvereine. Vielleicht brauchen wir auch ein Franchising. Dann wäre Leipzig als Standort wohl sicher in der ersten und zweiten Bundesliga.

Die durch Investoren geführten Vereine funktionieren nur wenn es es genug kleine zum Fressen gibt. Wie bei Manchester City, PSG, Monaco ... steigt aller Jahre mal wieder ein Potenter Geldgeber ein und entscheidet so die Meisterschaft. Der feuchte Traum eines Investors ist dann wichtiger als der Tausender Anhänger. Warum sollten wir überhaupt Abseits des Platzes aufhören, ich bin dafür wer einen Investor hat darf auch mal 12 Spieler aufstellen oder den eigenen Schiedsrichter mitbringen.

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