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08.05.2014

14:07 Uhr

Lizenztheater

Die Bullen aus Leipzig rennen ins Abseits

Der Drittliga-Aufsteiger RB Leipzig hat weiter Probleme mit der Lizenz für die zweite Bundesliga. Die DFL verlangt gravierende Änderungen beim Auftritt und in der Vereinsstruktur. Die Eigentümer der Bullen wehren sich.

Der Leipziger Trainer Alexander Zorniger jubelt mit dem Spielern nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. dpa

Der Leipziger Trainer Alexander Zorniger jubelt mit dem Spielern nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Düsseldorf/LeipzigKurz nach dem sportlichen Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga droht RB Leipzig der Lizenzentzug – und damit das Desaster. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Beschwerde der Leipziger gegen die Auflagen abgelehnt. Und das, obwohl der ambitionierte Verein vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) Mitte April die Drittliga-Lizenz ohne Probleme bekam.

Das Problem: Die DFL stelle harte Bedingungen für eine Zweitliga-Lizenz, berichtet das Fußballportal „11 Freunde“. So soll der Verein sein Logo ändern und die Mitgliedsbeiträge senken. Im Logo geht es insbesondere um den Einfluss des Sponsors, des Getränkekonzerns Red Bull aus Österreich. Dessen Erkennbarkeit soll verringert oder ganz beseitigt werden.

Zudem müsse die Besetzung des Führungsgremiums im Verein geändert werden. Die Struktur im RB Leipzig widersprechen nach Ansicht der DFL gegenwärtig dem zentralen Grundgedanken der 50+1-Regelung im deutschen Fußball, so die „11 Freunde“. Dabei geht es um die Idee, dass der Einfluss von Dritten auf sportliche Entscheidungen eines Klubs unterbunden werden soll.

Fakten zu RB Leipzig

Gründung

Der Verein wurde am 19. Mai 2009 als RasenBallsport Leipzig e.V. gegründet. Er übernahm damit das Startrecht von drei Männermannschaften des SSV Markranstädt.

Umsatz

Die Region hofft auf den großen wirtschaftlichen Schwung durch einen sächsischen Fußballverein in der Bundesliga. Für die Region Leipzig könnten durch den Aufstieg von RB in die erste Liga rund 200 Millionen Euro im Jahr in die Kassen gespült werden, schätzen Experten.

Kaderwert

Der Kader ist rasant im Wert gestiegen. Zu Zweitligazeiten betrug der Marktwert rund 30 Millionen Euro, im November 2016 sind es mehr als 80 Millionen Euro.

Quelle: transfermarkt.de

Sponsoren

Hauptsponsor ist die Getränkefirma Red Bull aus Österreich. Experten schätzen, dass der Konzern rund 100 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. Da die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes eine Namensgebung zu Werbezwecken verbietet, ist der Hauptsponsorenname als Namensbestandteil unzulässig. Auch über das Logo herrschte lange Zeit Unklarheit, jedoch wurde es nachträglich vom SFV nach minimalsten Änderungen doch zugelassen.

Stadion

Seine Heimspiele trägt RasenBallsport Leipzig in der 44.345 Zuschauer fassenden "Red Bull Arena" aus. Es war als Zentralstadion auch Austragungsort der WM 2006 und ist 2003 für 90 Millionen Euro gebaut worden. Der Vertrag über die Namensreche läuft bis 2040. Nachgedacht wird über ein größeres Stadion.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Ein Bier der Marke Ur-Krostitzer (0,5 l) kostet: 2,50 Euro
Eine Bratwurst kostet: 2,50 Euro

Vereinsführung

Das Management wird gebildet vom Sportdirektor Ralf Rangnick, dem Geschäftsführer Ulrich Wolter sowie dem Mäzen Dietrich Mateschitz.

Trainer

Ralph Hasenhüttl hat die Mannschaft zu Beginn der Saison 2016/17 übernommen. Der Österreicher war zuvor mit dem FC Ingolstadt in die Bundesliga aufgestiegen und hatte die Klasse überraschend gehalten.

Wertvollste Spieler (November 2016)

Naby Keita (11 Millionen Euro), Oliver Burke (10 Millionen Euro), Timo Werner (8 Millionen Euro).

Personalaufwand

Der Etat der Profi-Mannschaft liegt in der Saison 2016/17 bei 35 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu Spitzenteams, die dafür 100 Millionen Euro ausgeben. Beim FC Bayern sind es sogar rund 200 Millionen Euro.

Der Chef des Sponsors Red Bull, Dietrich Mateschitz, wehrt sich dagegen und sieht eine Ungleichbehandlung, die er nicht verstehen könne. „Vielleicht will man ganz einfach nicht, dass wir mit Leipzig an der Bundesliga teilnehmen. Jetzt, wo alles sportlich funktioniert, droht das Aus“, reagierte der Österreicher in der Leipziger Volkszeitung.

Nach den Angaben des Milliardärs Mateschitz verlangt die DFL schriftlich, „dass wir auf jedwedes Mitspracherecht im Verein verzichten.“ Dies lehnt der Unternehmer ab. Es käme „einem unsittlichen Antrag nahe. Ich glaube nicht, dass wir auf diese Art und Weise mit Sebastian Vettel viermal F1-Weltmeister geworden wären“, betonte Mateschitz.

Die DFL erklärte am Donnerstag über einen Sprecher nur: „Von uns aus wird erst wieder etwas am 28. Mai kommuniziert, wenn der Lizenzierungsausschuss abschließend tagt.“ In dem Streit, der zunehmend stärker öffentlich ausgetragen wird, geht es mehr als um Mitgliedsbeiträge oder das Design eines Logos.

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