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06.07.2015

14:27 Uhr

Löw verteidigt Neid

Fronten zwischen DFB und Liga verhärtet

Die Fronten zwischen dem DFB und der Bundesliga sind nach dem unbefriedigenden WM-Abschneiden der Fußball-Frauen und der gegenseitigen Kritik verhärtet. Nun müssen alle Beteiligten schnell an einen Tisch finden.

Silvia Neid (rechts) mit ihren Spielerinnen: Die Frauen-Nationalmannschaft sorgt für einen handfesten Streit zwischen der Liga und dem DFB. dpa

In der Kritik

Silvia Neid (rechts) mit ihren Spielerinnen: Die Frauen-Nationalmannschaft sorgt für einen handfesten Streit zwischen der Liga und dem DFB.

FrankfurtJetzt hat sich sogar Weltmeister-Trainer Joachim Löw in die öffentlich entbrannte Debatte um das unbefriedigende WM-Abschneiden der deutschen Fußball-Frauen eingeschaltet. Schon vor der Ankunft des DFB-Teams in der Heimat am frühen Montagnachmittag sprang der Bundestrainer seiner in die Kritik geratenen Kollegin Silvia Neid bei.

„Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen gesagt wurde, ist einfach mieser Stil - vor allem die Art und Weise. Kritik unter Kollegen sollte man direkt mit den beteiligten Trainern besprechen. So haben wir es beim DFB immer gehalten“, polterte Löw in der „Bild“-Zeitung (Montag).

Neid hatte dies ähnlich empfunden und nach der ernüchternden 0:1-Niederlage gegen England im Spiel um Platz drei zurückgekeilt. Ihren Vorwurf, die Spielerinnen seien „in einem katastrophalen Zustand“ zur WM gekommen, ließen die Bundesligavertreter nicht auf sich sitzen.

„Der angebliche katastrophale körperliche Zustand trifft auf meine drei Spielerinnen nicht zu“, widersprach Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder der Bundestrainerin. Er warf Neid mangelnde Kritikfähigkeit vor. „Der unter Druck geratene Hund sitzt in der Ecke und fängt an zu bellen. Ich kann doch nicht einfach pauschal zurückschlagen“, meinte der 72-Jährige: „Jeder muss auch mal den Wert einer Kritik beachten.“

Auch Siegfried Dietrich, Manager des Champions-League-Siegers 1. FFC Frankfurt, reagierte verwundert. „Es ist ein bisschen irritierend, dass Silvia Neid den katastrophalen Zustand der Spielerinnen erst nach den zwei Niederlagen erwähnt hat.

Zumal sie das Team zuvor nach den Spielen gegen Norwegen und Schweden noch für ihre gute Verfassung und Leistung gelobt hatte“, sagte Dietrich der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind pauschale und zu undifferenzierte Vorwürfe, die man so aus Vereinssicht nicht stehen lassen kann, zumal die Saisonbelastungen ja nicht für alle Spielerinnen gleich waren.“

Es gibt also erhöhten Redebedarf. Denn Bundesligatrainer wie Frankfurts Colin Bell, Wolfsburgs Ralf Kellermann und Schröder hatten bei der WM einige Defizite im deutschen Spiel ausgemacht.

Einmaleins der Fußballtaktik

Grundordnung

Viele Mannschaften spielen mit vier Verteidigern, zwei Spielern vor der Verteidigern, drei Mittelfeldspielern und einem Stürmer, kurz: 4-2-3-1. Dies ist die sogenannte Grundordnung einer Mannschaft. Durch das Verhalten auf dem Platz wird sie zum System. Das heißt: Was passiert im Spiel gegen den Ball und bei Ballbesitz?

Quelle: Fußballtraining, November 2013

Gegen den Ball spielen

Häufig spielen Teams im 4-2-3-1 in der Verteidigung ein 4-4-2-System gegen den Ball. Im Wechsel schieben Mittelfeldspieler und Stürmer vor und zurück.

In Ballbesitz

Die Grundordnung ändert sich deutlich, wenn die Mannschaft in Ballbesitz ist. Aus dem 4-2-3-1 wird dann oft ein 2-3-2-3. Die Außenverteidiger rücken vor, zwei Mittelfeldspieler ebenfalls. Einer der defensiven Mittelfeldspieler sichert ab, der andere schaltet sich in die Offensive ein.

FC Bayern – gegen den Ball

Unter Pep Guardiola spielt der FC Bayern gegen den Ball ein 4-3-3. Die Mannschaft erobert den Ball auch oft im Gegenpressing aus einer 3-3-4-Formation heraus.

FC Bayern – in Ballbesitz

In Ballbesitz rücken die beiden Außenverteidiger ins Zentrum vor, je nach Situation. Ein Sechser agiert defensiv zentral und öffnet so Räume.

Viererkette

Noch heute spielen viele Mannschaften mit einem Spieler hinter der Abwehr, dem Libero. Im modernen Fußball wird der letzte Mann in eine Kette von vier Spielern integriert, die auf einer Linie agieren und bevorzugt den Raum decken. Diese Viererkette besteht aus je zwei Außen- und Innenverteidigern.

Der Sechser

Dieser zentrale Mittelfeldspieler hat drei Hauptaufgaben. Er sichert seine ballführenden Mitspieler ab, er verlagert das Spiel, und er kann den Innenverteidigern in der Spieleröffnung helfen. Er sollte also ein technisch und läuferisch starker Spieler sein.

Der Neuner

Der zentrale Stürmer lässt sich im modernen Fußball immer wieder ins Mittelfeld fallen. Er entzieht sich also dem ständigen Zugriff der Innenverteidiger. Der Ungar Nándor Hidegkuti galt in den fünfziger Jahren als die erste Neuneinhalb, Johan Cruyff in den siebziger Jahren ebenso. Bei der variablen Neun wird die Position frei gelassen und immer wieder von unterschiedlichen Spielern besetzt.

„Alle müssen so sachlich wie möglich bleiben und die sportlich Verantwortlichen sollten sich so schnell wie möglich an einem Tisch zusammensetzen“, forderte Dietrich.

Aus seiner Sicht seien die Clubs und der DFB gleichermaßen daran interessiert, „perspektivisch eine gemeinsame Orientierung zu haben, um auf Vereins- und Nationalmannschaftsebene zur Weltspitze zu zählen.“

Dafür müsse man die Qualitäten zusammenzuführen. Sorgen um die Zukunft des deutschen Frauen-Fußballs macht er sich nicht: „Ich bin sicher, dass die hochgeschlagenen Wellen wieder abebben und eine konstruktive Zusammenarbeit stattfindet.“

Von

dpa

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