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08.07.2017

14:49 Uhr

Lukas Podolski im Interview

„In China hätte ich das Dreifache bekommen“

VonMartin Kölling

Poldi-Mania in Japan: Die Ankunft Lukas Podolskis in Kobe ist ein umjubelter Auftritt geworden. Wie sieht der „kölsche Jung“ den Wechsel zum Rakuten-Klub Vissel Kobe? Podolski über Japan, China und das liebe Geld.

„Ich denke, dass es eine tolle Lebenserfahrung ist.“ Reuters

Lukas Podolski mit dem Trikot seines neuen Klubs Vissel Kobe

„Ich denke, dass es eine tolle Lebenserfahrung ist.“

KobeIn einem Fußballerleben gibt es Paarungen, die ganz einfach passen. Und wenn es nach Hiroshi Mikitani, dem Chef von Japans Onlinehandelsriesen Rakuten, geht, sind der japanische Erstligaclub Vissel Kobe und der 130-fache deutsche Nationalspieler Lukas Podolski so ein Paar. „Wir haben viele Spieler geprüft“, erzählt Mikitani, dem der Fußballclub gehört, dem Handelsblatt, nachdem er Podolski in Kobe vorgestellt hat. Doch Podolski hat ihn offenbar am meisten überzeugt.

Ein Grund ist die Kultur. „Japan und Deutschland haben Ähnlichkeiten“, meint Mikitani. Beides seien teamorientierte Gesellschaften. „Das ist ein riesiger kultureller Fit“, glaubt der Milliardär. Ein anderer ist die Person. „Podolski ist nicht nur ein super Stürmer, sondern sehr beliebt bei seinen Teamkameraden und den Fans“, so Mikitani. Außerdem habe er herausgefunden, dass Podolski nach einer Herausforderung suche. „Er wollte mehr als Geld.“

Kurz, Podolski ist ein Typ nach Mikitanis Geschmack. Denn der Japaner ist nicht nur Unternehmer, sondern er will Japan erneuern. Um sein Land zu globalisieren, hat er die japanische Vereinigung für New Economy und den New Economy Summit gegründet, der einmal im Jahr die Größen der globalen Internetwelt nach Japan bringt. Für Podolski hegt er ähnliche Pläne.

Der Spieler solle nicht nur Tore schießen, um den Vissel Kobe möglichst rasch vom derzeit ein elften Platz der Liga unter die ersten Drei und damit in die asiatische Champions-League zu bringen. „Er nimmt daran Teil, eine große Sportorganisation aufzubauen“, erklärt Mikitani.

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Japans Internetmilliardär Hiroshi Mikitani krempelt sein Rakuten-Imperium um. Der Amazon-Rivale wirbt auf den Trikots des FC Barcelona. Und auch Lukas Podolski soll bei der internationalen Expansion der Marke helfen.

Der Chef hofft, dass das Beispiel des Deutschen Schule macht und mehr große Stars den Weg nach Japan finden. So will er die J-League zuerst zur attraktivsten Liga Asiens und in der Zukunft irgendwann wettbewerbsfähig mit europäischen Ligen machen. „Ich denke, dass Lukas die Grundlage für den Klub und auch für die J-League schaffen kann“, sagt Mikitani. Und was denkt Lukas Podolski darüber? Im Handelsblatt-Interview gibt er Antworten.

Herr Podolski, herzlichen Willkommen in Japan.
Danke, guten Tag.

Hatten Sie auch andere Angebote?
Ich hatte auch Angebote aus China.

Nach welchen Kriterien haben sie sich dann für Japan entschieden?
Man entwickelt bei Verhandlungen ja ein Gefühl. Und so wie die Verhandlungen mit den Chinesen gelaufen sind, würden mich und meine Familie keine zehn Pferde dahin bringen. Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun oder normalen Menschenverstand. Das ist wie Tierhandel. Man fühlt sich wie Handelsware. Und wir hatten ja den Vergleich zu Japan.

Was haben die Japaner anders gemacht?
Die waren seit November dran, haben sich sehr bemüht. Das war alles sehr professionell wie ich das aus Asien, Mailand, Galatasaray oder Deutschland kenne. Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Darum war es interessanter als China.

Was hat Rakuten-Chef Hiroshi Mikitani Ihnen denn angeboten? Es ging ja sicherlich nicht nur ums Geld.
In China hätte ich sicherlich das Dreifache bekommen. Wenn die Anfrage kommt, denkt man - Japan, China, was will man denn da. Es ist am Ende der Welt. Aber umso ich mich damit beschäftigt, gegoogelt und Leute gefragt habe, umso interessanter wurde es.

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Mikitani hat mir im Interview gesagt, dass er neben dem Fußballspielen auch andere Pläne mit Ihnen hat. Dass er mit Ihnen den Grundstein für die Entwicklung von Kobe und des japanischen Fußballs legen will. Sie sprachen in der Pressekonferenz von Ihrer Liebe zur Jugendarbeit. Glauben Sie, dass etwas ist, in dem Sie sich hier stärker engagieren werden?

Das habe ich in den Gesprächen aus so gefühlt. Und ich habe gesagt, ok, ich bringe meine Erfahrung auf dem Platz rein. Aber mir sind auch Dinge außerhalb des Platzes wichtig, wo ich helfen kann. Und der eine Punkt ist die Jugendarbeit. Ich denke, dass man sich damit intensiv auseinandersetzen kann, in welcher Rolle auch immer. Das muss man sehen, auch wie es zeitlich passt. Klar ist man auch ein bisschen Botschafter, vom Verein und auch als Deutscher, der in Japan lebt. Man hat ja auch eine gewisse Verantwortung.

Gibt es auch noch andere Bereiche, in denen Sie sich vorstellen können, zu helfen?
Das muss man in den Gesprächen mit dem Verein herausfinden. Es ergeben sich ja manchmal Ideen wie Fußballcamps oder eine Marketingidee. Ich mache auch gerne Dinge außerhalb des Fußballs. Dass man auch was fürs Leben mitnehmen kann, und nicht nur die Scheuklappe auf Köln hat. Man kann dann etwas Abstand zu Köln gewinnen und kommt dann mit einer größeren Liebe als sie jetzt schon ist zurück.

Glauben Sie, dass der japanische Stil, das schnelle Passspiel, Ihnen entgegenkommen wird?
Das weiß man nicht. Das muss man rausfinden. Ich kenne die Mannschaft ja jetzt noch nicht richtig. Ich habe die Spiele zwar ab und zu mal gesehen. Aber das ergibt sich alles erst im Training. Im Sport ist es im Vorfeld immer schwer zu planen und zu sagen, dass die Liga zu mir passt oder nicht. Das muss man erarbeiten. Schauen wir mal, was daraus wird.

Was ist der erste Eindruck von Ihren Fans hier?
Sie sind super, freundlich, alles ist gut organisiert. Alles bodenständig. Es gab kein Rumgeschrei. Alle waren wohl geordnet. Alle standen in Reihen. Und wenn der Ordner etwas sagte, sagten alle ok. Das ist was Neues, wenn man aus Istanbul kommt.

Sie haben ja die Ordnung ein bisschen gestört als sie die Barrieren beiseite räumten.
Ja, sie hatten gesagt, dass wir näher an die Fans sollten. Aber ich sagte, die stehen ja hinter den Gittern. Macht die auf, dann kommen sie schon rein.

Ihre Ziele haben Sie ja schon in der Pressekonferenz dargestellt. Rakuten-Chef Mikitani und Sie wollen mit Vissel Kobe zumindest in die asiatische Champions-League. Wie lange wird das dauern? Derzeit spielt der Klub ja im Mittelfeld.
Das weiß man nicht im Fußball. Schauen Sie doch mal in die Bundesliga, wer da alles unter den ersten sieben, acht steht. Das sind Vereine, bei denen man vor der Saison auch nicht sagen konnte, dass sie das schaffen. Hertha ist oben, der 1. FC Köln ist oben, Freiburg ist oben.

Und Vissel Kobe?
Das kurzfristige Ziel vom Chef sind die ersten drei. Wenn man das schafft, will man natürlich mehr. Aber Kobe ist ja noch kein Top-Team. Man wurde zwar letztes Jahr in der Rückrundentabelle zweiter. Aber man braucht ein paar Jahre, bis man sich entwickelt.

Sie sagten in der Pressekonferenz, dass Sie für zweieinhalb Jahre hier sein würden. Können Sie sich vorstellen, zu verlängern?
Das ist gut möglich. Aber es muss ja für beide Seiten passen. Vielleicht sagt Mikitani nach eineinhalb Jahren, dass er super findet, was ich auf und neben dem Platz mache. Oder vielleicht sage ich, hörmal, die zweieinhalb Jahre sind genug für meine Familie, ich will wieder zurück nach Köln. Das ist schwierig zu sagen, was in zweieinhalb Jahren sein wird.

Japan kann faszinieren.
Ich denke, dass es eine tolle Lebenserfahrung ist. Viele Fußballer haben nicht das Privileg, sich Japan anzuschauen oder andere Länder, in denen ich gespielt habe. Ich sehe das als absoluten Highlight, so etwas erleben zu dürfen. Auch haben mir Leute, die ich Köln kenne und hier gelebt haben, gratuliert: Herr Podolski, das wird Ihnen super gefallen in Japan.

Sie haben sich ja schon die Herzen der Japaner erobert, indem sie beim Empfang die Babys geknuddelt haben.
Man macht das ja nicht bewusst. Ich bin einer, der Kinder mag. Ich habe selber zwei Kinder. Und ich habe eine Stiftung, die viel für Kinder macht.

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Sind Sie schon darauf vorbereitet, dass Sie hier vielleicht wirklich zu einer Comic-Figur werden, zu einem Maskottchen, das vergöttert wird?
Ja, das kann sein. Das kenne ich von meinen Reisen nach Asien. Die ganzen Teenies vor den Hotels mit irgendwelchen Bannern, Figuren und Kuscheltieren. Und Schokoladen, Pralinen. Ich kriege ja auch viel aus Asien nach Deutschland geschickt. Ich bin schon vorbereitet. Ich schließe ja nichts aus, bin für alles offen.

Wie lange glauben Sie, noch auf diesem Niveau spielen zu können? Bis 38 wie Claudio Pizarro?
Auf jeden Fall, ja. Auf ein paar Positionen wie Stürmer oder Torwart. Pizarro ist ja auch ein Knipser, hat immer einen guten Riecher vor dem Tor. So einen kannst du immer gebrauchen. Torhüter sowieso. Mal schauen, wie es bei mit ist.

Dann haben Sie ja vielleicht noch eine lange Karriere in Japan vor sich.
Wie gesagt, man weiß ja nie, was kommt. Kann ja auch sein, dass ich nach zweieinhalb Jahren sage, boa, jetzt ist es vorbei, jetzt habe ich keine Motivation mehr. Oder man will wieder an einem Ort sein, wo man seinen Lebensmittelpunkt hat.

Herr Podolski, vielen Dank für dieses Gespräch.

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