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06.07.2017

11:27 Uhr

Lukas Podolski in Japan

„Wir wollen Poldis linken Hammer sehen“

VonMartin Kölling

Von Galatasaray nach Vissel Kobe: Weltmeister Lukas Podolski soll den mittelmäßigen Verein an die Spitze der japanischen Liga schießen. Ob das klappt? Egal, die Fans hat er schon auf seiner Seite, vor allem die Frauen.

KobeLukas Podolski beginnt den lukrativsten Teil seiner Laufbahn mit einem kühlen Empfang. Das Propeller-Flugzeug, das ihn zu seinem neuen Fußballklub in der japanischen Hafenstadt Kobe fliegt, fährt unter einem großen Wasserbogen durch, den zwei Feuerwehren in den Himmel spritzen. Doch kaum öffnet sich die Tür des kleinen Fliegers, schlägt ihm die heiße Liebe von hunderten Fans entgegen.

Weltmeister für Vissel Kobe

Poldi macht die Japaner verrückt

Weltmeister für Vissel Kobe: Poldi macht die Japaner verrückt

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Seit Stunden haben sie in der schwülen Sommerhitze auf ihren neuen Helden gewartet: „Poldi, Poldi!“, rufen die Fans von Vissel Kobe, einem Fußballverein, der derzeit im Mittelfeld der japanischen Liga kickt. Und Podolski nimmt sich Zeit für sie - eine Baseballmütze auf dem Kopf, die vorne von seinem Spitznamen auf japanisch geziert wird und hinten von einer japanischen Flagge.

Langsam schreitet er das Fan-Spalier ab, gibt Autogramme, macht Selfies mit Fans rechts und links. Die Herzen der neuen Anhänger hat er erobert, als er kleine Kinder auf den Arm nimmt und knuddelt. „Ach, ist der süß“, sagt eine Frau. Auch Poldi scheint eingenommen zu sein von der freundlichen Begrüßung und wird gleich mutig.

Poldi auf japanisch: So funktionieren Anreden

Nachname vor Vorname

In Japan wird der Nachname grundsätzlich vor dem Vornamen genannt, aus Lukas Podolski würde also Podolski Lukas. Personen mit dem Vornamen anzusprechen, ist dabei nur unter Familienmitgliedern und sehr engen Freunden üblich und gilt andernfalls – auch mit Namenszusatz – als grob unhöflich.

Nachsilben

In Japan wird gesellschaftliche Stellung, Grad der Vertrautheit und persönliche Beziehung durch an den Namen angehängte Suffixe ausgedrückt. So würde Lukas Podolski in Japan von Fans wohl „Poldi-kun“ gerufen – was in diesem Kontext die selbe Funktion erfüllt, wie ihn im Deutschen „Poldi“ zu nennen, nämlich Zuneigung auszudrücken.

Alltag

Im Alltag würde man ihn allerdings mit „Podolski-san“ ansprechen, was schlicht einem „Herr Podolski“ entspricht. Einige Suffixe im Überblick.

-sama

Das Suffix, das größtmögliche Höflichkeit ausdrückt und am ehesten mit „verehrte/r“ übersetzt werden kann. Benutzt wird es beispielsweise gegenüber höher stehenden Persönlichkeiten und Autoritätspersonen, aber auch von Angestellten und Ladeninhabern gegenüber Kunden.

-san

Das „Alltags-Suffix“ das in der normalen Anrede unter Erwachsenen verwendet wird und in etwa dem normalen Siezen im Deutschen entspricht. Unter Freunden kann ein -san auch an den Vornamen angehängt werden.

-kun

Das Suffix „-kun“ stellt die normale Anrede von Jugendlichen untereinander dar, auch Lehrer reden ihre Schüler mit „-kun“ an. Und natürlich Fußballfans beliebte Spieler ihres Teams.

-chan

Verniedlichungsform, eigentlich nur gegenüber kleinen Kindern benutzt. Allerdings gibt es Ausnahmen: -chan nennen sich auch eng befreundete Mädchen und Frauen untereinander, als Suffix wird es auch für niedliche Tiere gebraucht.

Weitere Anreden (1)

Im japanischen gibt es noch mehrere weitere Namenszusätze, beispielsweise für verschiedene Positionen in einer Firma, Geschwister oder die Eltern. Der akademische Doktortitel etwa wird in Japan durch ein an den Namen angehängtes -hakase kenntlich.

Weitere Anreden (2)

Auch im Deutschen relativ bekannt ist das -sensei, das sowohl als Suffix als auch als eigenständige Anrede benutzt werden kann und soviel wie „Meister“ bedeutet. In Deutschland eigentlich nur für Kampfsportlehrer verwendet, findet es im japanischen auch Anwendung bei Ärzten oder Künstlern, grundsätzlich also Leuten, die bestimmte Fertigkeiten haben.

Er bricht er mit dem Protokoll, weil er kurzerhand die Metallgitter abräumt, um näher an den Fans zu sein. Das sorgt für Hektik bei den Ordnern. Nein, nein, das geht nicht, rufen die verzweifelt. Doch da ist es schon geschehen. Die Fans scharen sich hinter Podolski, der in Siegerpose mit Daumen nach oben für die japanischen Reporter posiert.

Japanischer Milliardär Hiroshi Mikitani: Mann mit Mission – und Poldi-Faible

Japanischer Milliardär Hiroshi Mikitani

Premium Mann mit Mission – und Poldi-Faible

Ein japanischer Provinzverein will Lukas Podolski verpflichten. Geld dürfte kein Problem sein, denn dahinter steckt der Milliardär Hiroshi Mikitani. Er ist so etwas wie die japanische Antithese von Amazon-Chef Bezos.

Welcome Poldi! Willkommen in Japan, wo auch beim Jubeln wert auf Ordnung gelegt wird. „Ein guter Empfang“, sagt der 32-jährige zufrieden zu den Reportern auf dem Rollfeld. Zweieinhalb Jahre soll er hier laut Vertrag in der japanischen Millionenstadt Kobe verbringen. Und dies bei einem Verein, den bisher im Ausland kaum jemand kennt.

Vissel Kobe war lange ein Fahrstuhlmannschaft der Liga und liegt in der ersten Hälfte der laufenden Spielzeit auf dem elften Platz (in Japan entspricht die Saison dem Kalenderjahr). Dafür ist der Eigener umso berühmter. Der japanische Milliardär Hiroshi „Mickey“ Mikitani ist mit seinem Online-Händler Rakuten in Japan größer als Amazon. Und er hegt für seine Firma und den Klub große Pläne.

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