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10.01.2017

16:00 Uhr

Mammut-WM im Fußball

Gefährlich ist nur die Gier der Fifa

VonThomas Schmitt

Je größer, desto lukrativer: Die Fußball-WM muss wachsen, damit die Macher mehr Geld einnehmen. Das ist gut für die Wirtschaft, die mehr werben will. Ein Kommentar zum Milliardengeschäft Weltmeisterschaft.

FIFA stockt WM auf 48 Teams auf

Fußball-Weltmeisterschaft im XXL-Format

FIFA stockt WM auf 48 Teams auf: Fußball-Weltmeisterschaft im XXL-Format

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DüsseldorfIhre wahren Absichten verstecken die Funktionäre des Weltfußballverbandes Fifa sehr gerne. Öffentlich spielen sie sich lieber als Wohltäter auf, die allen Beteiligten im Fußball nur Gutes tun. Vor allem den Fans, die ab 2016 noch mehr Spiele bei einer WM sehen dürfen: Statt 64 dann insgesamt 80 Paarungen.

Hinter der Ausweitung der wichtigsten Fußballveranstaltung der Welt stecken handfeste finanzielle Interessen, über die im Weltfußballverband nicht so gern geredet, aber gelegentlich geschrieben wird. So sickerte durch, dass 16 Spiele mehr insgesamt eine Milliarde Dollar zusätzliche Einnahmen bedeuten.

Warum der Fußball eine Mammut-WM will

Welche Konflikte gibt es?

Der Plan von Weltverbandschef Gianni Infantino ist beschlossen: Die Mammut-WM ab 2026 mit 48 Mannschaften kommt. Doch die Interessenkonflikte zwischen den kontinentalen Verbänden sind groß.

Wieso soll es mehr WM-Teilnehmer geben?

Die Idee mit einer 40er-WM stammt vom einstigen UEFA-Präsidenten Michel Platini. Sein Funktionärs-Ziehsohn Gianni Infantino punktete damit erfolgreich in seinem Wahlkampf für den Posten als Fifa-Chef gerade in Afrika und Asien.

Welche Vorschläge gab es?

Vier Varianten lagen auf dem Tisch, zwei für eine WM mit 40, zwei mit 48 Teams. Die Gesamtzahl der WM-Spiele steigt von 64 auf 80 Partien.

Was spricht gegen eine größere WM?

Die WM wird komplizierter und sportlich ungerechter. Fundamentalkritik kommt aus dem europäischen Profifußball. Die reichen Europäer sehen eine Überbelastung der von ihnen teuer bezahlten Superstars. Die europäischen Ligen stellen die mit Abstand meisten WM-Spieler.

Warum war Joachim Löw gegen eine Erweiterung?

Der Bundestrainer, der den höchsten sportlichen Wettkampf propagiert, fürchtet eine „Verwässerung“ der Fußball-Qualität. Die nervte Löw schon bei der 24er-EM vergangenen Sommer.

Wer hat über die Erweiterung entschieden?

Das Fifa-Council mit seinen derzeit 33 Mitgliedern aus allen sechs Konföderationen kann das WM-Format bestimmen. Der deutsche Fußball saß nicht mit am Tisch. Der Platz von Wolfgang Niersbach ist noch nicht besetzt.

Das ist eine Schätzung, und eine vorsichtige überdies. Denn rechnet man dies mal pro Spiel um, dann ergibt sich: Eine zusätzliche Paarung ist ungefähr 60 Millionen Dollar wert. Bei der WM 2018 in Russland kalkuliert die Fifa dagegen bereits mit einem Umsatzwert pro Spiel von mehr als 80 Millionen Dollar.

Die Erfahrung im Weltfußball lehrt: Am Ende springt oft mehr heraus als die Funktionäre erwartet haben. Denn unverändert ist das Spiel fast überall extrem beliebt. Das Fußballgeschäft ist durch Werbung und Medien ein Wachstumsmarkt, der deutlich zweistellig pro Jahr wächst. Davon profitiert nicht zuletzt die Fifa.

Mehr WM-Teilnehmer erhöhen sogar die Attraktivität der Veranstaltung in der Wirtschaft. Denn die Unternehmen profitieren ja von den Emotionen der Fans und dringen über den Fußball leichter in die Köpfe der Menschen. Wenn ein Fußballanhänger erst einmal positiv eingestellt ist, können die Sponsoren auch schneller mit ihm ins Geschäft kommen.

Kaum jemand in der Wirtschaft wird daher etwas gegen die Erweiterung der Fußball-WM zu einer Mammutveranstaltung haben. Im Gegenteil! Die Funktionäre der Fifa, die dies beschlossen haben, bekommen doppelten Rückenwind: von den vielen kleinen Verbänden, die nun größere Chancen auf eine Teilnahme haben; und von den Sponsoren, die gezielter werben können.

Kommentare (1)

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11.01.2017, 16:33 Uhr

Herr Mark Hoffmann11.01.2017, 15:09 Uhr
Es langt schon, wenn wir mit der Grün-Sozialistischen Merkel wieder in einen grün-linken"Nazi-Deutschland" wieder angekommen sind.

Herr Peter Spiegel11.01.2017, 16:13 Uhr
Obama hat in Nazi-Deutschland Asyl beantragt. Kim Jong-un hat es genehmigt.

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