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05.02.2015

14:40 Uhr

Manager-Trainer über Klopp

„Ein Plan scheint zu fehlen“

VonStefan Wachtel, Klaus Schuster

Für den Management-Coach Stefan Wachtel ist Jürgen Klopps größtes Problem: Er selbst. Authentisch zu sein, nutze dem BVB-Coach nichts. Krisen-Spezialist Klaus Schuster ist da völlig anderer Meinung – immer noch.

Stefan Wachtel von Expert-Executive bereitet Spitzenpersonen auf Auftritte vor und ist Autor des Buches. „Sei nicht authentisch!“ Etienne Fuchs

Stefan Wachtel

Stefan Wachtel von Expert-Executive bereitet Spitzenpersonen auf Auftritte vor und ist Autor des Buches. „Sei nicht authentisch!“

DortmundStefan Wachtel von Expert-Executive bereitet Spitzenpersonen auf Auftritte vor und ist Autor des Buches „Sei nicht authentisch!“. Für Handelsblatt Online beurteilte er das Verhalten von BVB-Trainer Jürgen Klopp und die Krise des Fußballklubs. Auch Klaus Schuster äußerte sich zu Klopp. Der Manager, Managementberater, Executive Coach, Führungstrainer und Buchautor bleibt allerdings bei seiner Einschätzung, die er schon im Dezember zu Klopp gegeben hat: Der BVB-Coach solle durchhalten.

Stefan Wachtel: „Die Situation ist für den Verein gefährlich“

„Auftritt: Jürgen Klopp. Vorletzter Akt. Der authentische Klopp passt wenn der Film heißt: „Wir gewinnen!“ Wenn der Film heißt: „Wir verlieren, wir haben Krise!“, dann genügt es nicht mehr, aus dem Bauch zu kommen, dann genügt das Authentische nicht. Es fehlt das Professionelle, es scheint ein Plan zu fehlen.

Ein Plan, das hieße jetzt Erstens: Sportlich die Ängste nehmen, Spieler professionell aufbauen. Daran scheint man nicht gedacht zu haben. Klopp ahnt zwar, was man haben müsste: „Wir müssen den Jungs den Glauben zurück geben.“ Aber dazu braucht es Profis, nicht nur den authentischen Klopp.

Zweitens: Immer wieder zu sagen, dass man die Fans versteht, das ist richtig, das würde ich ihm als sein Berater, der ich nicht bin, auch raten. Aber das genügt nicht, es muss ein Kommunikationskonzept geben, das sich eben nicht nur auf den authentischen Klopp verlässt. Die jetzige Situation ist für den Verein gefährlich, denn der so authentische Klopp hat ja auch Angst um sich selbst – und läuft deshalb Gefahr, falsch zu kommunizieren.

Die Frage darf nicht sein: Was fällt Klopp jetzt ein zu sagen. Sondern: Was wollen wir als Verein sagen mit Klopp als einer der Hauptdarsteller! Klopp, so authentisch wie er ist, könnte zur „Unguided Missile“ werden, zum Risiko.

Vieles geschieht unüberlegt, etwa wenn Klopp sagt, wenn er nicht das Spiel gewinnt: „Dann habe ich als Trainer versagt“. Das erinnert an den vorletzten CEO der Dresdner Bank, Bernd Fahrholz, der sagte, er würde seinen „Kopf auf den Richtklotz“ legen, wenn er dieses oder jenes Ziel nicht schaffe. Bei der Bank kam es dann so.“

Das BVB-Elend in 15 Sekunden

Niederlage

Borussia Dortmund hat 0:1 gegen Augsburg verloren. Die nächste BVB-Krise ist da, weil der Klub nicht aus dem Tabellenkeller kommt. So entstand das Tor – in einer Anhäufung von Fehlern.

Minute 48:50

Ein hoher Querschläger der Augsburger Abwehr landet bei Großkreutz auf der rechten Seite in der eigenen Hälfte, nahe am Mittelkreis. Großkreutz nimmt den Ball unbedrängt aus der Luft in der eigenen Hälfte an, doch er kontrolliert den Ball nicht, sondern legt sich den Ball relativ weit vor - in einer Bewegung nach vorne.

Minute 48:51

Großkreutz wird kurz vor der Mittellinie von Altintop attackiert und verliert den Ball noch in der eigenen Hälfte, obwohl er vorher unbedrängt war und Zeit hatte, den Ball entweder ordentlich abzuspielen, nach vorne zu schlagen (so wie die Augsburger zuvor) oder ins Aus zu spielen.

Minute 48:52

Der Ballverlust trifft den BVB in der Vorwärtsbewegung. Fatal. Um den Mittelkreis herum hat Augsburg ein Übergewicht und der Ballführende drei Abspielmöglichkeiten auf frei stehende Spieler.

Minute 48:53

Großkreutz setzt nach, wird aber ausgetanzt, und an der Mittellinie hat der ballführende Augsburger nun sogar fünf Abspielmöglichkeiten.

Minute 48:54

Der Augsburger läuft ein paar Schritte und hat noch immer fünf Abspielmöglichkeiten, vier davon an vor ihm stehende Spieler in der BVB-Hälfte.

Minute 48:57

Die Augsburger lassen den Ball laufen, und dann stößt Altintop in Richtung Strafraum vor, drei Augsburger sind mit dabei, aber auch sechs BVB-Verteidiger sind um Altintop herum.

Minute 49:00

Altintop überläuft die BVB-Verteidigung, dringt in den Strafraum ein - vier Verteidiger sind ausgeschaltet: Großkreutz ist weit weg, Hummels liegt am Boden, Gündogan schaut zu, Sokratis läuft hinterher. Sahin will eingreifen, Schmelzer will retten: Schmelzer rückt zwar richtig auf den freistehenden Augsburger Ji auf und macht den Raum eng, doch dann läuft er auf den ballführenden Altintop drauf. Mit der Folge: plötzlich stehen zwei Augsburger frei, und nur Sahin kann noch eingreifen.

Minute 49:01

Großkreutz ist seit seinem Ballverlust dem Angriff der Augsburger hinterher gelaufen (als rechter Verteidiger) und wirkt nicht so, als wolle er noch eingreifen, er schaut nur zu, was passiert.

Minute 49:02

Alle BVB-Verteidiger stehen im entscheidenden Moment schlecht im Strafraum. Folgerichtig kommt der Kurzpass von Altintop auf Ji, von zwei Spielern wird der attackiert. Ji fällt im Strafraum. Schmelzer spitzelt den Ball weg im Liegen, unglücklich, denn er liefert so eine Vorlage für den freistehenden Augsburger Bobadilla.

Minute 49:03

Großkreutz sprintet nicht in die Gefahrenzone und er sieht auch nicht den freistehenden Spieler von Augsburg, er trabt sogar nur noch, als er im Strafraum ankommt, hätte er voll durchgezogen und den freistehenden Augsburger gesehen, wäre er vielleicht noch bei Bobadilla angekommen oder er hätte sich wie Hummels gegen Leverkusen auf die Torlinie stellen können, hinter den Torwart – auch das passiert nicht.

Minute 49:04

Augsburg verwandelt durch den völlig freistehenden Bobadilla.

Minute 49:05

Sechs Dortmunder stehen rund um den Elfmeterpunkt im Strafraum. Nur zwei Augsburger sind in unmittelbarer Nähe. Schmelzer steht auf: Er hatte anfangs noch gut im Raum gestanden, sieht aber nach dem Ballverlust von Großkreutz nicht, dass hinter ihm der entscheidende Spieler auf seiner Seite völlig frei steht - und das nicht nur kurz, sondern während des gesamten Angriffs – 15 Sekunden lang.

Minute 49:06

Kevin Kampl, bis zu seiner Auswechslung der laufstärkste BVB-Spieler an diesem Abend, sieht auf der linken Seite an der Strafraumlinie von hinten das Tor. Er kommt nicht mehr bis zu Bobadilla - sein Abstand zu Bobadilla war offenbar zu groß, als der Augsburger Angriff an der Mittellinie startete. Allerdings: Rund 60 Meter Sprint in 15 Sekunden wären drin gewesen.

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