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18.09.2013

15:55 Uhr

Matthias Sammer

Der proaktive Verbal-Grätscher

VonAnis Micijevic

Sportchef Matthias Sammer ist zum Lautsprecher des FC Bayern mutiert und beerbt damit Uli Hoeneß. Doch seine jüngsten öffentlichen Äußerungen haben für Irritationen im Verein gesorgt. Er droht den Bogen zu überspannen.

Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer: Nie zufrieden. dpa

Bayern Münchens Sportdirektor Matthias Sammer: Nie zufrieden.

DüsseldorfVor mehr als 15 Jahren kannte der deutsche Profifußball noch den Begriff „Leitwolf“. Leitwölfe waren charismatische Führungsspieler, die mit klaren Worten auf dem Platz ihre Mannschaft nach vorne peitschen konnten, wenn es mal nicht so lief. Matthias Sammer war so ein Spieler. Ob beim VfB Stuttgart, Borussia Dortmund oder der deutschen Nationalmannschaft – Defensivchef Sammer war einer, der ein Team führen und motivieren konnte. Der Erfolg gab ihm recht: Drei deutsche Meisterschaften, ein Champions-League-Sieg und die Europameisterschaft – Leitwolf Sammer wurde 1996 nicht zu Unrecht zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.

In seiner Funktion als Sportchef beim FC Bayern München hat er das Grätschen nicht aufgegeben, wenngleich diese Grätschen nun vornehmlich verbal kommen. Sammer grätscht immer dazwischen, wenn er der Auffassung ist, die Bayern-Profis würden sich auf ihren Lorbeeren ausruhen oder sportliche Herausforderungen zu locker nehmen. Während der gesamten Triple-Saison wurde er nicht müde, die beeindruckenden Leistungen des Heynckes-Teams auf vermeintliches Normalmaß runter zu schrumpfen und somit in gewisser Art und Weise klein zu reden.

Selbst in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison hätte keiner den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen à la „Noch haben wir überhaupt keinen Titel geholt“ bezweifeln können, obwohl zu dem Zeitpunkt zumindest das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal nur noch Formsache schien.

Mit seiner nüchternen, sachlichen, aber manchmal auch zu emotionsbefreiten Art brannte er sich in den Köpfen vieler als das mahnende Gewissen des FC Bayern fest, das nach jeder Weltklasse-Leistung trotzdem noch einmal demonstrativ den Zeigefinger erhebt, damit auch ja keiner der Bayern-Stars sich irgendetwas auf sich einbilden möge. Das wirkt sehr professionell, aber auch wenig menschlich und in der Folge auch wenig sympathisch.

Sammer nahm bei den Bayern die Rolle des Lautsprechers ein, die Präsident Uli Hoeneß vor Bekanntwerden der Steueraffäre ausgefüllt hatte. Sammer war zugleich die Gegenfigur zu Jupp Heynckes: Die fürsorgliche, beschützende Vaterrolle war nicht die seine, sondern die maßregelnde und autoritäre. Doch der Erfolg machte ihn nicht angreifbar, sondern gab ihm zusätzliche Bestätigung.

Kommentare (7)

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18.09.2013, 16:14 Uhr

Was macht der Kerl bei den Bayern ?

Wofür ist der dort gut und was sind seine Aufgaben ?

WilhelmK

18.09.2013, 17:01 Uhr

Der Sammer ist zwar ein grosser Unsympath, aber er hat doch Recht.
Die Bayern spielen nicht gut - zumindest nicht für den Kader - da haben sie definitiv den besten. Die Fernbedienung entscheidet und da werden die Bayern-Spiele von mir samstags weggezappt, weil die Spiele nicht attraktiv sind. Bayern spielt langweilig !
Und wenn hinterher alle zufrieden sind, dann verstehe ich den Sammer gut, wenn er dazwischengrätscht.
Zudem haben die Bayern Glück und werden von den Schiris wirklich bevorteilt. 75% aller zweifelhaften Situationen werden pro Bayern entschieden.
Und wenn einer wie der Gustavo jetzt bei Wolfsburg zum zweiten Mal Gelb-Rot kriegt (nach 5 Spieltagen), dann liegt das nicht an der anderen Spielweise, der spielt wie immer. Bei den Bayern flog er dafür in der ganzen letzten Saison nicht vom Platz....

marcriva100

18.09.2013, 17:11 Uhr

Ohne den Kerl gäbe es heute keinen Özil, Poldi, Hummels, Lahm etc in der Nationalmannschaft!! Nach dem EM Sieg 96 in England dachte man in Deutschland man könnte ewig mit Altherrenfussball gewinnen. Der "Kerl" hat dafür gesort das uns diese Talente nicht durch das Sieb fallen und gefördert werden. Mit professionellen Strukturen wie in der DDR. Denn sowas gabs im Westen nicht. Ohne den "Kerl" würde man heute nur davon träumen Favorite auf die WM 2014 in Brasilien zu sein....

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