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11.08.2015

14:09 Uhr

McKinsey-Studie

Fußball wächst zehnmal so schnell wie die Industrie

Mit dem Ball rollen die Milliarden: Inzwischen erwirtschaftet der Fußball in Deutschland jeden 350. Euro, er ist damit zehnmal so schnell gewachsen wie die Industrie des Landes. Da will auch der Staat mit abkassieren.

Damit Klubs Zusatzerlöse nicht aus Ticketpreisen auf englischem Niveau erzielen, muss der deutsche Fußball das Augenmerk auf eine stärkere Internationalisierung richten dpa

Dortmunder Südtribüne

Damit Klubs Zusatzerlöse nicht aus Ticketpreisen auf englischem Niveau erzielen, muss der deutsche Fußball das Augenmerk auf eine stärkere Internationalisierung richten

FrankfurtDie wirtschaftliche Bedeutung des Profifußballs in Deutschland hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Dies ist das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company mit dem Titel „Wachstumsmotor Bundesliga“.

2014 betrug die Wertschöpfung des Profifußballs demnach 7,9 Milliarden Euro, was einer Steigerung um 55 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 entspricht. Der Fußball, der mittlerweile 110.000 Arbeitsplätze schafft und für jeden 350. erwirtschafteten Euro sorgt, ist damit zehnmal so schnell gewachsen wie die deutsche Industrie.

Zudem profitierte der Staat im Vorjahr abzüglich der Kosten mit 2,3 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben. Dies bedeutet eine Steigerung von 53 Prozent in den vergangenen sechs Jahren. „Ich glaube, dass die Deutsche Fußball Liga und die Clubs stolz darauf sein können, was die Bundesliga in den letzten Jahren geleistet hat“, erklärte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Die Zahlen sagten „einiges aus über die Stärke des Profifußballs, sei es als sportlicher Wettbewerb, in seiner wirtschaftlichen Ausprägung oder in seiner Fähigkeit, die Menschen zu begeistern“, so Seifert.

Profi-Fußball: geschätztes Potenzial für Umsatzwachstum bis 2020

Studie

Die wirtschaftliche Bedeutung des Profifußballs in Deutschland hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Dies ist das Ergebnis einer am Dienstag vorgestellten Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company mit dem Titel „Wachstumsmotor Bundesliga“. So sei bis 2020 noch signifikantes Substanzwachstum in der Bundesliga und der 2. Bundesliga möglich.

Quelle: McKinsey

Merchandising

In den kommenden Jahren ist im Bereich Merchandising ein 50-prozentiges Wachstum aus der bestehenden Substanz heraus zu erwarten. Doch selbst bei einer Fortschreibung des Wachstums bleibt der Bereich relativ klein im Vergleich zu anderen Umsatzquellen.

Medien

Eine Fortsetzung des Wachstums der Einnahmen aus TV-Rechten scheint bei anhaltender sportlicher Aktivität der Bundesliga realistisch. Das verspricht zum einen die Kaufkraft in Deutschland und zum anderen der hierzulande geringer entwickelte Pay-TV-Markt. Die Pay-TV-Penetration ist hier mit 17 Prozent noch deutlich unter dem Wert z.B. Spaniens (24 Prozent), Italiens (33 Prozent) oder gar Englands (54 Prozent). Ein Wachstum von 45 Prozent ist möglich.

Sponsoring

Ein fast 60-prozentiges Wachstum wie in der Vergangenheit ist im Bereich Sponsoring aus der bestehenden Substant heraus nicht mehr zu erwarten. Das zukünftige Potenzial von 30 Prozent liegt selbst unter günstigen (sportiche Erfolge, gute Zuschauerquoten) halb so hoch.

Ticketing

Bereits heute liegt die Stadionauslastung bei über 90 Prozent – da bleibt nicht mehr viel Luft nach oben, zumal kurzfristig keine signifikanten Erweiterungen der Stadionkapazitäten zu erwarten sind. 20 Prozent Wachstum ist von daher möglich.

Neue Märkte

Laut der Studie rückt eine andere Wachstumsquelle in den Fokus: die Erschließung neuer Märkte. Das Potenzial zur Internationalisierung des Produkts „Bundesliga“ ist groß. Vor allem länderübergreifendes Sponsoring und Medienumsätze im Ausland bergen neue Wachstumschancen (25 Prozent bis 2020).

Gesamt

Berücksichtigt man alle genannten Prognosen zum zukünftigen Wachstum, zeichnet sich eine Verringerung gegenüber der bisherigen Wachstumsgeschwindigkeit ab (bis 2020: 35 Prozent; 2007/08-2013/14: 48 Prozent). Vor allem wenn auf eine starke Verteuerung des Sports und kulturelle Änderungen am Kernprodukt „Profifußball in Deutschland“ verzichtet werden soll.

Fazit

Der Profifußball in Deutschland hat in den vergangenen Jahren sportlich und wirtschaftlich Beeindruckendes erreicht. Seit der Saison 2007/08 gelang es der Bundesliga, sich sukszessive von der spanischen Primera División abzusetzen und sich damit als zweitumsatzstärkste Liga Europas zu behaupten.

Ausblick

Der Profifußball muss neue Wege beschreiten, um wirtschaftlich stabil zu bleiben und Voraussetzungen für anhaltenden sportlichen Erfolg zu schaffen. Hierbei gilt es, die integrative Rolle und die Erschwinglichkeit des Fußballs als Lieblingssport der breiten Masse der Deutschen nicht zu untergraben, sondern weiter zu fördern.

Die Studie hat McKinsey auf eigene Initiative erstellt – also ohne Auftraggeber und Bezahlung. Sechs Jahre zuvor hatte die Unternehmensberatung erstmalig in einer Studie vergleichbare Werte erhoben.
Seit 2008 ist die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze um 40.000 Stellen gewachsen.

Die Beschäftigungsintensität des Profifußballs ist damit so stark gestiegen wie zuletzt in nur wenigen anderen Wirtschaftszweigen in Deutschland. Die Wertschöpfung stieg im gleichen Zeitraum um 55 Prozent.

„Der deutsche Fußball hat sich nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt – die Branche hat sich als echter Wachstumsmotor etabliert. Jeder 350. in Deutschland erwirtschaftete Euro steht im Zusammenhang mit dem Profifußball. Die Branche steht allerdings vor der Herausforderung, dieses Tempo auch in Zukunft zu halten“, sagt Thomas Netzer, Direktor im Kölner Büro von McKinsey und Autor der Studie.

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