Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2014

16:21 Uhr

Mehr als 100 Milliarden Euro

Geldwäsche über Sportwetten in erschreckendem Ausmaß

Die organisierte Kriminalität nutzt Sportwetten in riesigem Ausmaß: Mehr als 100 Milliarden Euro werden jährlich über Wetten gewaschen. Besonders Fußball und Kricket sind von Wett-Manipulation betroffen.

Einer Studie zufolge sind 80 Prozent der weltweiten Sportwetten illegal. dapd

Einer Studie zufolge sind 80 Prozent der weltweiten Sportwetten illegal.

ParisDie organisierte Kriminalität nutzt Sportwetten in erschreckendem Ausmaß. Jährlich werden mehr als 100 Milliarden Euro über Wetten gewaschen, schreiben die Pariser Universität Panthéon-Sorbonne und das Internationale Zentrum für Sportsicherheit ICSS aus Katar am Donnerstag nach zweijährigen Untersuchungen. 80 Prozent der weltweiten Wetten sind der Studie zufolge illegal.

Besonders Fußball und Kricket seien von Wettbewerbs- und Wett-Manipulation betroffen, daneben seien auch Tennis, Basketball, Badminton und Motorsport anfällig. Experten wie der Buchautor Declan Hill kritisierten allerdings die Methodik der Studie.

Alleine 2013 hat es der Untersuchung zufolge mutmaßlich „Hunderte oder sogar Tausende“ Fälle von Betrug gegeben. Als Maßnahmen empfehlen die Wissenschaftler unter anderem eine übergreifende Wettsteuer, um internationale Untersuchungen zu finanzieren.

Weltweite Wettskandale im Fußball

Deutschland

Dezember 2012: Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil gegen den Wettpaten Ante Sapina zum Teil auf. Der Prozess muss neu verhandelt werden. Das Landgericht Bochum habe nicht geprüft, ob eine Strafmilderung nach der sogenannten Kronzeugenregelung infrage komme. Sapina war im Mai 2012 zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte mit Komplizen im großen Stil Wetten auf manipulierte Fußballspiele platziert und damit insgesamt 2,3 Millionen Euro eingenommen.

Südafrika

Dezember 2012: Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

Südkorea

Januar 2013: Nach einem Wettskandal im südkoreanischen Fußball sperrt der Weltverband FIFA 41 koreanische Spieler weltweit. 2011 waren organisierte Spielmanipulationen ans Licht gekommen. Die beteiligten Akteure sollen in Spielen der nationalen K-Liga absichtlich Fehler gemacht haben, um dadurch den Verlauf zu beeinflussen. Im Gegenzug sollen sie Geld von Glücksspielvermittlern erhalten haben.

Italien: Mai 2012

28. Mai: Stefano Mauri, der Kapitän des Erstligisten Lazio Rom, wird von der italienischen Polizei festgenommen. Nationaltrainer Cesare Prandelli streicht Verteidiger Domenico Criscito aus dem EM-Aufgebot wegen des Verdachts von Spielmanipulationen. Bei einer Razzia gibt es insgesamt 19 Festnahmen.

29. Mai: Prandelli nimmt aber trotz der Ermittlungen Verteidiger Leonardo Bonucci mit zur EM. Ministerpräsident Mario Monti stellt derweil den gesamten Profi-Fuball im Land infrage.

30. Mai: Torwart Gianluigi Buffon soll in der Wett-Affäre als Zeuge aussagen. Er hatte missverständliche Aussagen bezüglich angeblicher Ergebnisabsprache in der vergangenen Saison gemacht.

31. Mai: Aber Buffon musste keine Vorladung der Staatsanwaltschaft vor der EM befürchten. Staatsanwalt Roberto Di Martino wollte Italiens Vorbereitung nicht stören.

Italien: Dezember 2012

Der Wettskandal in der italienischen Serie A beschert dem SSC Neapel einen Punktabzug für die laufende Saison und eine Geldstrafe in Höhe von 70 000 Euro. Kapitän Paolo Cannavaro und Teamkollege Gianluca Grava wurden wegen eines nicht angezeigten Spielmanipulationsversuchs für sechs Monate gesperrt. Im Mai 2010 soll der frühere Torwart der Süditaliener, Matteo Gianello, versucht haben, das Serie-A-Spiel bei Sampdoria Genua zu manipulieren. Cannavaro und Grava sollen Absprachen abgelehnt, den Vorfall aber nicht angezeigt haben. Gianello selbst wurde für drei Jahre und drei Monate gesperrt.

Italien: Dezember 2013

Italiens Weltmeister Gennaro Gattuso steht im Mittelpunkt einer neuen Episode der Wettbetrugssaga im italienischen Fußball. Vorgeworfen wird ihm bislang kein konkretes Delikt, aber sein Haus wurde bereits durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Die Polizei geht von Kontaktaufnahmen zu einem mutmaßlichen Mittelsmann der Wettmafia aus. die Hintermänner der Serie A haben wohlmöglich auch die WM im Visier – und Gattuso scheint mittendrin zu sein.

„Das schnelle Wachstum des globalen Sport-Wettmarkts hat ein gestiegenes Risiko der Infiltrierung durch organisiertes Verbrechen und Geldwäsche zur Folge“, sagte ICSS-Direktor Chris Eaton, der früher Sicherheitsbeauftragter beim Fußball-Weltverband FIFA war. „Kriminalität stiehlt die Seele und die Glaubwürdigkeit des Sports.“

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×