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15.02.2016

12:38 Uhr

Messi und die Elfer-Finte

Barcelonas Strafstoß-Kick ist legal – aber auch fair?

Messi tippt nur an – Suarez vollstreckt. Der kuriose Elfmeter-Trick der Barcelona-Stars spaltet die Fußballfans. Regelkonform ist das Ganze offenbar, aber auch fair? Andrés Iniesta jedenfalls zeigt sich überrascht.

Freuen sich über den gelungenen Elfer-Trick: Barcelona's Luis Suarez und Lionel Messi. ap

Luis Suarez, Lionel Messi

Freuen sich über den gelungenen Elfer-Trick: Barcelona's Luis Suarez und Lionel Messi.

DüsseldorfFußballerisch ist der FC Barcelona derzeit das Maß aller Dinge. Der amtierende Champion der Welt führt die spanische Primera Division souverän an, zerlegte im Halbfinale des spanischen Pokals den FC Valencia in seine Einzelteile und ist im Achtelfinale der Königsklasse gegen den FC Arsenal aus London haushoher Favorit. Tore fallen in den Heimspielen der Katalanen reihenweise  - im Schnitt mehr als vier Treffer pro Partie.

Am Sonntagabend hatte der Spitzenreiter das Überraschungsteam Celta Vigo zu Gast im Camp Nou. Barca fertigte die Gäste mit 6:1 ab, Lionel Messi eröffnete mit einem perfekt getretenen Freistoß den Torreigen. Über dieses Traumtor sprach anschließend niemand mehr: Vielmehr war es der Treffer zum zwischenzeitlichen 4:1, der Diskussionen anregte und unmittelbar nach Spielende um die gesamte Welt ging.

Was war passiert? Schiedsrichter Alejandro Hernandez hatte nach einem Foul an Messi auf Strafstoß für Barcelona entschieden. Der Argentinier gab sich als Schütze zu erkennen, der Schiedsrichter gab den Ball frei. Messi lief an, tippte den Ball mit der Fußspitze nach rechts zum in den Strafraum gelaufenen Luis Suarez, der den Ball anschließend ins Tor drosch. Vigos Torwart Sergio Alvarez lag bereits geschlagen auf dem Boden – für Suarez war der dritte Treffer in dieser Partie folglich ein Kinderspiel.

Vom „Elfmeter des Jahrhunderts“ sprach die spanische Tageszeitung „AS“, „Radio Marca“ aus Madrid hingegen beklagte mangelnden Respekt gegenüber dem gegnerischen Team. Der Treffer allerdings war in seiner Entstehung regulär. Der Ball ist im Spiel, sobald er vom Strafstoßschützen mit dem Fuß nach vorne gespielt wird – nicht mehr, nicht weniger. Es ist daher nicht notwendig, dass Messi den Strafstoß auch direkt aufs Tor schießt.

In den offiziellen Regeln des DFB etwa heißt es: „Nachdem sich die Spieler regelkonform aufgestellt haben, gibt der Schiedsrichter das Zeichen zur Ausführung des Strafstoßes. Der ausführende Spieler muss den Ball mit dem Fuß nach vorne treten.“ Anschließend ist der Ball spielbereit – nur nicht für den Schützen selbst. Hätte Messi selbst also den Ball ein weiteres Mal berührt, ohne dass er zuvor von einem Mit- oder Gegenspieler gespielt worden wäre, hätte es indirekten Freistoß für die Gäste aus Vigo geben müssen. Indirekten Freistoß hätte es auch gegeben, wenn Messi den Ball nach hinten gespielt hätte.

Suarez allerdings war berechtigt, den Ball sofort ins Tor zu schießen, da dieser vom Weltfußballer nach vorne und daher regelkonform ins Spiel gebracht wurde. Gegenüber dem klubeigenen TV-Sender sagte Sturmpartner Neymar, dass der Ball ursprünglich für ihn gedacht wäre. Dass letztlich Suarez eher am Ball war, lag auch daran, dass er wohl einen kleinen Schritt zu früh in den Strafraum gelaufen war. Mit- und Gegenspieler dürfen eigentlich erst den Strafraum betreten, wenn der Elfmeterschütze den Ball berührt hat.

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