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22.01.2015

11:49 Uhr

Milliardär Kühne kauft Namensrechte

Der HSV bekommt das Volksparkstadion zurück

Eigentlich wollte Investor Klaus-Michael Kühne dem Hamburger SV kein Geld mehr geben. Doch nun kauft der Milliardär 7,5 Prozent der AG-Anteile – und die Namensrechte am Stadion. Für den klammen HSV ein Segen.

HSV-Fan Klaus-Michael Kühne: „Ich hoffe, dass ich den Aufbruch des HSV mit meinem Beitrag unterstützen kann“. ap

HSV-Fan Klaus-Michael Kühne: „Ich hoffe, dass ich den Aufbruch des HSV mit meinem Beitrag unterstützen kann“.

Hamburg/DüsseldorfNach zähen Verhandlungen beteiligt sich Milliardär und Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne (77) jetzt doch an der Fußball AG des finanziell angeschlagenen Bundesligisten Hamburger SV. Der Milliardär erwirbt für 18,75 Millionen Euro 7,5 Prozent der Anteile. Zudem kauft Kühne dem HSV die Namensrechte des Stadions ab. Ab dem 1. Juli heißt die Arena für vier Jahre dann wieder Volksparkstadion. Allerdings muss der HSV dafür einen Kompromiss eingehen: Die Wirtschaftsprüfer KPMG hatten den Wert der HSV AG auf 330 Millionen taxiert, Kühne wurde folglich ein deutlicher Abschlag gewährt.

„Wir setzen damit unseren Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung fort und haben ein ganz wichtiges Etappenziel erreicht“, sagte Aufsichtsrats-Chef Karl Gernandt: „Wir werden weiterhin hart daran arbeiten, dass der HSV im Bundesligavergleich in allen Bereichen an Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnt.“

Den Klub plagen Verbindlichkeiten von über 100 Millionen Euro. Kühne zahlt für das „Volksparkstadion“ fortan vier Millionen Euro jährlich. Durch Kühnes Einstieg steht dem HSV über den Verkauf der Namensrechte nun auch wieder frisches Geld zur Verfügung, um auf dem Transfermarkt den erhofften Stürmer zu verpflichten. Klarer Wunschspieler ist Josip Drmic. Der Stürmer von Bayer Leverkusen ist sich mit den Hamburgern einig, die Werkself möchte den Spieler jedoch nicht ohne passenden Ersatz gehen lassen. Sechs Millionen Euro Ablöse stehen im Raum.

Kühnes Investition kommt unerwartet. Schließlich hatte der Unternehmer sich noch kurz vor Weihnachten geweigert, seinen Kredit von 25 Millionen Euro in Vereinsanteile umzuwandeln. Der Restbetrag wird nach Informationen des „Hamburger Abendblatts“ bis 2019 zum Zinssatz von vier Prozent abbezahlt.

Wäre dies der Fall, stünden dem HSV sofort die Einnahmen aus dem Verkauf der Anteile sowie die Zahlung für die Namensrechte zur Verfügung. So oder so dürfte das Geld nicht komplett in den Kader fließen. Der Verein muss unter anderem eine Fan-Anleihe über 17,5 Millionen Euro bedienen. Das Geld sammelte der Klub ein, um ein neues Jugendleistungszentrum zu bauen – doch nicht einmal der erste Spatenstich ist getan. Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer forciert das Projekt seit seinem Antritt im Sommer, aber auch hierfür werden neue Millionen gebraucht.

Chefaufseher Gernandt konnte Kühne offenbar doch zum Einstieg überreden. Das überrascht nicht wirklich: Gernandt ist ein enger Vertrauter Kühnes und dient als dessen Interessenvertreter im Logistikkonzern Kühne + Nagel AG. Entsprechend wird der Aufsichtsrat häufig auch als verlängerter Arm des Investors in Reihen der HSV-Spitze angesehen. „Ich hoffe, dass ich den Aufbruch des HSV mit meinem Beitrag unterstützen kann“, sagte Kühne. Im Dezember klang das im Interview mit „Die Zeit“ noch so: „Ich will kein Abramowitsch werden. Ich habe jetzt wirklich schon viel zu viel Geld in dieses Hobby investiert.”

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