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24.10.2013

15:57 Uhr

Millionärssteuer

Fußball-Klubs in Frankreich wollen streiken

Die Profi-Klubs in Frankreich wollen sich die Millionärssteuer von 75 Prozent nicht gefallen lassen und drohen mit einem Streik. Im November sollen alle Fußballspiele der ersten und zweiten Liga ausfallen.

Die Zuschauerränge im neuen Stadion von Nizza, der Allianz Riviera. Die französischen Fußball-Vereine gehen gegen die künftige Reichensteuer auf die Barrikaden. dpa

Die Zuschauerränge im neuen Stadion von Nizza, der Allianz Riviera. Die französischen Fußball-Vereine gehen gegen die künftige Reichensteuer auf die Barrikaden.

ParisFrankreichs Profi-Klubs reagieren mit einer Streikdrohung auf die Millionärssteuer von 75 Prozent, die sie 2014 erstmalig zahlen müssen. Am letzten Novemberwochenende sollen die Bälle im Schrank bleiben und alle Spiele der ersten und zweiten Liga ausfallen, gaben die Klubpräsidenten am Donnerstagnachmittag bekannt. Die Aktion wird „Tag der offenen Tür“ genannt. Sie ist spektakulär, unpopulär und riskant. Mehr als vier Fünftel der Franzosen halten die Profi-Fußballer für viel zu gut bezahlt und viel zu schlecht erzogen. Wenn sie jetzt auch noch in der Kabine schmollen statt sich auf dem Platz anzustrengen, dürfte das ihre Beliebtheit nicht unbedingt steigern.

Nach langem Gezerre wird die umstrittene 75-Prozent-Steuer in der kommenden Woche zusammen mit dem Staatshaushalt vom Senat verabschiedet. Sie gilt auf den Teil eines Gehalts, der 75 Prozent übersteigt. Bezahlt wird sie nicht vom Gehaltsempfänger, sondern von dessen Arbeitgeber. Sie wird 2014 entrichtet, aber rückwirkend für alle 2013 gezahlten Gehälter. Die Klubs konnten aber erreichen, dass die Abgabe bei fünf Prozent des Umsatzes gedeckelt wird. Nach zwei Jahren soll sie wieder verschwinden – das hat man allerdings schon von vielen Steuern gehört, bevor sie verewigt wurden.

Die hohe Zahl von 44 Millionen Euro an Steuern, die seitens der Profiklubs genannt wird, dürfte angesichts der Deckelung übertrieben sein. Ohnehin ist nur eine kleine Minderheit von Klubs betroffen: Auf Paris Saint German, Spielzeug des Gas-Scheichtums Katar, entfällt allein die Hälfte. Es folgen Lille, Marseille, Lyon und Bordeaux. Der Rest spielt hinsichtlich der Steuerbelastung keine Rolle.

Am 31. Oktober treffen sich die Vereinspräsidenten noch einmal mit Präsident Hollande. Sollten sie danach bei ihrem Streikbeschluss bleiben, fahren sie ein hohes Risiko. Die Bezahlsender Canal Plus und BeinSport – ebenfalls ein Investment von Katar – bezahlen schließlich keine Millionenbeträge, um vom Tag der offenen Tür zu berichten. Es könnten also umfangreiche Regressforderungen auf die Klubs zukommen. Von der möglichen Wut der Fans ganz zu schweigen. Paris hat noch die Meisterfeier von Paris Saint Germain in schlechter Erinnerung, die in diesem Sommer mitten in der Hauptstadt in eine offene Feldschlacht ausartete, nach der die Ultras plündernd über die Champs Elysées zogen.

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th

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