Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.05.2016

17:39 Uhr

Millionenspiel in der Relegation

Angst vor dem finanziellen Absturz

Der 1. FC Nürnberg kämpft um das große Los Bundesliga. Eintracht Frankfurt zittert um zweistellige Millioneneinnahmen. Ein brisantes Spiel um Ab- und Aufstieg – wirtschaftlich, sportlich und wegen der Fanfeindschaft.

Marco Russ von Eintracht Frankfurt jubelt nach dem Schlußpfiff vor den Fans, die immer noch Angst vor dem Abstieg aus der Bundesliga haben müssen. dpa

Eintracht Frankfurt

Marco Russ von Eintracht Frankfurt jubelt nach dem Schlußpfiff vor den Fans, die immer noch Angst vor dem Abstieg aus der Bundesliga haben müssen.

DüsseldorfUm die Sonnenplätze in der Bundesliga, also bis Platz 7, rangeln sich eine Vielzahl von Klubs, in den letzten Jahren auch immer wieder Hannover 96 und der VfB Stuttgart. Beide sind nun abgestiegen und müssen finanziell wesentlich bescheidener auftreten. Ein ähnliches Schicksal droht auch Eintracht Frankfurt, immerhin Platz 11 in der Rangliste der TV-Gelder für die Saison 2016/17.

Diesen Platz an der Sonne können die Frankfurter nur halten, wenn sie in den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg die Oberhand behalten (Donnerstag und Montag, jeweils 20.30 Uhr). Sollte Frankfurt dagegen absteigen, wären mehr als 20 Millionen Euro TV-Gelder futsch. Der Grund: In der zweiten Liga sind die Sockelbeträge aus dem nationalen Topf niedriger, aus dem internationalen TV-Pool fließt nichts mehr.

Real Madrid und der FC Barcelona mögen solche Summen aus der Portokasse holen. Auch nahezu alle Klubs aus der englischen Premier League sind im Milliardengeschäft Fußball längst über das Frankfurter Niveau hinaus – genauso wie Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Bayer Leverkusen oder Borussia Mönchengladbach.

Was Eintracht Frankfurt bei einem Abstieg verloren hätte

Lage

In der Bundesliga sitzen die Vereine an den Geldtöpfen, wer absteigt, muss sich deutlich einschränken, weil weniger Geld zufließt.
Quelle: Kicker, Vereine

Weniger TV-Gelder

Gesamt-Verlust durch TV-Gelder: 22,4 Millionen Euro, davon
Internationale TV-Gelder: 5,4 Millionen Euro
Nationale TV-Gelder: 17 Millionen Euro

Sponsoren

Verlust eines möglichen Geldgebers, der nur in die Bundesliga will

Kader

Frankfurt leistet sich einen Kader im Wert von 75 Millionen Euro, Platz 9 in der Liga. Bei einem Abstieg würde dieser Wert sich mehr als halbieren.

Image

Frankfurt liegt im Markenranking der 36 Profiklubs auf Platz 14 (Uni Braunschweig). Durch einen Abstieg dürfte es schlechter werden.

Geschäftsjahr 2013/14

Im Geschäftsjahr 2013/14 erwirtschaftete die Eintracht einen Überschuss von 350.000 Euro. Das Vereinsvermögen stieg auf 735.000 Euro, die Verbindlichkeiten wurden von 13,5 auf 10,5 Millionen Euro reduziert.

Umsatz

Umsatz 2014/15: 87,9 Millionen Euro
Umsatzziel 2015/16: 101,8 Millionen Euro

Geschäftsjahr 2014/15

Im Jahr 2014/2015 erzielte der Verein einen Jahresüberschuss von 187.000 Euro. Das Vereinsvermögen entwickele sich positiv, hieß es.

Für den Traditionsklub Eintracht Frankfurt steht dagegen vergleichsweise viel Geld auf dem Spiel. Gemessen am Umsatzziel von rund 100 Millionen Euro für die Saison 2015/16 würden allein durch den TV-Bereich ein Viertel der Gesamteinnahmen wegbrechen. Weniger Geld mit Sponsoren und an den Spieltagen kämen hinzu. Es ist klar, dass solche Millionenverluste nur durch drastische Einschnitte im Lizenzspieleretat aufgefangen werden könnten.

Was der 1. FC Nürnberg bei einem Aufstieg gewinnt

Lage

Wer aufsteigt in die erste Liga, kann sich sanieren, insbesondere weil wesentlich mehr Fernsehgelder in die eigenen Kassen fließen.

Mehr TV-Gelder

Gesamt-Gewinn: 16,7 Millionen Euro

Internationale TV-Gelder: 2,5 Millionen Euro
Nationale TV-Gelder: 14,2 Millionen Euro

Sponsoren

Mit einem Bundesliga-Aufstieg würde der Verein für Sponsoren wieder attraktiver. Adidas zieht sich Ende der Saison 2015/16 zurück, weil Nürnberg kein Topverein ist.

Kader

Der Profikader von Nürnberg ist ca. 18,5 Millionen Euro wert. Damit liegt der Verein auf Platz 3, deutlich hinter Leipzig und Freiburg, deren Kaderwert über 30 Millionen Euro liegt. In der Bundesliga ist eine Verdopplung realistisch.

Image

Nürnberg liegt im Markenindex der Profiklubs auf Platz 11. Ein Aufstieg gäbe einen Schub.

Ergebnis

Im Geschäftsjahr 2014/2015 hat Nürnberg ein Minus von 2,1 Millionen Euro nach Steuern gemacht. Im Vorjahr hatte es noch einen Überschuss von 400.000 Euro gegeben.

Umsatz

Die Einnahmen des neunmaligen deutschen Meisters fielen auf 47,2 Millionen Euro gegenüber 64,4 Millionen im Vorjahr in der Bundesliga.

Fehlbetrag

Der nicht durch Vereinsvermögen gedeckte Fehlbetrag erhöhte sich auf 3,2 Millionen (Vorjahr: 1,2 Millionen).

Verbindlichkeiten

Zum 30. Juni 2015 betrugen die laufenden Verbindlichkeiten 16,2 Millionen Euro (Vorjahr 18,8 Millionen).

Die Lage des Herausforderers aus Nürnberg ist dagegen genau umgekehrt. Die Franken haben die Radikalkur zweite Liga schon hinter sich und wollen nun wieder an die großen Geldtöpfe. Allein durch Fernsehgelder könnte der Umsatz um rund 17 Millionen Euro hochgeschraubt werden. Im Ergebnis würde wieder das alte Bundesliga-Niveau von rund 65 Millionen Euro erreicht.

Fazit: Allein mit den zusätzlichen TV-Geldern könnte Nürnberg den Kader deutlich aufwerten und den Wert seiner Profispieler gegenüber den Zweitligazeiten in etwa verdoppeln. Die Nürnberger sind also – aus finanzieller Sicht – mindestens genauso motiviert wie die Frankfurter, allerdings positiver. Sie haben weniger zu verlieren – und sportlich jede Menge zu gewinnen.

 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×