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14.05.2016

15:28 Uhr

Monopol im Fußball

Wie Bayern selbst den BVB deklassiert

VonThomas Schmitt

An einem Tag hat Meister Bayern München 73 Millionen Euro ausgegeben. Das kann kein anderer Klub hierzulande. Auch der Bundesligazweite aus Dortmund hat gegen diese Power keine Chance. Jahrzehnte könnte das so bleiben.

Wer gewinnt? Im DFB-Pokalfinale stehen sich am 21.05.2016 im Berliner Olympiastadion Borussia Dortmund und der FC Bayern München gegenüber. Hier wird der Pokal übergeben - vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). dpa

Pokalfinale

Wer gewinnt? Im DFB-Pokalfinale stehen sich am 21.05.2016 im Berliner Olympiastadion Borussia Dortmund und der FC Bayern München gegenüber. Hier wird der Pokal übergeben - vom Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Reinhard Grindel, an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

DüsseldorfSportlich macht sich Borussia Dortmund Hoffnungen, die großen Bayern zu ärgern – insbesondere im DFB-Pokalfinale am 21. Mai in Berlin. In einem Spiel ist im Fußball alles möglich, insbesondere wenn beide Teams sportlich auf Augenhöhe sind. Wirtschaftlich dagegen ist der Abstand der beiden deutschen Topvereine gewaltig.

Der Vorsprung der Münchner ist so riesig, dass der BVB in den nächsten zehn Jahren keine Chance hat, auf Augenhöhe heranzukommen. Borussia Dortmund bräuchte bei den wichtigsten Kennzahlen mindestens ein Wachstum von acht bis zehn Prozent pro Jahr, um überhaupt das aktuelle Bayern-Niveau zu erreichen.

Doch auch die Bayern-AG entwickelt sich ja weiter. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Konzern wesentlich langsamer wächst als der Herausforderer aus dem Pott. Das liegt in der Eigenart des Geschäfts Fußball begründet. Hier gilt das alte Abba-Prinzip: „The Winner takes it all.“

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Superkader

Der FC Bayern hat seinen Ruf als Käuferclub eindrucksvoll unterstrichen, doch auch die Münchner werden in diesem Sommer wohl Stars verkaufen. Nach den Zugängen von Mats Hummels und Renato Sanches sinken die Chancen anderer auf Einsatzzeit.

Die 2021er

Bis 2021 laufen die Verträge der Multi-Millionen-Zugänge beim deutschen Fußball-Rekordmeister – so lange wie jene von Thomas Müller, Manuel Neuer, David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez. Mit Robert Lewandowski (2019) würden die Münchner gerne vorzeitig verlängern.

Hummels und Sanches

Hummels komplettiert mit Boateng die Weltmeister-Innenverteidigung. Auf Sanches hält Bayerns künftiger Trainer Carlo Ancelotti auch schon große Stücke. Der Mittelfeldakteur sei ein Spieler, den Ancelotti „gerne verpflichten wollte“, verriet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Er kann auf der Sechs, speziell auf der Acht, vielleicht sogar auf der Zehn spielen.“

Unzufriedene

Einige Stars allerdings sind nicht zufrieden mit ihrer Einsatzzeit. Nach den Zugängen des Weltmeisters und des portugiesischen Super-Talents sinken die Chancen auf Spielminuten für Mario Götze & Co. weiter.

Mario Götze

Rückkehr zu Borussia Dortmund, Transfer zum FC Liverpool und Ex-Coach Jürgen Klopp - oder lockt doch noch Juventus Turin? Maßgeblich wird die Zukunft des WM-Finaltorschützen aber davon abhängen, wie Neu-Trainer Ancelotti mit dem von Guardiola nicht für die Top-Aufgaben berücksichtigen Offensivspieler plant.

Thiago

„Thiago oder nix.“ Der Wunschspieler von Pep Guardiola half den Bayern in der heißen Phase dieser Saison nicht entscheidend weiter. Hat durch den Zugang von Renato Sanches hochkarätige Konkurrenz im Mittelfeld. Folgt der 25-Jährige daher wie schon bei seinem Wechsel von Barcelona zu den Bayern noch einmal seinem Lehrmeister?

Sebastian Rode

Spekuliert wurde über ein Gladbacher Interesse, aber viele Bundesligisten würden den früheren Eintracht-Leistungsträger gerne nehmen. Nach zwei Spielzeiten bei Bayern steht die Trennung bevor. Die große Konkurrenzsituation im Mittelfeld lässt kaum auf mehr Einsatzzeit hoffen als in dieser für ihn mageren Saison mit 14 Liga-Spielen, meist als Teilzeitarbeiter.

Mehdi Benatia

Immer wieder fiel der Marokkaner verletzt aus. Der zwei- und kopfballstarke Innenverteidiger konnte nie zeigen, ob er den Bayern dauerhaft helfen könnte. Kam für geschätzte 28 Millionen Euro vom AS Rom und hat einen Vertrag bis 2019.

Serdar Tasci

Kam in höchster Abwehrnot als Ausleihe von Spartak Moskau. Der Lückenbüßer bereute angesichts von 220 Liga-Minuten später selbst den Wechsel. Günstig war der 14-malige Nationalspieler nicht, jede Einsatzminute kostete alleine bezogen auf die Leihgebühr von geschätzten 2,5 Millionen rund 11 000 Euro. Die Kaufoption wird Bayern nicht ziehen.

Rafinha

Höchst solider Backup von Philipp Lahm, aber mit 30 Jahren keine Zukunftslösung nach dem Karriereende des Kapitäns, nach der die Bayern suchen. Hat noch ein Jahr Vertrag. Wenn die Bayern eine Ablöse kassieren wollen, müssten sie ihn jetzt verkaufen.

Tom Starke

Der Vertrag der Nummer 3 hinter Manuel Neuer und Sven Ulreich läuft aus. Kam 2012 aus Hoffenheim, die Verpflichtung von Ulreich vor einem Jahr ließ die ohnehin geringen Einsatzchancen auf nahezu Null sinken.

Die Dauererfolge der Bayern sorgen für einen stetigen Zustrom an Fans – und das inzwischen weltweit. Die Menschen schmücken sich eben gern mit Siegern. Dies wiederum schafft die Basis, um die Einnahmen mit Fanprodukten und dem Fernsehen weiter in die Höhe zu treiben. Was auch immer neue Sponsoren anlockt.

Die Geldgeber aus der Wirtschaft reißen sich darum, mit Bayern München zu werben. Auch dies garantiert weiteres Wachstum. Klar, die vielen Millionen fließen auch künftig zum großen Teil in den Kader. Die Transfers dieser Woche – mit einem Einkaufsvolumen von 73 Millionen Euro an einem Tag – sind da nur der Anfang.

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Kein anderer Verein in der Bundesliga besitzt die wirtschaftliche Power, um solche Summen problemlos zu stemmen. Auch nicht der börsennotierte Klub aus Dortmund, immerhin die klare Nummer zwei – sportlich wie wirtschaftlich. In Deutschland dürfte deshalb das Monopol der Bayern zementiert werden – vielleicht für Jahrzehnte.

 

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