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22.10.2015

16:44 Uhr

Mysteriöse Millionenzahlung

Fifa geht auf Konfrontationskurs mit dem DFB

6,7 Millionen Euro – warum zahlte der DFB diese Summe vor der WM 2006 an die Fifa? DFB-Präsident Niersbach erklärt die Transaktion, doch die Antwort bleibt unschlüssig. Und die Fifa sagt: die Antwort kann nicht stimmen.

Jetzt spricht der DFB-Präsident

„Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen“

Jetzt spricht der DFB-Präsident: „Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen“

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FrankfurtKnapp eine Woche hat sich Wolfgang Niersbach Zeit gelassen, nun äußerte er sich ausführlich zu der mysteriösen Millionenzahlung des DFB an die Fifa im Vorfeld der WM 2006 in Deutschland. „Mit aller Offenheit und Ehrlichkeit“, wie er betonte.

Danach gab es tatsächlich eine nicht offen deklarierte 6,7-Millionen-Euro-Zahlung an die Finanzkommission der Fifa. Das Geld sei als Bedingung dafür geflossen, dass man von der FIFA „eine Organisationsunterstützung in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken (170 Millionen Euro) gewährt bekam“, sagte Niersbach am Donnerstag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Um die WM finanziell auf sichere Füße zu stellen“.

Für Niersbach ist entscheidend, dass das Geld – das von Robert Louis-Dreyfus bereit gestellt wurde – erst 2002 überwiesen wurde. „Es ist bei der WM-Vergabe alles mit rechten Dingen zugegangen“, beteuerte Niersbach. „Es hat keine schwarzen Kasse, es hat keinen Stimmenkauf gegeben.“

DFB: Die deutsche Bewerbung zur WM 2006

2. Juni 1993

DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder übergibt in Zürich als erster Bewerber die deutsche Kandidatur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an FIFA-Präsident Joao Havelange.

27. Dezember 1996

DFB-Präsident Egidius Braun setzt bei der Kandidatur auf "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer, der als WM-Botschafter für Deutschland werben soll.

2. März 1997

Der DFB gründet ein fünfköpfiges Bewerbungs-Komitee bestehend aus Egidius Braun, Franz Beckenbauer, Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Generalsekretär Horst Schmidt und DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach.

27. Mai 1997

Die offizielle Präsentation der deutschen Bewerbung findet im Münchner Prinzregenten-Theater statt, unter dem Motto „Wir sehen uns im Herzen Europas“.

10. Februar 1998

Kehrtwende von Joao Havelange. Er wirft Deutschland vor, den Weltfußball dominieren zu wollen. Den Schweden Lennart Johansson erklärt er zu einem Strohmann der Deutschen und rät von dessen Wahl zum neuen Fifa-Chef ab.

30 November 1998

Ein aufgedeckter Bestechungsskandal bei der Wahl zum FIFA-Vizepräsidenten setzt Englands Verbandspräsident und Drahtzieher Keith Wiseman unter Druck. Wenig später tritt neben Wiseman auch FA-Generalsekretär Graham Kelly zurück.

31. Dezember 1998

Die Bewerbungsgfrist läuft ab. Offiziell gehören England, Brasilien, Südafrika, Ägypten, Nigeria, Marokko, Ghana und Deutschland zum Kreis der Kandidaten.

Steuerbefreiung

12. Januar 1999: Die FIFA verlangt von den Bewerbern eine Garantie über Steuerbefreiung für die WM.

18. Januar 1999: Bundesaußenminister Joschka Fischer sagt dem DFB die volle Unterstützung seines Ministeriums zu.

29. Januar 1999: Die FIFA erlässt einen fünfseitigen Pflichtenkatalog für die Kandidaten, um Bestechung vor der Vergabe der WM zu verhindern.

4. Februar 1999: Bundesinnenminister Otto Schily stellt dem DFB eine Befreiung der FIFA von der 25-prozentigen Ertragssteuer in Aussicht.

Rückzug der Konkurrenten

28. April 1999: Ghana zieht seine Kandidatur zurück, kurz darauf auch Ägypten und Nigeria.

WM-Dossier

10. August 1999: In Zürich übergeben die fünf Bewerber ihre offiziellen Dossiers. Das deutsche ist 1200 Seiten stark und wiegt 37 Kilogramm.

Lob für die deutsche Bewerbung

16.-21. Oktober 1999: Eine Inspektoren-Gruppe der FIFA besucht neun deutsche Städte und deren Fußball-Stadien. Delegastionsleiter Alan Rothenberg lobt die "phänomenale Vorarbeit" des DFB.

Beckenbauer will Deal mit Südafrika

14. Januar 2000: Franz Beckenbauer bietet Südafrika seine Hilfe für eine Kandidatur 2010 an, wenn die Afrikaner ihre aktuelle Bewerbung fallen lassen würden.

Empörung in England

30. Juni 2000: Am Rande des UEFA-Kongresses in Luxemburg sickert durch, dass Deutschland in der Rangliste des Welt-Verbandes nach den Inspektionsreisen des FIFA-Gremiums unter Führung des US-Amerikaners Alan Rothenberg an Nummer eins vor Südafrika, England, Marokko und Brasilien geführt wird. In England herrscht helle Empörung.

3. Juli 2000: Brasilien zieht seine Kandidatur zurück und kündigt seine Unterstützung für Südafrika an.

Boris und Schiffer als Glücksbringer

5. Juli 2000: Letzte 30-minütige Präsentation des DFB vor der FIFA. Als Daumendrücker sind Bundeskanzler Gerhard Schröder, Top-Model Claudia Schiffer und Tennisstar Boris Becker vor Ort.

And the winner is...

6. Juli 2000: Die DFB-Bewerbung behält bei der Abstimmung im FIFA-Exekutivkomitee im letzten Wahlgang mit 12:11 Stimmen die Oberhand gegen die Kandidatur Südafrikas. Deutschland ist zum zweiten Mal nach 1974 WM-Gastgeber.

Niersbach räumte allerdings auch ein, dass die 6,7 Millionen Euro zunächst direkt vom damaligen Adidas-Chef Louis-Dreyfus an die Finanzkommission überwiesen wurden. Später habe das deutsche Organisationskomitee der WM dieses Geld über den Umweg eines Fifa-Kontos an den Franzosen zurückgezahlt. „Mir war nicht bewusst, dass hinter dem Etat-Posten Kulturprogramm die Rückzahlung dieses Geldes steckt“, erklärte Niersbach.

Seit der Veröffentlichung von Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der WM-Vergabe in der vergangenen Woche war der Druck auf Niersbach immer mehr gewachsen. Der DFB-Chef selbst hatte lediglich die Vorwürfe, die Weltmeisterschaft 2006 sei mit Hilfe einer schwarzen Kasse gekauft worden, „kategorisch“ zurückgewiesen.

War das WM-Sommermärchen gekauft?: Der coole Herr Niersbach

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Der coole Herr Niersbach

Es ist der erste öffentliche Auftritt von DFB-Präsident Niersbach seit dem Bericht über eine dubiose Millionenzahlung an die Fifa. Die WM 2006 gerät ins Zwielicht. Gab es eine schwarze Kasse? Niersbach muss sich äußern.

Allerdings monierten Kritiker, dass der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und frühere Vizepräsident des damaligen WM-Organisationskomitees keinen nachvollziehbaren Grund für die weitere Verwendung einer 6,7-Millionen-Zahlung des Komitees an den Weltverband Fifa erläuterte. Der „Spiegel“ hatte berichtet, das Geld sei geflossen, um Wahlmänner dazu zu bewegen, für Deutschland als Ausrichter der WM 2006 zu stimmen. Letztlich setzte sich Deutschland mit einer Stimme Vorsprung gegenüber Südafrika durch.

Kommentare (8)

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Herr Gerd Kintzel

22.10.2015, 14:15 Uhr

Zuerst hieß es seitens des DFB, der Betrag sei für eine Kulturveranstaltung der FIFA in Berlin vorgesehen gewesen. Danach langes Schweigen. Und nun sagt Niersbach, man habe sich mit der Überweisung € 170 Mio gesichert - nach der Maxime: Schickt ihr uns 6 Mio, überweisen wir euch € 170 Mio. Das ist ja noch bekloppter!

Herr Vinz Queri

22.10.2015, 14:39 Uhr

>> Nein, sagte DFB-Chef Wolfgang Niersbach – und gab dazu heute eine Erklärung ab >>

Und bei seiner Erklärung konnte er sich an NICHTS mehr erinnern, wusste auch von ziemlich wenig und hatte deshalb keine Angaben machen können.

Das Herumgestottere des H. Niersbach war an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten.

Das Einzige , was er mit absoluter Sicherheit behaupten konnte, war die Tatsache, dass die 7,5 Mio. € für ein Kulturprogramm, bzw. eine Gala-Vorstellung in Berlin, die NIE stattgefunden hat, bestimmt waren.

Jeder weiss aber, dass wenn man für eine Dienstleistung Geld bezahlt hat, und die Dienstleistung NIE erbracht worden ist, das Geld zurückverlangt wird. H. Niersbach wusste aber NICHT, von wem der DFB das Geld hätte zurückverlangen sollen, da der DFB auch NICHT weiß, wo das Geld abgeblieben ist...........?????????????

Und die seltsame Route des Geldes, von einer Privatzahlung des H. Beckenbauers, über Darlehen vom Adidas-Chef H. Dreyfuß an die Fifa und dann die Rückerstattung vom DFB an H. Dreyfuss klingt sehr abenteuerlich....?

Das Sommermärchen war wohl doch ein Korruptionsmärchen !

Und wie kann der DFB eine WM ins Land holen bei einem Verein wie FIFA, bei dem man weiss, dass es seit 1980-er Jahre nur über Schmiergelder geht....?

Der DFB erinnert sehr stark an den ADAC, an VW, etc. !

Niersbach sollte seinen Hut nehmen, solange er noch nicht H. Uli Höneß gefolgt ist.



Herr Jürgen Dannenberg

22.10.2015, 14:42 Uhr

Himmel hilf. Wie hanebüchen ist denn diese Erklärung des ehemaligen Journalisten Niersbach. Mann, oh Mann. Und dann mussten sie sich auch noch das Geld vom ehemaligen Adidas Chef Dreyfuss pumpen. so wie bei Hoeneß.

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